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StartseiteEine WeltZug nach nirgendwo09.11.2019

China stoppt Finanzierung in KeniaZug nach nirgendwo

Von Kenia bis nach Uganda hätte die von China finanzierte Eisenbahnstrecke reichen sollen. Doch die Investoren stiegen beim Ausbau der Infrastruktur in Kenia vorzeitig aus, nachdem das letzte Eisenbahnprojekt Verluste einfährt. Außerdem gibt es Widerstand in dem afrikanischen Land.

Von Antje Diekhans

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Bahnstrecke durch den Nairobi National Park in Kenia. Eigentlich hatte die Trasse bis zum Nachbarland Uganda gehen sollen - doch aus China kommt kein Geld mehr. (picture alliance / Photoshot)
Die Bahnstrecke durch den Nairobi National Park hätte bis zum Nachbarland Uganda gehen sollen - China hat den Geldhahn zugedreht. (picture alliance / Photoshot)
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Kenias Präsident Uhuru Kenyatta kann es nicht mehr hören, wenn die Opposition von einem Zug nach Nirgendwo spricht. Ärgerlich wetterte er gegen alle Kritiker, als er zuletzt den Startschuss für einen neuen Bahnabschnitt gab.

"Es wird hart werden, aber welche Reise ist das nicht. Sogar Gott sagt, dass der Weg zum Himmel voller Dornen ist. Wir müssen vorangehen – und keine Lügenmärchen erzählen."

Kein Geld mehr aus China für die Stecke

Er sagt Märchen, andere sprechen von einer wahren Posse. Denn die Strecke, die jetzt von Nairobi aus gebaut wird, führt bis nach Suswa. Ein Örtchen irgendwo im Nirgendwo, mit ein paar Zebras und einem hübschen Vulkanberg. Wirtschaftlich uninteressant. Aber mehr kann sich Kenia nicht leisten. Eigentlich hatte die Trasse bis zum Nachbarland Uganda gehen sollen - von China finanziert. Nur kommt von dort kein Geld mehr für die Stecke, sagt Finanzexperte Nicholas Malaki.

"Das chinesische Modell ist: Wir bieten an, dich zu finanzieren. Pauschal und wir führen das Projekt auch durch. Aber es muss dabei natürlich auch ein Vorteil für China rausspringen."

Daran glaubt China nicht mehr, nachdem das letzte Projekt Verlust einfährt. Die Verbindung von Nairobi an die Küste wurde 2017 in Betrieb genommen. Das teuerste Infrastrukturprojekt seit der Unabhängigkeit. Mit Kosten von umgerechnet etwa 3,2 Milliarden Euro. Die Station in der Hauptstadt ist pompös.

"Ein Zug, der heutzutage gebaut wird, könnte schneller sein"

Die Architektur mit viel Glas und Stahl symbolisiert zwei Züge, die durch eine Brücke verbunden werden. Als Sinnbild für die Freundschaft zwischen Kenia und China. Die Empfangshalle präsentiert sich klinisch rein und das Einchecken läuft vollautomatisch.

Täglich gibt es zwei Verbindungen an die Küste. Die Züge sind fast immer ausgebucht.

"Die Erfahrung ist toll. Darum fahre ich immer wieder."

"Es ist sehr bequem. Und man bekommt etwas für sein Geld."

Ein Ticket in der Ersten Klasse kostet umgerechnet nicht mal 30 Euro. Kekse und eine Flasche Wasser gibt es umsonst. Fünf Stunden dauert es bis zur Einfahrt in den ebenso schicken Bahnhof von Mombasa. Für eine Strecke von gut 500 Kilometern ist das manchen dann doch nicht schnell genug.

"Meiner Meinung nach könnte ein Zug, der heutzutage gebaut wird, schneller sein. In Europa bin ich mit sehr schnellen Zügen gefahren. Und in ihrem eigenen Land haben die Chinesen auch Schnellstrecken. Also wenn andere afrikanische Staaten überlegen, Bahnstrecken anzulegen, sollten sie für schnellere Züge gebaut sein."

Der Mai Mahiu-Bahnhof in Kenia liegt auf der Strecke zwischen Nairobi und Naivasha, die vom chinesischen Investor China Communications Construction gebaut und im September 2019 fertiggestellt wurde. (picture alliance / Photoshot)Der Mai Mahiu-Bahnhof in Kenia liegt auf der Strecke zwischen Nairobi und Naivasha, die vom chinesischen Investor China Communications Construction gebaut und im September 2019 fertiggestellt wurde. (picture alliance / Photoshot)

Zu wenige Verbindungen und kein Nachtzug mehr

Aber das ist wohl nicht der Grund dafür, dass der Zug Verlust einfährt. Finanz- und Bahnexperte Nicholas Malaki hält zwei Verbindungen am Tag für zu wenig. Auf der alten Strecke aus Kolonialzeiten gab es einen Nachtzug. So eine Verbindung wäre auch jetzt praktisch für Urlauber und Geschäftsleute, meint er. Und es müsse mehr Waggons geben.

"Sogar was die Zahl der Passagiere angeht, wird das Potenzial nicht genutzt. Es stehen zu viele Waggons an den Stationen rum. Sie sollten in Bewegung sein. Wenn ein Waggon nicht eingesetzt wird, zahlt er sich nicht aus – und muss sogar noch gewartet werden."

Vor allem läuft aber der Güterverkehr nicht so wie geplant. Im großen Hafen von Mombasa werden Waren weiter meist auf Laster verladen und ruckeln über die Straßen Richtung Nairobi. Die Regierung wollte das per Gesetz ändern: Alle Güter künftig auf die Schiene, lautete der Erlass. Doch da hatte sie die Rechnung ohne die Lkw-Fahrer gemacht. Tagelang protestierten sie.

Weltbank warnt vor weiterer Verschuldung Kenias

Wir legen die Wirtschaft lahm, bis die Regierung auf uns hört, ihre Drohung. Die Regierung knickte ein. Und rechnet jetzt mit spitzem Bleistift, wie sich die Strecke doch noch lohnen könnte. Vollständig aufgehen wird die Kalkulation aber wohl erst, wenn die Trasse von der Küste bis nach Uganda führt, meint der Finanzexperte.

"Wenn die Bahnlinie fertiggestellt wird und es ein Verbindungsnetz zu den Nachbarländern gibt, dann wird sie Geld machen. Aber so lange sie in Nairobi oder bei Suswa aufhört, wird es lange dauern, bis sie Geld bringt."

Kenia schaut sich darum nach anderen Kreditgebern als China um. Die Obergrenze für die Staatsverschuldung wurde gerade erst vom Parlament nach oben gesetzt. Obwohl die Weltbank zuletzt noch gewarnt hat, dass die Schulden für Kenia nicht mehr tragbar sind. Doch die Regierung will Infrastruktur um jeden Preis. Selbst wenn die Stecke erst mal irgendwo im Nirgendwo endet.

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