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StartseiteUmwelt und VerbraucherChina und der Klimaschutz11.05.2001

China und der Klimaschutz

<strong> Die Volksrepublik China könnte sich schon heute als ein Vorreiter in der Klimaschutzpolitik präsentieren, wenn das Land seine Erfolge richtig herausstellen würde. Diese Ansicht vertritt jedenfalls ein Experte aus dem World Resources Institute in Washington. Technische Entwicklungen, striktere Umweltstandards und Reformen im Energiesektor hätten in den letzten zwanzig Jahren dazu geführt, dass die Chinesen die Emission von Treibhausgasen in die Atmosphäre um jährlich 400 Millionen Tonnen reduziert haben. Das entspricht der gesamten Emission von Treibhausgasen aus Südostasien und Südkorea. </strong>

von Johannes Berger

Besonders auffällig ist die Verringerung der Kohleförderung. Bis vor kurzem wurden drei Viertel der Energie in China noch durch die Verbrennung von Kohle erzeugt. Doch von 1996 bis 1999 hat sich die Kohleförderung von 1,4 Milliarden auf nur noch knapp eine Milliarde Tonnen im Jahr verringert. Der Verbrauch von Primärenergie sank um vier Prozent, während die Wirtschaft gleichzeitig um sieben bis acht Prozent pro Jahr wuchs. Pikanterweise wurde diese Daten von einem amerikanischen Forschungsinstitut veröffentlicht, das vom Energieministerium in Washington finanziert wird. Anhand der Daten wird deutlich, dass China sehr wohl schon jetzt seine Treibhausgase reduziert wie das die USA seit langem von den Entwicklungsländern fordern.

Gründe für das Streben nach effizienterer Nutzung der Energie sind vor allem die Luftverschmutzung und die begrenzten Kohle- und Ölvorräte. Bei der Kohle gibt es den größten Handlungsbedarf. In China konzentriert sich ein Viertel der weltweiten Kohleförderung.

Zahlreiche Minen mit qualitativ schlechter Kohle wurden von der Regierung geschlossen und alte Kraftwerke stillgelegt. Bei dem Versuch, striktere Umweltauflagen in den Fabriken auch tatsächlich durchzusetzen, gibt es allerdings große Probleme. Es wird nicht nur mit dem Wegfall von Arbeitsplätzen und geringeren Steuereinnahmen argumentiert, nicht selten werden die Umweltkontrolleure auch bestochen.

Als Alternative zur Kohle bietet sich vor allem der Einsatz von relativ sauberem Erdgas an. Allerdings hat das jetzt so beliebte Erdgas gerade einmal einen Anteil von zwei Prozent am chinesischen Energiemix und die Vorräte sind relativ knapp. Auch mit Öl kann sich das Land nicht selbst versorgen, etwa ein Viertel des Bedarfs muss eingeführt werden.

Wenn kostbare Devisen für Energieimporte ausgegeben werden müssen, dann ist das ein naheliegender Grund Energie einzusparen. Dass dadurch auch der Ausstoß von Treibhausgasen reduziert und so ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet wird, ist bisher eher als Nebeneffekt betrachtet worden. Zwar müssen die Chinesen befürchten, dass durch die Erwärmung der Erdatmosphäre Küstengebiete vom steigenden Meeresspiegel verschlungen und die Wüsten sich schneller ausbreiten werden, doch dies liegt immer noch in zeitlich weiter Ferne.

In letzter Zeit hat China seine Positionen zum Klimaschutz präzisiert. Das Land hat den Ausstieg der USA aus Kyoto-Protokoll scharf kritisiert und es hat jetzt eine Schlüsselstellung inne: China steht bei der Emission von Treibhausgasen mit elf Prozent weltweit an zweiter Stelle hinter den USA. Seine Beteiligung am Klimaschutz ist also unerlässlich - auch deshalb, weil das Kyoto-Protokoll erst dann in Kraft treten kann, wenn die Unterzeichner zusammen auf 55 Prozent der weltweiten Emissionen von Treibhausgasen kommen.

[Quellen (u.a.): Far Eastern Economic Review vom 1. März 2001]

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