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StartseiteForschung aktuellTempolimit auf See24.06.2019

CO2-EmissionenTempolimit auf See

Würden die Handelsschiffe auf den Weltmeeren 30 Prozent langsamer fahren, könnten sie 60 Prozent ihrer Emissionen einsparen. Und obwohl sie dann länger unterwegs wären, könnten Reedereien damit Geld sparen, ohne die Preise anheben zu müssen – zumindest solange der Treibstoff nicht zu billig ist.

Von Volker Mrasek

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Rauchender Schornstein eines Containerschiffes in Hamburg, 2018 (imago / Christian Ohde)
Einen Tagesverbrauch an 36 Tonnen Schweröl ist bei großen Transportschiffen keine Seltenheit (imago / Christian Ohde)
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Ein großer Kohle- oder Erzfrachter verbraucht gut und gerne 36 Tonnen Schweröl pro Tag, wenn er durch die Weltmeere schippert. Drosselt er seine Fahrtgeschwindigkeit nur ein Quäntchen von 15 auf 13 Knoten, dann sind es bloß noch 24 Tonnen, also ein ganzes Drittel weniger.

Dieses kleine Rechenbeispiel zeigt, wie viel Treibstoff sich einsparen ließe, wenn man die See-Schifffahrt etwas entschleunigte. Davon würde auch der Klimaschutz profitieren. Denn bei der Verbrennung von Schweröl entstehen große Mengen CO2.

"Wenn man zum Beispiel 30 Prozent langsamer fahren würde, könnte man 60 Prozent der Emissionen einsparen. Das liegt daran, dass der Treibstoff-Verbrauch exponentiell mit der Geschwindigkeit steigt", sagt Martin Cames.

Er leitet den Bereich "Energie und Klimaschutz" am Öko-Institut. In Bonn stellte er jetzt eine neue Studie aus seinem Haus vor, die sich mit dem sogenannten Slow Steaming befasst: 

"Tempolimit auf See ist der richtige Begriff. Wenn ich eben die Vorschrift habe, dann kann ich dadurch wirklich sehr kostengünstig Treibhausgas-Minderungen erzielen."

Zusatzkosten für Reedereien

Andererseits wären Tanker, Frachter und Containerschiffe bei einem allgemeinen Tempolimit länger unterwegs. Das wiederum ist mit Zusatzkosten für Reedereien verbunden. 

"Und die zusätzlichen Kosten – zum Beispiel die Crew muss länger bezahlt werden, weil sie einfach länger auf See ist -, die sind linear", sagt Cames: "Das ist der entscheidende Punkt: Die sind linear mit der Zeit. Wohingegen die Einsparung beim Treibstoff, wenn ich die Geschwindigkeit reduziere, exponentiell ist, das heißt, sie ist zu Anfang viel, viel stärker." 

Zu langsam dürfen die Schiffe aber auch nicht fahren. Dann wird die Crew irgendwann doch zu teuer oder auch der Betrieb der ganzen Hilfsmotoren, die ständig laufen müssen, um Bordstrom zu liefern. Es scheint auf jeden Fall so etwas wie eine optimale Tempo-Drosselung zu geben:

"Bei minus 20 Prozent oder bei minus 15 oder sogar bei minus 30. Ist abhängig von der Größenklasse des Schiffes", erklärt Cames.

  (Sean Gallup / Getty Images) (Sean Gallup / Getty Images)
So weit, so gut. Doch gäbe es ein Tempolimit, könnten Reedereien nicht mehr so viele Transportaufträge erledigen. Geringere Einnahmen müssten sie dann eigentlich durch höhere Frachtpreise ausgleichen. Andererseits sparen sie ja Geld für Treibstoff.

Würde der See-Transport also insgesamt billiger oder doch teurer? Am Öko-Institut hat Martin Cames‘ Arbeitsgruppe verschiedene Szenarien durchgespielt, und zwar beispielhaft für große Massengut-Frachter. Diese Schiffe karren zu Tausenden Kohle, Erz oder Getreide durch die Weltmeere.

Fast immer rentierte sich eine Geschwindigkeitsbeschränkung dabei auch finanziell. Nur nicht bei geringen Treibstoffpreisen. Dann kostet schnelleres Fahren nicht mehr so viel. Aber auch dann würde Cames keine großen Preissprünge erwarten:

"Die Frachtkosten selber machen in der Größenordnung von fünf Prozent bei diesen Gütern, die wir betrachtet haben, aus. Und oft ist der Transport vom Hafen ins Zielland bis zum Verbrauchsort erheblich teurer. Und die Studie hat gezeigt, dass die Transportkosten durch dieses langsame Fahren nur minimal beeinflusst werden. Also insofern denken wir, dass das wirklich ein sehr guter Ansatzpunkt ist."

Japan unterstützt ein Tempolimit auf See

Diese Ansicht teilt auch Kohei Iwaki. Der Ingenieur arbeitet für das japanische Verkehrsministerium im Büro für Meeresangelegenheiten. Japan unterstützt ein Tempolimit auf See und hat es auch offiziell der IMO vorgeschlagen. Das ist die zuständige Internationale Schifffahrtsorganisation.

Iwaki hält Geschwindigkeitsbeschränkungen im Ozean für durchaus umsetzbar. Sie seien nämlich gar nichts Neues:

"2008, nach der Finanzkrise, haben Reedereien ihre Schiffe aus freien Stücken langsamer fahren lassen, um Kosten zu sparen - weil die Transportaufträge damals einbrachen und der Treibstoffpreis hoch ging. Es gab also schon selbstauferlegte Tempolimits aus wirtschaftlichen Gründen," sagt Iwaki.

Würden alle Containerschiffe, Tanker und Großfrachter ab sofort zehn Prozent langsamer fahren, könnte der CO2-Ausstoß der See-Schifffahrt jährlich um 75 Millionen Tonnen gesenkt werden. Das haben niederländische Forscher ausgerechnet. Man könnte also beachtliche Mengen Treibhausgase durch eine simple Maßnahme vermeiden.

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