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Champions LeagueJubiläum in der Königsklasse

Noch mehr Geld für die Champions League hat die UEFA gerade den Vereinen versprochen. Seit Jahren schon ist die Königsklasse weltweit der attraktivste Fußball-Wettbewerb, für die Zuschauer und die Clubs sowieso. Angefangen hatte alles vor 60 Jahren mit dem Europapokal der Landesmeister, den die UEFA erst gar nicht wollte.

Von Eduard Hoffmann | 04.04.2015

Das Objekt der Begierde: Die Champions-League-Trophäe.
Das Objekt der Begierde: Die Champions-League-Trophäe. (picture alliance / dpa / Sven Hoppe)
"Die Sonne ist drüben verschwunden, die Sonne, die zu Anfang für Eintracht leuchtete, Stein ist durch, schießt, Tor."
18. Mai 1960, Endspiel um den Europapokal der Landesmeister. Erstmals war mit Eintracht Frankfurt eine deutsche Elf ins Finale gelangt. Doch die Eintracht-Amateure hatten keine Chance. Zum fünften Mal in Folge gewannen die Profis von Real Madrid den noch jungen Wettbewerb. Mit 7:3 schickten Di Stefano, Santamaria, Puskas und Co. den Deutschen Meister nach Hause.
Die Idee zum neuen Europapokal hatte die französische Sportzeitung L' Equipe aufgebracht. Doch die Europäische Fußball-Union wollte nicht so richtig. Das sei Sache der Vereine. Die waren wild entschlossen. Auf Einladung von L' Equipe kamen am 2. April 1955 15 Club-Vertreter in Paris zusammen und beschlossen den Europapokal der Landesmeister. Und über die FIFA, die dem neuen Pokalwettbewerb den Segen gab, bekamen die Vereine schließlich auch die UEFA mit ins Boot. Denn der Weltverband verpflichtete seine kleine europäische Schwester, den Meisterpokal zu organisieren.
Kein halbes Jahr später startete dann der erste Landesmeister-Pokal. 16 Clubs nahmen teil. Auf einen deutschen Titelgewinner mussten die Fans lange warten. Erst 1974 holte der FC Bayern den Pokal nach München. Atlético Madrid führte im Finale bis zur letzten Minute der Verlängerung 1:0, als "Katsche" Schwarzenbeck mit einem gewaltigen Weitschuss das 1:1 erzielte. Da die Regeln noch kein Elfmeterschießen vorsahen, kam es zum Wiederholungsspiel, das der Deutsche Meister klar mit 4:0 gewann.
"Kopfball von Schwarzenbeck, Scherenschlag von Breitner, Kopfball von Müller und der Ball ist am Mittelkreis, da eröffnet sich ganz plötzlich eine Chance für Uli Hoeneß durch einen groben Fehler des Spaniers, ja jetzt muss er allein gehen, gegen Benegas, tut es, ist vorbei, ist im Strafraum, vorbei am Torwart, und Tor."
Entscheidung per Münzwurf
Auch in den beiden Folgejahren sicherten sich die Bayern den Titel. Ende der 70er Jahren gelangten Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln zumindest ins Halbfinale. Bis 1970 entschied noch der Münzwurf des Schiedsrichters bei Spiel- und Torgleichstand über das Weiterkommen im Landesmeisterpokal. Der 1.FC Köln war so im Viertelfinale der Saison 64/65 gegen Liverpool aus dem Wettbewerb geflogen.
Legendär waren auch die deutsch-deutschen Duelle, wie etwa 1973 das Aufeinandertreffen von Bayern München und Dynamo Dresden, bei dem die Bayern vor dem Rückspiel nicht im bestellten Hotel übernachteten, weil sie befürchteten, ihr Essen werde vergiftet.Eines der dunkelsten Meisterpokalkapitel war die Katastrophe von Heysel 1985. Im Brüsseler Pokalfinale zwischen dem FC Liverpool und Juventus Turin kam es zu gewalttätigen Fan-Auseinandersetzungen. Die Sicherheitskräfte versagten, und Liverpooler Anhänger stürmten einen Turiner Fanblock. 39 Menschen starben, über 400 wurden verletzt.
Zwei Jahre zuvor, 1983, hatte Juventus Turin ebenfalls im Endspiel gestanden, gegen den Hamburger SV, der ein frühes 1:0 über die Zeit rettete und überraschend Cup-Sieger wurde.
"Dann erst Groh, der den Ball übernimmt, halblinke Position, zu Magath, er sollte schießen, 25 Meter, am ersten vorbei, Schuss auf das Tor – Tor, Tor, ein herrlicher Treffer, ein wunderbarer Treffer."
Geburt der Champions League
Doch der europäische Fußball der 80er Jahre war wenig attraktiv. Taktisches Ballgeschiebe, Blutgrätschen und Abseitsfallen prägten das Geschehen auf dem Rasen. Der Pokal-Wettbewerb geriet in die Krise. Auch das erhoffte große Geld war bislang nicht in die Vereinskassen geflossen. Werbe- und Fernsehgelder mussten für jedes Spiel neu verhandelt werden. Die Clubs drängten auf Veränderung und drohten der UEFA mit einer eigenen Europaliga. Der europäische Verband reagierte. Aus dem Europapokal der Landesmeister wurde 1992 die Champions League.
Die UEFA vermarktete Werbung und Fernsehrechte fortan zentral im Gesamtpaket. Die in den 80er Jahren überall in Europa neu entstandenen privaten Fernsehsender waren bereit, viel Geld für Fußballübertragungen zu zahlen, um Zuschauer anzulocken. Seither ist die Champions League für die Vereine zur wichtigsten Einnahmequelle geworden. Als Bayern München 2002 in der ersten Gruppenphase ausschied, herrschte im Verein und beim Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge absolute Katerstimmung.
"Es ist für das Image des FC Bayern, für den sportlichen Bereich, eine absolute Enttäuschung. Aber es ist auch finanziell gesehen auch ein großes Loch, das da hinterlassen wird und das wir jetzt zu schließen haben. Und das wird sicherlich keine leichte Aufgabe sein."
Satte Proifite
Die Bayern haben inzwischen wieder zu den europäischen Spitzenclubs aufgeschlossen. Die mehrfache Finalteilnahme und der Champions League Gewinn 2013 brachten dem Verein in den letzten drei Jahren Einnahmen von weit über 50 Millionen Euro pro Saison.
Allein in der letzten Spielzeit spülte die Champions League insgesamt 1,73 Milliarden Euro in die UEFA-Kasse. 75 Prozent davon werden an die teilnehmenden Clubs ausgeschüttet. Wer die Gruppenphase erreicht, erhält 8,6 Millionen Euro von der UEFA. Bis zum Finale werden weitere Millionen-Prämien für Spielgewinne und das Erreichen der nächsten Runde gezahlt. Insbesondere für die erfolgreichen großen Vereine ist das ein unverzichtbares Millionengeschäft. Die Clubs, die die Qualifikation zur Gruppenphase nicht schaffen, werden dagegen mit 200.000 Euro abgespeist.
Dennoch: die Champions League bietet immer wieder großen Sport und ist der Zuschauermagnet im weltweiten Fußball-Zirkus. Und stets mit Überraschungen wie etwa 1997, als Borussia Dortmund den Titel gewann. 2:1 stand es im Finale gegen Juventus Turin, als Trainer Ottmar Hitzfeld in der 70. Minute Lars Ricken einwechselte, der den Sieg klar machte.
"Und jetzt müssen wir am Ball bleiben, denn Lars Ricken schießt, Tor. Es ist nicht möglich, es war eins mit Ansagen, Lars Ricken mit einem Heber zum 3:1."