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StartseiteCorsoLiebe in Zeiten des Internets21.02.2019

Comicband "Bei Gefallen auch mehr..."Liebe in Zeiten des Internets

"Heute ist es einfacher zu vereinsamen und es gar nicht zu merken", sagte der Berliner Zeichner Kai Pfeiffer im Dlf. Mit seiner belgischen Kollegin Dominique Goblet erzählt er in der Graphic Novel "Bei Gefallen auch mehr..." die Geschichte einer Frau, die sich in der Welt des Online-Datings verliert.

Kai Pfeiffer im Corsogespräch mit Juliane Reil

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Nackte Männer - gezeichnet mit Bleifstift und Tusche - in einer Phantasielandschaft aus Wald und Erdlöchern, die nach Vasen graben. (Avant Verlag)
In dem Comic "Bei Gefallen auch mehr" sucht eine Frau nach der Liebe - mit Hilfe des Internets. (Avant Verlag)
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Noch vor ein paar Jahren war Online-Dating nicht besonders angesagt. Es galt sogar als anrüchig. Das hat sich komplett geändert. Heute suchen mehr als zehn Millionen Deutsche via Netz nach dem Partner fürs Leben. In Deutschland gibt es mittlerweile mehr als 2.500 Partnerbörsen online. Ihr Versprechen, besser gesagt ihr Geschäft: alles - von der großen Liebe, über losen Kontakt, bis zum One-Night-Stand.

Der Bildband "Bei Gefallen auch mehr..." greift genau dieses Thema auf: Liebe in Zeiten von Tinder und Parship. Die belgische Zeichnerin Dominique Goublet und der Berliner Zeichner Kai Pfeiffer sind für den Band verantwortlich.

Kontaktanzeigen wie konkrete Lyrik

Die Inspirationsquelle für den Band seien Online-Kontaktanzeigen aus Frankreich - gerade auch von Männern - gewesen, sagte Kai Pfeiffer im Dlf: "Alle Anzeigen, die man im Band liest, sind tatsächlich echte Texte. Denn es gibt keine phantastischere, fast konkrete Lyrik als diese Profiltexte. "Die Männer würden auf Dinge kommen", erklärte Pfeiffer weiter, "die man sich nicht ausdenken könnte".

Wir haben noch länger mit Kai Pfeiffer gesprochen – hören Sie hier die Langfassung des Corsogesprächs

In "Bei Gefallen auch mehr..." geht es um eine alleinstehende Frau, die geschieden ist. Ihre Tochter ist aus dem Haus gegangen. Die Protagonistin ist unheimlich einsam und gibt eine Kontaktanzeige im Netz auf. In einer Bilderflut verschwimmen die Grenzen - zwischen Realität und Traum, Realität und Vorstellung.

Im Prinzip erlebt der Leser das Kopfkino der Protagonistin. Sie bestimmt und ist in ihrem Kopfkino der Regisseur. Auf die Frage, warum sich das Zeichner-Duo für die weibliche Perspektive entschieden hätte, sagte Pfeiffer: "Wir fanden diese Allmachtsphantasien sehr viel interessanter mit einer Frau durchzuspielen, da sie Männern eher zugeschrieben werden."

Filterblase und Chance

Das Internet bietet unheimlich viele Möglichkeiten, Kontakt mit anderen aufzubauen und sich zu vernetzen. Andererseits scheint jeder in seiner eigenen Filterblase gefangen zu sein. "Heute ist es einfacher zu vereinsamen und es gar nicht zu merken", sagte Pfeiffer. Das Netz würde aber auch Chance sein und im positven Sinn Überraschungen ermöglichen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Domique Goblet, Kai Pfeiffer: "Bei Gefallen auch mehr..."
Avant Verlag Berlin, 2019. 180 Seiten, 39,95 Euro 

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