
Im Jahr 1952 hatte das Fachjournal Sight and Sound vom British Film Institute die Idee, Kritiker nach den "Greatest Films of All Time" (großartigsten Filmen aller Zeiten) zu fragen. Diese Tradition wurde seitdem alle zehn Jahre wiederholt. In den Jahren 1962, 1972, 1982, 1992 und 2002 war der Schwarz-Weiß-Film die Nummer eins in dieser renommierten Liste. Erst 2012 wurde Alfred Hitchcocks "Vertigo – Aus dem Reich der Toten" gewählt, 2022 Chantal Akermans feministisches Werk "Jeanne Dielman".
Erstmal gefloppt und mit Kampagnen überzogen
Der Film floppte - erst mal. Er handelt von dem fiktiven Medienmogul Charles Foster Kane, in dem Zeitgenossen leicht Zeitungszar William Hearst (1863-1951) zu erkennen glaubten. Hearst startete nach der Premiere eine Kampagne gegen Hauptdarsteller und Regisseur Welles, den Mitautor Herman J. Mankiewicz sowie das Filmstudio RKO.
Obwohl er bei den Oscars 1942 neun Nominierungen erhielt, bekam er lediglich einen für das beste Originaldrehbuch.
"Citizen Kane" überzeugt mit innovativen Techniken und Erzählstilen
"Citizen Kane" überzeugt unter anderem aufgrund seiner für das Jahr 1941 zahlreichen Innovationen bei der Erzähl-, der Kamera-, der Ton- oder der Beleuchtungstechnik. In der Bildsprache kommen Schärfentiefe, Spiegelungen, starke Kontraste sowie Sequenzen mit extremer Aufsicht (von oben nach unten) oder Untersicht (von unten nach oben) zum Einsatz. Welles ließ Darsteller öfter mal durcheinanderreden und sich gegenseitig unterbrechen. Außerdem hat der Film eine ungewöhnliche, eher unsympathische Hauptfigur, die sich kaum zur Identifikation eignet.
Zeitsprünge sind selbst innerhalb einer Szene zu finden. Das beste Beispiel dafür ist eine Sequenz am Frühstückstisch. Mit ihr wird gezeigt, wie Kanes erste Ehe über die Jahre in die Brüche geht. Schauplatz: dasselbe Zimmer, nur Kostüme und Maske ändern sich. Auch die Länge des Esstischs nimmt zu (was die Distanz des Paares effektvoll verdeutlicht).
Darum geht es in dem Film "Citizen Kane"
Heutige Sehgewohnheiten lassen den Film womöglich als nicht so besonders erscheinen. "Citizen Kane" gilt als ein Prototyp des sogenannten Autorenfilms, weil Orson Welles fast alle künstlerischen Aspekte mitbestimmte.
Die Zuschauer sehen, wie Kane als kleiner Junge ein großes Vermögen erbt, sich als junger Erwachsener ein Medienimperium aufbaut und schließlich zum skrupellosen Machtmenschen wird. Ein Reporter versucht während des Films, das letzte Wort Kanes zu erklären, das der einsam gestorbene Zeitungsmagnat und Politiker gesprochen haben soll: das berühmte Wort "Rosebud", das sich am Ende als Markenname eines Schlittens herausstellt, den Kane als kleiner Junge gehabt hatte und der als Symbol für das Ende seiner Kindheit fungiert. (mit Material der dpa)
Diese Nachricht wurde am 08.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
