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StartseiteCorso"Kein ideologisches Muster von Gut und Böse" 24.06.2019

Comic "Bergstraße 68""Kein ideologisches Muster von Gut und Böse"

In dem Comic "Bergstraße 68" wehrt sich ein kleines Mädchen dagegen, mit ihrer Familie aus der Wohnung in Berlin-Mitte rausgeworfen zu werden. Der Vermieter will sanieren. Die kindliche Sicht hätte der Zeichnerin Tina Brenneisen einen unvoreingenommenen Umgang mit dem Thema ermöglicht, sagte sie im Dlf.

Tina Brenneisen im Corsogespräch mit Juliane Reil

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(Verlag "Parallelallee", Comic "Bergstraße 68" von Tina Brenneisen und Veronica Solomon)
Tilda lebt mit ihrer Famile in einem Haus in Berlin-Mitte, das saniert werden soll. (Verlag "Parallelallee", Comic "Bergstraße 68" von Tina Brenneisen und Veronica Solomon)
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Angesichts des Mietenwahnsinns in deutschen Großstädten forderte eine Berliner Initiave Anfang April, große Immobilienkonzerne zu enteignen. Dann zog die Politik nach: Der rot-rot-grüne Senat beschloss, die Mieten in der Hauptstadt für fünf Jahre einzufrieren. Ob der Mietendeckel tatsächlich hilft, ist fraglich. Unbestritten ist dagegen, dass das Wohnungsproblem – insbesondere in Berlin - hausgemacht ist und nicht erst seit gestern besteht.

Realistischer Hintergrund

Die Berliner Comic-Zeichnerin Tina Brenneisen hat sich schon vor über zehn Jahren mit der Thematik auseinandergesetzt. Nun ist ein Comicband von ihr gemeinsam mit der Zeichnerin Veronica Solomon erschienen. In "Bergstraße 68" steht das kleine Mädchen Tilda im Zentrum. Mit ihrer Famile lebt sie in einem Haus in Berlin, das saniert werden soll. Die Bewohner haben berechtigte Angst, dass sie ihre Wohnungen verlieren.

Tina Brenneisen hat selbst in den Nullerjahren in der Bergstraße 68 gewohnt.  "Das Heraussanieren von Mietern" sei damals schon kein Einzelfall gewesen, sagte die Zeichnerin im Dlf. Teilweise sei damals von Vermieterseite die Heizung im Winter ausgestellt und Buttersäure auf Türklinken geschmiert worden.

Spielerischer Umgang mit dem Thema

Tilda ist ein aufgewecktes kleines Mädchen, die ihre Umgebung genau beobachtet und ein Gespür für die Angst und die Sorgen der Erwachsenen in dem Haus hat. Brenneisen wählte die Perspektive eines Kindes aus einem bestimmten Grund: "Ich hatte selbst Probleme, die abstrakten Rechtsbegriffe zu verstehen - auch die Rohheit und die Skrupelosigkeit der Leute." Die kindlich-naive Sicht hätte Brenneisen einen spielerischen Umgang mit dem Thema ermöglicht. Außerdem sei der Vorteil gewesen, dass man nicht so schnell in ein ideologisches Muster von Gut und Böse verfällt.

Es gibt nicht viele Frauen, die Comics zeichnen oder Karikaturen. Brenneisen ist eine Frau, die zusätzlich noch ihren eigenen Verlag gegründet hat: "Parallelallee".  Er sei sehr schwer als weiblicher Nachwuchs in der Comic-Branche Chancen, zu bekommen und Zutrauen zu entwickeln, erklärte die Zeichnerin: "Ich habe schnell kapiert, dass das eigene Ding machen der einzige Weg ist herauszufinden, was man kann."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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