Freitag, 19. April 2024

Umweltbundesamt
CO2-Emissionen sinken um zehn Prozent - Erreichen der Klimaziele bis 2030 möglich

Das deutsche Klimaziel für 2030 scheint wieder erreichbar. Laut einem aktuellen Bericht des Umweltbundesamts hat es im vergangenen Jahr den stärksten Rückgang von Treibhausgasemissionen seit 1990 gegeben. Handlungsbedarf wird jedoch in den Bereichen Verkehr und Gebäude gesehen. Umweltverbände bemängeln, der Bericht vermittele eine trügerische Sicherheit.

18.03.2024
    Wasserdampf aus den Kühltürmen eines Braunkohlekraftwerks, daneben ein Windrad.
    Wasserdampf aus den Kühltürmen eines Braunkohlekraftwerks, daneben ein Windrad. (picture alliance/dpa/Patrick Pleul)
    Mit 673 Millionen Tonnen wurden 2023 rund zehn Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen als 2022, teilten Klimaministerium und Umweltbundesamt mit. Gründe sind vor allem, dass weniger Kohle in Kraftwerken verbrannt wurde und auch dass sich die deutsche Wirtschaft in einer Rezession befindet.
    Die Bundesregierung hält die Klimaschutzziele bis 2030 für erreichbar. Das Umweltbundesamt erwartet einen Rückgang der Treibhausgasemissionen bis 2030 um knapp 64 Prozent im Vergleich zu 1990. Im vergangenen Jahr erwartete man nur eine Minderung um 63 Prozent, im Jahr davor sogar nur um 49 Prozent. Deutschland will bis 2030 seine Emissionen um 65 Prozent im Vergleich zu 1990 verringern. Derzeit liegt man bei etwa 46 Prozent. Bis 2045 soll Deutschland klimaneutral sein.

    Habeck: Tempo des Klimaschutzes nahezu verdreifacht

    Wirtschafts- und Klimaminister Habeck sagte, Deutschland sei erstmals auf Kurs, das Klimaziel zu erreichen. Das Tempo des Klimaschutzes habe sich sich nahezu verdreifacht. Dies sei auch mit einer Wirtschaft, die sich erhole, möglich, betonte der Grünen-Politiker.

    Sektoren Verkehr und Gebäude verfehlen Ziel

    Die Entwicklung in den einzelnen Sektoren zeigt ein heterogenes Bild: Die Sektoren Energiewirtschaft, Industrie, Landwirtschaft sowie Abfallwirtschaft und Sonstiges weisen laut Bericht eine Übererfüllung auf. Die Sektoren Verkehr und vor allem Gebäude zeigen eine gegenüber den früheren Projektionen verbesserte Entwicklung. Allerdings verfehlen sie ihre bisherigen Ziele. Da die Emissionen im Verkehr und in Gebäuden maßgeblich sind für die EU-Klimaschutzverordnung, bedeutet dies auch, dass Deutschland hier seine Ziele bis 2030 ohne weitere Maßnahmen verfehlen könnte.

    Greenpeace: "Nur vordergründig gute Emissionszahlen"

    Trotz der insgesamt positiven Prognosen bei den Klimazielen forderten Umweltverbände von der Bundesregierung konsequentere Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasen. Greenpeace erklärte, niemand dürfe eine kriselnde Wirtschaft mit Klimaschutz verwechseln. Die Entwicklung verschaffe der Bundesregierung klimapolitisch eine "Verschnaufpause". Der hoffnungsvolle Solarboom könne auf Dauer nicht das anhaltend schlechte Abschneiden im Verkehr wettmachen.
    Hinter den vordergründig guten Emissionszahlen steckten zu einem großen Teil deutliche Produktionsrückgänge in der energieintensiven Industrie. Die Umweltorganisation WWF betonte, wirkungsvoll werde der Emissionsrückgang nur, wenn er auf strategischem Klimaschutz und dem zukunftsfähigen Umbau der Wirtschaft fuße.
    Der Verkehrsclub Deutschland, der sich für eine umweltverträgliche Verkehrswende einsetzt, warnte, dass das "Versagen" im Mobilitätssektor die nationalen und europäischen Klimavorgaben gefährde. Im Falle der europäischen Klimaschutzverordnung habe dies teure Konsequenzen. Schon um drohende Strafen in Milliardenhöhe zu vermeiden, müssten endlich alle Schalter umgelegt werden, hieß es vom Verkehrsclub Deutschland.
    Diese Nachricht wurde am 15.03.2024 im Programm Deutschlandfunk gesendet.