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Cello Duello
Konkurrenz belebt das Geschäft

Das neue Jahr ist für Jens Peter Maintz und Wolfgang Emanuel Schmidt ein Jubiläumsjahr. Ihre Zusammenarbeit als Ensemble "Cello Duello" begann vor 20 Jahren: Zwei Celli auf einer Bühne - ein seltener Anblick ist das, und noch rarer ist das Repertoire für diese Besetzung.

Von Maja Ellmenreich |
    Maintz und Schmidt haben dennoch einiges zusammengetragen und für ihre gemeinsame CD aufgenommen. Pünktlich zum Cello-Duello-Jubiläumsjahr ist sie erschienen.

    " Joseph Haydn: 1. Satz Moderato aus Duett D-dur "

    Eigentlich gibt es ja nur zwei Möglichkeiten: Originalkomposition oder Bearbeitung für zwei Celli. Sie hörten allerdings gerade eine Ausnahme, eine Art Zwischending. Denn Joseph Haydn hatte nicht den Klang des Violoncellos im Ohr, als er sein D-dur-Duett komponierte, sondern den des verwandten Baryton. Das Baryton? Ein Streichinstrument, das Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts in Mode war. Mit sechs oder sieben normalen Saiten und einer Vielzahl mitschwingender Saiten, die wahlweise auch gestrichen oder gezupft werden können. Das Baryton ist dem Cello also durchaus ähnlich, und - welch ein Glück - Haydn hat einiges dafür komponiert, denn sein Dienstherr, Fürst Esterhazy, schätzte es ganz besonders.

    Cello Duello - Jens Peter Maintz und Wolfgang Emanuel Schmidt spielen das Haydn-Duett lediglich auf acht Saiten, auf ihren beiden Celli, ganz ohne mitschwingende Saiten, klar und schlank im Ton, distinguiert in der Musizierweise.

    Maintz und Schmidt kommen aus einem Stall, um es mal bodenständig zu formulieren. Sie haben beide bei David Geringas an der Musikhochschule in Lübeck studiert. Und die wichtigen Lehrjahre in ein- und derselben Klasse, das Klangideal ein- und desselben Professors - das prägt. Die beiden Cello-Duello-Stimmen ähneln einander zum Verwechseln. Den beiden Musikern geht es nicht darum, sich aus Prinzip voneinander abzusetzen, zwei gegensätzliche Charaktere darzustellen. Im Variationensatz des Haydn-Duetts zum Beispiel kann man nur ahnen, wann die Führung vom einen zum anderen Cellisten übergeht.

    " Joseph Haydn: 3. Satz Adagio aus Duett D-dur "

    Eine jahrelange Zusammenarbeit hatten Jens Peter Maintz und Wolfgang Emanuel Schmidt wohl gar nicht im Sinn, als sie zum ersten Mal als "Cello Duello" auftraten. Für ein Meisterkurs-Konzert wurde noch ein Abschlussstück gesucht, es galt, einen Rausschmeißer zu finden. Die eindrucksvolle Moses-Fantasie von Niccolò Paganini sollte es sein: häufig bearbeitet, vielfach aufgeführt und immer ein Hinhörer. Jens Peter Maintz und Wolfgang Emanuel Schmidt erstellten eine Fassung für zwei Celli.

    " Niccolò Paganini: Mosesfantasie "

    Was als einmaliger Spaß auf musikalisch hohem Niveau begann, entwickelte sich zu einem gemeinsamen Projekt, das die beiden Cellisten neben allem anderen verfolgen sollten. Jens-Peter Maintz, Jahrgang 1967, gewann den ersten Preis beim ARD-Wettbewerb 94, er war dann neun Jahre lang Solo-Cellist beim Deutschen Symphonie Orchester in Berlin, heute ist er es beim Lucerne Festival Orchester unter Claudio Abbado. Und - das ist offensichtlich seine große Passion - seit 2004 ist Maintz Professor an der Universität der Künste in Berlin. "Ich unterrichte, um die Persönlichkeit meiner Studenten zu entwickeln", sagte er einmal in einem Interview.

    Der vier Jahre jüngere Wolfgang Emanuel Schmidt konzentriert sich nach großen Wettbewerbserfolgen vorwiegend auf seine Solistenkarriere, tritt mit Orchestern auf, spielt Kammermusik und kann bereits eine beachtliche Diskografie vorweisen. Seit 2009 ist er Professor für Violoncello an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar.

    " Niccolò Paganini: Mosesfantasie "

    Ein bisschen Klamauk gehört dazu; schließlich hat Niccolò Paganini über das Rossini-Thema fantasiert. Ein bisschen klamaukig klingt - bei allem Respekt - auch der Name des Ensembles: Cello Duello. Sicher spontan erdacht, trägt er aber nicht über Jahre. Sprachwitz bei der Namensgebung? Das geht meistens schief.

    Darüber hinaus führt die Assoziation mit dem tödlichen Zweikampf in die Irre: Deutlich hörbar ist, dass Wolfgang Emanuel Schmidt und Jens Peter Maintz nichts ferner liegt, als einander auszustechen.

    Ihr gemeinsames Spiel und auch ihre Repertoireentscheidung für die neue CD sind jedenfalls zutiefst seriös: Im Mittelpunkt stehen drei Originalkompositionen für zwei Violoncelli. Darunter ein Duo von Jacques Offenbach, dessen Schaffen für das Cello weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Schuld daran ist sicher die Übermacht seiner Operetten, doch die Cellisten verdanken ihm einiges. Offenbach, der es selbst bis zum Cellisten an der Pariser Opéra Comique brachte und mit Anton Rubinstein und Franz Liszt Kammermusik machte, er hinterließ unter anderem sechs Bücher mit insgesamt 24 Cello-Duos. Ihr Anspruch reicht von "très faciles" bis "très difficiles", von ganz leicht bis ganz schön schwierig. Die Herren von Cello Duello haben sich für die höchste Schwierigkeitsstufe entschieden. Formell und harmonisch konservativ und eher der Klassik als der Romantik zuzuordnen, steckt das E-dur-Duo von Jacques Offenbach voller melodischer Einfälle, voller Esprit und Leichtigkeit. Zu hören auch in den letzten Takten der abschließenden Polonaise.

    " Jacques Offenbach: 3. Satz Polonaise aus: Duo E-dur "

    Ein Duo von Jacques Offenbach, eine der drei Originalkompositionen für Cello-Duo, die Jens Peter Maintz und Wolfgang Emanuel Schmidt für ihre neue CD ausgewählt haben.
    Kreuz und quer durch die Jahrhunderte geht es darauf: Angefangen bei der Passacaglia von Händel-Halvorsen - mit Verve und einem feinen Gespür für Agogik musiziert - bis hin zu Filmmusik von Ennio Morricone, aufwendig im Mehrspurverfahren produziert. Zu zweit spielen die Cello-Duello-Musiker insgesamt sechs Stimmen, nach und nach aufgenommen. Dem Original, Morricones "Spiel mir das Lied vom Tod"-Thema, wollen sie so nah wie möglich kommen. Beeindruckend, wie ihnen das gelingt. Und doch ist es nicht viel mehr als eine Spielerei. Wer das Original im Ohr hat, für den wird diese Version wohl kaum zum Dauerbrenner.

    " Ennio Morricone: Once upon a time in the West "

    Eindrucksvoller und interessanter sind Klangfarben- und Ausdrucksvielfalt bei einer Sonate aus dem Jahr 1994. Der Komponist Jan Müller-Wieland hat seine Sonate für zwei Celli dem Duo gewidmet, und die vorliegende Aufnahme ist eine Ersteinspielung. Anders als beim klassischen Haydn oder dem spätbarocken Barrière gilt es bei dem 1966 geborenen Müller-Wieland, die beiden Cellostimmen kontrastieren zu lassen. Hier geht es nicht um Gleichklang und Ausgewogenheit, vielmehr dürfen Jens Peter Maintz und Wolfgang Emanuel Schmidt aus dem Vollen schöpfen und Extreme ausloten. Lebhaft und expressiv zum Beispiel ist der erste Satz, den der Komponist selbst als "ein kleines und schwieriges Sturm-und Drang-Stück" beschreibt. Darin seien die zwei Celli wie Zwillinge, Feinde, Freunde, Rivalen... Jeder ständig vom anderen bedrängt, verfolgt, beschattet - jedenfalls unzertrennlich, so Müller-Wieland. Gelegenheit also für Cello Duello, sich auch von einer ganz anderen Seite zu zeigen.

    " Jan Müller-Wieland:
    1. Satz Celeramente (Ausschnitt) aus der Sonate für zwei Violoncelli (1994) "

    Bunt und abwechslungsreich, keinesfalls beliebig ist die neue CD von Cello Duello. Darauf Musik, die vom Zeitgenossen Jan Müller-Wieland über Morricone, Offenbach, Haydn bis zu Jean-Baptiste Barrière zurückreicht. Musik für zwei Celli, gespielt von Jens Peter Maintz und Wolfgang Emanuel Schmidt. Die neue CD von Cello Duello ist bei dem Label "Solo Musica" erschienen.


    Cello Duello:
    Jens Peter Maintz, Violoncello
    Wolfgang Emanuel Schmidt, Violoncello
    Solo Musica SM 146, LC 15316
    EAN 4260123641467