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StartseiteCorso"Klima ist allgegenwärtig"18.11.2019

Cartoon-Newcomer Lahs "Klima ist allgegenwärtig"

45 Jahre, Familienvater, Angestellter in einer Werbeagentur - einen Newcomer stellt man sich anders vor. Lars Murachs Cartoons entstehen abends auf dem Sofa. Und obwohl er die Jury des Deutschen Karikaturenpreises von seinem Humor überzeugen konnte: An seiner Frau beißt er sich die Zähne aus.

Von Kolja Unger

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Ein mächtiges Kreuzfahrtschiff dampft, schwarze Rauchwolken hinter sich herziehend, durch den Ozean. Einer der Passagiere an Deck sagt: "Für mich bitte ohne Strohhalm!". Unterschrieben ist die Karikatur mit "Kreuzfahrttouristen werden immer umweltbewusster" (Deutscher Karikaturenpreis / LAHS)
"Strohhalm" von LAHS (Deutscher Karikaturenpreis / LAHS)

Achim Greser: "Blass, pickelig, stimmbrüchig ..."

In seiner Laudatio macht der Gewinner des Karikaturenpreises 2018, Achim Greser, das, was er am Besten kann: Er zeichnet die  - zugegeben verbale - Karikatur eines jungen Karikaturisten, wie er ...

"... hier auf die Bühne tritt, um den ersten Preis der Newcomer entgegenzunehmen und mit fiepsiger Stimme zu sagen: Dankeschön, voll krass, die vielen alten Leute hier."

Von bärenhafter Statur

Wie es sich für eine Karikatur gehört, wird die von Greser geschürte Erwartung enttäuscht. Der Newcomer-Preisträger Lars - "Lahs mit 'H'" - Murach ist 45 Jahre alt und von bärenhafter Statur. Der gebürtige Rheinländer lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in Frankfurt am Main. Hier arbeitet er als Berater in einer Werbeagentur. Cartoons zeichnet er eher abends.

"Für mich ein reines Hobby, das nach einem stressigen Arbeitstag dafür sorgt, dass ich ein wenig relaxen kann. Ich arbeite mit einem iPad, das dann auch gerne auf der Couch, auch gerne liegend, auf dem Bauch, wo ich die Ideen, die mir über den Tag in den Kopf gekommen sind, umsetze."

Der Newcomer-Gewinner des Deutschen Karikaturenpreises: Lars Murach alias Lahs steht mit dem Geflügelten Bleistift vor seinen Cartoons (Deutschlandradio/Kolja Unger)Der Newcomer-Gewinner des Deutschen Karikaturenpreises: Lars Murach alias Lahs (Deutschlandradio/Kolja Unger)Dabei entstehen dann Bilder in knalligen Farben. Seine Figuren erinnern mit ihren Knubbelnasen und Glubschaugen ein wenig an Ralph Ruthe, Joscha Sauers "Nicht lustig", oder eben an:

"Garfield. Jim Davis, der Cartoonist, der Erfinder von Garfield war, so bisschen mein Vorbild, und er hat mich inspiriert, selber Cartoons zu zeichnen. Nichtsdestotrotz ist es immer das Bestreben eines jeden Cartoonisten oder Karikaturisten, einen unverwechselbaren Stil zu kreiieren. Ich bin dann dazu übergegangen, dass Personen, die ich zeichne, die nichts sagen, keinen Mund haben."

Von Jim Davis und seinem ebenfalls zeichnendem Vater inspiriert, hat Lahs bereits als Schüler angefangen, seine eigenen Cartoons zu vertreiben.

"Ich habe damals in der Schule schon selber Comichefte gemalt, die ich dann für ein paar Groschen verkauft habe. Oscar hieß die Figur, das war so eine kleine Ziege, die irgendwelche Sachen erlebt hat. Aus heutiger Sicht finde ich das gar nicht mehr witzig, aber früher fand ich das gut und es war eine Art, mich zu verwirklichen - und meine Klassenkameraden haben es gekauft."

Kreuzfahrtschiffe und Strohhalme aus Plastik

Karikaturen, also politische Bild-Kommentare, sind für ihn eher die Ausnahme. Eigentlich sieht sich Lahs immer noch mehr als Hobby-Cartoonist, auch wenn sich sein Stil seit der Schulzeit weiterentwickelt habe. Politische Themen geht er selten an. Das Thema des diesjährigen Wettbewerbs "Prima Klima" hat ihm jedoch gut in den Kram gepasst. Ein Thema, das ihn in seinen Cartoons bereits zuvor beschäftigt hat.

"Klima ist, glaube ich, allgegenwärtig. Und das schon seit einer ganzen Zeit, spätestens seit Greta, die das Ganze ins Rollen gebracht hat. Das Thema Kreuzfahrtschiffe, das kam zusammen mit der Meldung in den Medien, dass Strohhalme aus Plastik verboten werden sollen. Das habe ich zusammen verknüpft."

Auf Lahs‘ Einreichung sieht man ein Kreuzfahrtschiff, das eine tiefschwarze Rußwolke hinter sich herzieht. In einer Sprechblase vom Oberdeck liest man: "Für mich bitte ohne Strohhalm." Die Zeichnung ist untertitelt mit dem Kommentar: "Kreuzfahrttouristen werden immer umweltbewusster."          

"Bestenfalls kann man darüber lachen. Viel wichtiger ist aber, dass man auf das Thema aufmerksam macht. Wenn das dann über einen Gag funktioniert, ist es umso besser, weil diese Sachen dann weitergegeben werden, geteilt werden und eine gewisse Reichweite erreichen. Ich begnüge mich mit einem Bild und dann muss der Gag auch sitzen."

"Du hast einen komischen Humor"

Und wenn Lahs mit einem dieser Bilder die Jury des Deutschen Karikaturenpreises überzeugen konnte – ein Problem bleibt bestehen, wenn er nach getaner Arbeit auf dem Sofa sein iPad weiterreicht, um sich Feedback abzuholen. Dieses Problem beschreibt er uns und seinen Kolleginnen und Kollegen beim Karikaturenpreis während seiner Dankesrede:

"Kennt ihr das, wenn man so eine frische Idee hat, die man gerade umgesetzt hat und muss die sofort jemanden zeigen. Bei mir ist das meine Frau. Meine Frau bietet sich an, weil wir wohnen zufällig zusammen. Und es kommt halt vor, dass ich ihr eine tolle, frische Idee zeige und sage: 'Wie find'st denn das?' Und dann nimmt sie das, dreht und wendet es und ihr Gesicht wird skeptisch: 'Verstehe ich nicht.' Und dann kommt wieder dieser mitleidige Blick: 'Lahs, du hast einen komischen Humor!' Und ich danke der Jury, dass sie das bestätigt hat."

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