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China
Deutsche Firmen zwischen Zuversicht und Problemen

Die aktuelle wirtschaftliche Lage in China sei die schwierigste innerhalb der vergangenen Jahre, eine große Mehrheit der deutschen Firmen wolle aber im Land bleiben, erklärte die Deutsche Außenhandelskammer in Schanghai. Die Kammer legte in Peking die Ergebnisse der jährlichen Umfrage zum Geschäftsklima vor. Laut diesem blicken die meisten Firmen optitmistisch aufs nächste Jahr.

Von Steffen Wurzel | 29.11.2016

    In einem Hafen im Osten Chinas werden Container verladen.
    Deutsche Firmen entwickeln auch Produkte in China, denn Produkte aus Amerika oder Europa können hier nicht eins zu eins angeboten werden. (afp / STR)
    "Wir glauben, dass die deutsche Industrie ein großes Grundvertrauen hat in die chinesische Wirtschaft," sagt Simone Pohl, Geschäftsführerin der Deutschen Außenhandelskammer in Schanghai.
    Aber gleichzeitig sei eine gewisse Zurückhaltung deutscher Firmen in China zu spüren, zumindest was neue Investitionen angehe.
    Die aktuelle wirtschaftliche Situation sei zwar eine der schwierigsten innerhalb der vergangenen Jahre, eine große Mehrheit der deutschen Firmen in der Volksrepublik will dem Land aber treu bleiben, betont die Außenhandelskammer:
    "Es gibt die klare Aussage, dass es keinerlei flächendeckende Abzugspläne gibt. Weit über 90 Prozent haben nicht vor, China zu verlassen. Dafür ist der Markt zu wichtig."
    430 deutsche Unternehmen in China haben bei der Umfrage mitgemacht
    Allein, dass diese Aussage so prominent betont wird von der Vertretung der deutschen Wirtschaft in China, zeigt, wie schlecht die Stimmung noch vor einem Jahr noch war. Die Lage hat sich im Vergleich dazu deutlich verbessert. Die meisten Firmen blicken optitmistisch aufs nächste Jahr. Rund 430 deutsche Unternehmen in China haben bei der Umfrage mitgemacht und 70 Prozent sagen: Nächstes Jahr werden unsere Geschäfte genauso gut oder besser laufen als dieses Jahr. Vor einem Jahr äußerten sich so nur 58 Prozent. Branchenmäßig gibt es deutliche Unterschiede, was den Ausblick auf 2017 angeht: Am optimistischsten sind in China deutsche Auto-Firmen und Zulieferer. Eher pessimistisch ist der Maschinenbau. Insgesamt ist spürbar: Es wird schwieriger für deustsche Firmen in China, die Lage stabilisiert sich aber. Die Handelskammer benannte heute auch die größten Probleme für deustchen Firmen:
    "Als Erstes sind es die Personalthemen: steigende Arbeitskosten und der Fachkräftemangel. Danach kommt das sich abflachende Wirtschaftswachstum und auch die immer stärker werdende chinesische Konkurrenz. Außerdem spielen die Internetrestriktionen eine Rolle und auch der nach wie vor die Mängel beim Schutz des geistigen Eigentums."
    Während es früher in der Volksrepublik reichte, eine Fabrik für billige Massenfertigung aufzubauen, braucht es heute mehr, um erfolgreich zu sein, auch das wurde heute deutlich. Alexander Seitz, Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in Schanghai:
    "Wir müssen unsere Produkte lokalisieren als deutsche Unternehmen und wir müssen sie adaptieren für unsere Kunden und das geht nur, wenn sie wirklich Ingenieure vor Ort haben."
    Deutsche Firmen entwickeln auch Produkte in China
    Bedeutet: In China werden die Produkte deutscher Firmen nicht mehr einfach nur hergestellt und verkauft, sondern auch entwickelt. Dafür wird massiv in Forschungs- und Entwicklungszentren investiert. Der englische Begriff dafür: Research and Development, kurz: R&D. Ein Beispiel ist die Autoindustrie.
    "Jede große Automotive-Company hat ein lokales R&D-Center hier in China. Das geht gar nicht anders. Weil die Produkte aus Amerika oder Europa hier nicht eins zu eins angeboten werden. Die Autos sind entweder länger oder größer, haben eine andere Innenausstattung, andere Motor- und Getriebevarianten – alles ganz spezifisch auf den Markt abgestimmt. Und das können Sie nicht aus Detroit oder Wolfsburg, sondern nur aus Schanghai oder einer anderen chinesischen Stadt machen."
    Eines der interessantesten Ergebnisse der Zufriedenheitsstudie der deutschen Wirtschaft bezieht sich auf die allgemeine Stimmungslage. So fühlt sich jede dritte deutsche Firma in China weniger willkommen im Land als früher. Bei Unternehmen, die schon seit mehr als zehn Jahren in China aktiv sind, gaben sogar 42 Prozent an, sich weniger willkommen zu fühlen als früher.