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StartseiteWirtschaft am MittagDer Wettlauf um den afrikanischen Kontinent03.09.2018

China-Afrika-GipfelDer Wettlauf um den afrikanischen Kontinent

Rund 50 afrikanische Staatschefs nehmen am China-Afrika-Gipfel teil: China hat sich innerhalb kurzer Zeit zu Afrikas bedeutendstem Handelspartner gemausert. Europäische Unternehmen haben es da hingegen schwer, ihre Stellung zu halten - da chinesische Firmen ihre strategischen Interessen aggressiver verfolgen können.

Von Marc Dugge

Senegals Präsident Macky Sall und Chinas Präsident Xi Jinping schütteln sich die Hände (Xinhua / Gao Jie)
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Natürlich wird auch Senegals Präsident Macky Sall heute in Peking dabei sein. Längst ist China der wichtigste Investor im Senegal. Ob Krankenhäuser, Busse, Stadien oder Kraftwerke: Das Geld kommt aus China. Das Handelsvolumen hat sich seit 2005 nicht weniger als versechzehnfacht.

"Der Weg des chinesischen Volkes ist eine Botschaft der Hoffnung, die klarmacht: Unterentwicklung ist kein Schicksal", sagte Macky Sall im Juli beim Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Und der erwiderte:

"Die Entwicklung Chinas wird mehr Chancen nach Afrika bringen ‑ und die Entwicklung Afrikas wird der Entwicklung Chinas neue Energie einhauchen."

Gewachsene Beziehungen, gemischte Gefühle

Soviel Harmonie sehen manche Regierungen in Europa schon lange mit gemischten Gefühlen. Auch die, die besonders lange, gewachsene Beziehungen zum afrikanischen Kontinent haben. Die britische Premierministerin Theresa May machte auf ihrer Afrika-Reise vergangene Woche eine klare Ansage:

"Mein Ziel ist, dass Großbritannien bis 2022 der wichtigste Investor in Afrika aus dem Kreis der sieben führenden Industrienationen wird."

Für sie ist Afrika ein Wachstumsmarkt, auf dem britische Unternehmen künftig die erste Geige spielen sollen. Schon deshalb, weil es auf dem europäischen Markt schwieriger werden dürfte ‑ wegen des Brexit.

Daher war es wohl kein Zufall, dass May die englischsprachigen Schwergewichte auf dem Kontinent besuchte: Südafrika, Nigeria und Kenia. In Nigeria wäre sie fast Angela Merkel über den Weg gelaufen. Auch sie hatte auf ihrer Tour eine hochrangige Wirtschaftsdelegation dabei. Und auch sie trommelte für ihr Land. So zum Beispiel in Ghana:

"Wir wissen, dass sie einen Ausbau von Infrastruktur brauchen, dass sie eine Industrialisierung ihres Landes brauchen. Aber dass Sie vor allem auch Entwicklung für die ländlichen Regionen brauchen. In allen Bereichen ist Deutschland dazu bereit, mit zu unterstützen."

Kaum präsente deutsche Industrie

Unterstützen will Angela Merkel in Afrika aber auch die deutsche Industrie. Die ist dort bisher kaum präsent. Anders als May geht es Merkel erst in zweiter Linie um neue Absatzmärkte. Viel wichtiger ist ihr das Thema Migration. Ihr Kalkül: Wer zu Hause in Afrika einen Job und eine Perspektive hat, der macht sich nicht so schnell auf die Reise nach Europa. Deswegen will Merkel deutsche Firmen künftig stärker dazu animieren, in Afrika zu investieren ‑ damit sie Jobs und Ausbildungsplätze schaffen.

Das strategische Interesse von China ist dagegen bisher vor allem gewesen, sich Rohstoffe auf dem afrikanischen Kontinent zu sichern. Gegenüber der chinesischen Konkurrenz haben europäische Firmen einen entscheidenden Nachteil, so Jackie Cillers vom Institute of Strategic Studies in Südafrika:

"Während europäische Firmen normalerweise nach den Regeln des Privatsektors arbeiten, engagieren sich chinesische Firmen in Afrika mit staatlicher Unterstützung.  Ja, manchmal sogar unter staatlicher Führung. So können sie chinesische strategische Interessen viel aggressiver verfolgen. Das ist eine Herausforderung, vor der westliche Firmen stehen."

Trotzdem sieht Cillers durchaus Chancen für Unternehmen aus Europa in Afrika. Auch wenn sich China mit voller Wucht den afrikanischen Markt gedrängt habe, sei dennoch für Andere Platz:

"Europa wird ein wichtiger Partner für Afrika bleiben. Aus historischen, kulturellen und geographischen Gründen. Viele Afrikaner sprechen Englisch oder Französisch ‑ das ist eine große Herausforderung für China in Afrika. Während afrikanische Staatschefs oft in Richtung China schauen, ziehen viele aus dem Volk lieber das westliche Lebensmodell vor."

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