Infektionskrankheit
Charité-Mediziner: Ausmaß der Ebola-Epidemie im Kongo "extrem besorgniserregend" - Fälle gestiegen

Der Epidemiologe Maximilian Gertler hat das bislang bekannte Ausmaß der Ebola-Epidemie im Kongo als "extrem besorgniserregend" bezeichnet. Das Risiko einer Einschleppung nach Deutschland sei nach seiner Einschätzung jedoch gering.

    Der Mann im blauen Arbeitsnazug trägt eine weiße Maske. Im Hintergrund Patientenbetten.
    Mitarbeiter des medizinischen Personals im Referenzkrankenhaus von Rwampara im Osten des Kongo. (IMAGO / Xinhua)
    Der Tropenmediziner der Berliner Charité sagte im Deutschlandfunk, es sei ungewöhnlich, dass schon bei der Aufdeckung des Ausbruchs derart hohe Infektionszahlen gemeldet würden. Begünstigt werde die Ausbreitung des Virus durch gewaltsame Konflikte in der Region, durch eine unzureichende Gesundheitsversorgung und durch Armut. Viele Menschen im Westen hätten keine Vorstellung davon, "wie grauenvoll und ungesund die Lebensumstände dort sind". Dies müsse man benennen, wenn über Ebola gesprochen werde, betonte Gertler.
    Der Ausbruch war am Freitag in der ostkongolesischen Provinz Ituri gemeldet worden. Die Region ist seit Jahren von bewaffneten Konflikten geprägt. Auch im benachbarten Uganda wurde ein Todesfall bekannt. Dort starb ein Mann, bei dem ebenfalls die Bundibugyo-Variante nachgewiesen wurde.

    Kontaktpersonen unter Quarantäne stellen

    Gertler sagte, nun sei es vordringlich, dass Erkrankte isoliert sowie Kontaktpersonen gefunden und unter Quarantäne gestellt würden. Zugleich gelte es, die Bevölkerung über das Virus und die Ansteckungswege zu informieren. Das sei aufwendig und teuer. Benötigt würden Schutzausrüstung, Medikamente und Isolierstationen. Hier müsse notfalls improvisiert werden, wo entsprechende Gesundheitseinrichtungen fehlten, so der Mediziner.
    Die Zahl der Ebola-Fälle in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda stieg inzwischen. Es gebe bereits mehr als 100 Tote und fast 400 Verdachtsfälle in beiden Ländern, sagte der Generaldirektor des Zentrums für Seuchenkontrolle der Afrikanischen Union, Kaseya, dem britischen Sender BBC. Man arbeite mit den betreffenden Regierungen zusammen, um eine Ausbreitung zu verhindern.

    Zweithöchste Warnstufe der WHO

    Die WHO hatte am Sonntag den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Das ist die zweithöchste Warnstufe. Die Kriterien für die höchste Stufe, eine Pandemie, seien bislang nicht erfüllt, erklärte die WHO. Vor allem die Nachbarländer der betroffenen Staaten trügen ein hohes Risiko der weiteren Ausbreitung, erklärte WHO-Generaldirektor Tedros.
    Das Auswärtige Amt in Berlin warnt derzeit vor Reisen in die betroffene Provinz Ituri in der Demokratischen Republik Kongo und in umliegende Regionen. Von nicht notwendigen Reisen in die übrigen Landesteile einschließlich der Hauptstadt Kinshasa wird abgeraten.

    Warken: Risiko für Deutschland "äußerst gering"

    Wie Gertler hatte Bundesgesundheitsministerin Warken bereits am Sonntag in der ARD erklärt, das Risiko für Deutschland sei "als äußerst gering einzuschätzen". In der Bundesrepublik brauche es "derzeit keine Vorkehrungen". Eine weltweite Ebola-Pandemie halte sie für "nahezu ausgeschlossen".
    Hilfsanfragen aus den betroffenen Ländern gebe es bislang nicht, sagte Warken. Deutschland könne bei Bedarf unter anderem über das Robert-Koch-Institut oder das Bernhard-Nocht-Institut Unterstützung leisten, etwa mit mobilen Laboren vor Ort. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen bereitet nach eigenen Angaben eine groß angelegte Hilfsaktion vor.

    Ebola-Stamm mit hoher Sterblichkeitsrate

    Für die Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus gibt es nach Angaben der WHO bisher keinen zugelassenen Impfstoff. Auch eine gezielte Behandlung steht nach Angaben der Behörden nicht zur Verfügung. Der kongolesische Gesundheitsminister Kamba warnte vor einer hohen Sterblichkeitsrate von bis zu 50 Prozent.
    Ebola ist eine hochansteckende Virusinfektion. Erkrankte leiden häufig unter Fieber, Muskelschmerzen und Durchfall. In schweren Fällen kommt es zu inneren und äußeren Blutungen sowie zu Organversagen. Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Menschen.
    Trotz Fortschritten bei Impfstoffen und Behandlungsmethoden sind in den vergangenen 50 Jahren in Afrika schätzungsweise 15.000 mit Ebola infizierte Menschen gestorben. Der aktuelle Ausbruch ist bereits die 17. Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo. Der bislang schwerste Ausbruch in dem Land mit rund 2.300 Todesfällen ereignete sich zwischen 2018 und 2020.
    Diese Nachricht wurde am 18.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.