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Chromebooks bieten Software aus dem Netz

Hardware.- Seit dieser Woche sind Googles Chromebooks zu haben – Laptops, die nach Vorgaben des Konzerns gefertigt werden. Das Besondere: Fast alle Programme dafür werden ausschließlich über das Internet verwendet.

Von Achim Killer |
    Einen zumindest gibt es, der ist über alle Maßen begeistert über die Chromebooks, Google-Sprecher Stefan Keuchel.

    Chromebooks sind schnell, weil die installierte Software auf ein Minimum reduziert ist: Google’s Browser Chrome und gerade so viel Betriebssystem - ein Stückchen Linux – wie nötig ist, damit der Browser auf der Hardware läuft. Das bisschen Software kann auch ein relativ schwacher, weil stromsparender Prozessor leicht verarbeiten. Und deswegen sind die Gerätchen schnell.

    Die Hersteller Samsung und Acer setzen Atom-Chips von Intel ein und erfüllen damit spielend die Geschwindigkeitsvorgaben von Google. Der Browser – Chrome – aktualisiert sich automatisch. Und alle übrigen Programme, die der Anwender nutzen kann, sind auf Servern im Netz installiert, vorzugsweise auf denen von Google, und müssen deshalb von den Dienste-Anbietern gepflegt werden. Insofern ähnelt das Konzept des Chromebook jenem des NC, des Netz-Computers, das Sun Microsystems vor anderthalb Jahrzehnten propagiert hat.

    "Thin Clients" wurden diese Geräte auch genannt. Sie verfügten über keine Festplatte und nur über so viel Software, wie nötig ist, um auf serverseitig installierte Programme zugreifen zu können, die von der IT-Abteilung des Unternehmens zentral gewartet werden konnten. Sun hat für diesen Ansatz wohl in erster Linie deshalb geworben, weil der Konzern damals der zweitgrößte Hersteller von Servern war. Google wiederum ist heute der größte Betreiber von Servern – eine Million nach unbestätigten Berichten – und will die Programm-Verarbeitung auf diese Server verlagern. Das sei modernes Personal Computing, meint Sundar Pichai, Google’s oberster Browser-Entwickler:

    "Die meisten Betriebssysteme wurden entwickelt, bevor das Web überhaupt existierte. Wir wollten deshalb die Gelegenheit nutzen, um den PC im modernen Web neu zu definieren. Dort nämlich verbringen die User die meiste Zeit - mit ihren Lieblingsanwendungen. Und darum geht es bei Chrome-OS. Es ist nichts als das Web."

    Wer ein Chromebook nutzt, der bindet sich an Google. Ein Account bei dem Suchmaschinenkonzern ist Voraussetzung für den sinnvollen Einsatz. Denn dort sind die persönlichen Konfigurationsdaten gespeichert, die sogenannten Apps. Der Name ist irreführend. Handelt sich dabei doch nicht um Applikationen, sondern lediglich um Links zu Applikationen, die der eingeloggte Benutzer dann als Programmsymbole auf dem Bildschirm sieht.

    Auch offline zu arbeiten, ist mit einem Chromebook möglich. Das sieht zumindest das Konzept vor. Dann werden Programmdateien genutzt, die auf dem Notebook zwischengespeichert wurden. Besteht wieder eine Netzverbindung, werden zwischenzeitlich geschriebene Daten mit jenen auf dem entsprechenden Web-Server synchronisiert. Googles Konzept folgt insofern dem des NC von Sun Microsystems, als dass beide auf starke Server setzen, auf die eigentlich mit einfachen und preiswerten Endgeräten zugegriffen werden kann. Aber solche Endgeräte seien Chromebooks überhaupt nicht, kritisiert Ranjit Atwal vom Analystenhaus Gartner:

    "Die Geräte sind nicht billig. Sie sind vielleicht günstiger als ein herkömmlicher Laptop. Aber das ist keine Angelegenheit von 100 Euro oder von 50 Euro. Man sollte doch eigentlich annehmen, dass wenn alles in der Cloud ist, dass dort dann auch die Hardware-Leistung dahin geht. Aber das ist nicht der Fall. Die Geräte müssen immer noch sehr leistungsfähig sein und benötigen eine starke Hardware. Das ist die Paradoxie."

    Es werde künftig wohl eine Vielzahl verschiedener Endgeräte geben, meint Atwal. Und darin ist er sich mit den meisten Analysten einig. Die Schwächen des PCs sind bekannt: seine Sicherheitsprobleme und Software mit Features, die kaum genutzt werden. Aber ein Rechner, der den PC als digitales Universalwerkzeug ablösen könnte, ist nicht in Sicht. Auch Chromebooks haben nicht das Zeug dazu.