CeBIT 2015 China als Partnerland der weltgrößten Computermesse

Massive Zensur und Verfolgung regimekritischer Blogger in China: Die Wahl des diesjährigen Partnerlandes der CeBIT stößt auch auf Kritik. Doch nirgendwo sonst verläuft der Wandel der Wirtschaft ins Digitale hinein so rasant wie im asiatischen Riesenreich. Mit 600 Unternehmen ist China in Hannover vertreten.

Von Alexander Budde | 15.03.2015

Das Symbolbild eines Polizeibeamten warnt chinesische Internetnutzer davor, die Zensurgesetze nicht zu überschreiten.
Das Symbolbild eines Polizeibeamten warnt chinesische Internetnutzer davor, die Zensurgesetze nicht zu überschreiten. (picture alliance / dpa / Adrian Bradshaw)
Ausgerechnet China: Ulrich Delius bezweifelt, dass die Wahl des diesjährigen Partnerlandes der weltgrößten Computermesse eine glückliche war. Der China-Experte der Gesellschaft für bedrohte Völker protestiert mit einer Handvoll Gleichgesinnter gegen die Verfolgung regimekritischer Blogger im asiatischen Riesenreich:
"Wir beobachten eine massive Zunahme der Zensur auf allen Ebenen. Das was China im Moment propagiert, ist ein Zugriff der Staaten auf das Internet. Das ist ein Generalangriff letztlich auf unsere Freiheit! Es geht eigentlich mit dem Internet immer mehr bergab, obwohl es immer mehr Nutzer des Internets in China gibt."
Bald eine Milliarden Chinesen nutzen Smartphones
Weit über 600 Millionen sind es, bald eine Milliarde Chinesen nutzen Smartphones. Fakt ist: Nirgendwo verläuft der Wandel der Wirtschaft ins Digitale hinein so rasant wie im asiatischen Riesenreich. Der Lohnfertiger elektronischer Massenware ist längst zum global player mit namhaften Hightech-Unternehmen gereift. Mit gleich 600 Unternehmen ist das Partnerland in Hannover vertreten. Auf harte Kontroversen sei man eingestellt, betont Botschafter Mingde Chi, denn China suche beim Ausbau seiner digitalen Wirtschaft den Schulterschluss.
"Die Wirtschaft beider Länder verflechtet sich ständig. Die Frage ist, wie wir miteinander umgehen. Wir brauchen Erfahrung und Zusammenarbeit!"
Faire Spielregeln gehören zwingend dazu, mahnt Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Eröffnungsrede. Das geplante Abkommen zum Investitionsschutz zwischen der EU und China soll ausländische Investoren vor staatlicher Bevormundung im Gastland bewahren:
"Unternehmen und Investoren haben ein natürliches Interesse daran, dass sie wissen, in welchen Rahmenbedingungen sie arbeiten: Berechenbarkeit, Verlässlichkeit, Gleichbehandlung der verschiedenen Unternehmen in unseren Ländern."
"In der Wirtschaft wird kaum ein Stein auf dem anderen bleiben"
D!conomy – so lautet das diesjährige Motto der Computermesse. Der Kunstbegriff soll die rasante Durchdringung unserer bislang so analogen Wirtschaft und Gesellschaft durch die Neuerungen der Informationstechnologie beschreiben. Stichwort Industrie 4.0: In der vernetzten Fabrik werden Lagersysteme, Maschinen und einzelne Werkstücke zunehmend eigenständig miteinander Informationen austauschen. Die Branche erhofft sich einen gewaltigen Wachstumsschub, wenn künftig maßgeschneiderte Produkte und Dienstleistungen in immer kürzeren Zyklen entstehen.
Doch Deutschland, Weltmarktführer in klassischen Bereichen, droht den Anschluss an die Weltspitze zu verlieren, mahnt Dieter Kempf. Von der Musikindustrie bis zur Telemedizin: Die digitale Revolution wird alle Lebensbereiche durchdringen, prophezeit der Bitkom-Präsident. Und nennt als Beispiel den Tischler um die Ecke, dem Konkurrenz aus dem 3D-Drucker erwächst.
"Dann wird nämlich plötzlich der Druckerhersteller im Verbund mit dem, der im Internet auf die meisten Formen und Farben zugreifen kann, zum Wettbewerber. In der Wirtschaft wird, davon sind wir überzeugt, kaum ein Stein auf dem anderen bleiben!"
NSA-Whistleblower Snowden wird aus dem Exil zugeschaltet
Erstmals seit 2001 soll die CeBIT wieder größer ausfallen als im Vorjahr. Mehr als 3.000 Aussteller aus 70 Nationen werden bis Freitag vor allem Software-Lösungen vorstellen, die Betriebe sicherer und produktiver machen sollen. Mit ihrem neuen Konzept richten sich die Veranstalter an ein reines Fachpublikum. 200.000 Besucher erwarten sie. Neben allerhand wertvollen Kontakten zur Geschäftsanbahnung locken prominente Gastredner wie Hacker-Legende Kevin Mitnick und NSA-Whistleblower Edward Snowden, den man aus seinem russischen Exil per Videoleitung zum Diskurs zuschalten will.