Dienstag, 04. Oktober 2022

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Commerzbank
Massive Stellenstreichungen und Filialschließungen befürchtet

Bis zu 2.300 Vollzeitstellen könnten gestrichen und jede fünfte Filiale geschossen werden: Die Umstrukturierung der Commerzbank geht weiter. Es wäre der vierte Arbeitsplatzabbau bei der Großbank in zehn Jahren. Und es gibt auch schlechte Nachrichten für die Kunden: Die Bank will an der Gebührenschraube drehen.

Von Günter Hetzke | 27.09.2019

Logo der Commerzbank an der Zentrale der Commerzbank AG im Commerzbank Tower in Frankfurt am Main
2.300 Vollzeitstellen könnten gestrichen werden (dpa / Stefan Kiefer)
Bei der Commerzbank ist die grobe Richtung bereits seit genau einer Woche bekannt, da gab es eine erste Mitteilung der Bank, dass Stellen abgebaut und Filialen geschlossen werden sollen und sich die Bank durch Verkäufe Geld beschaffen will. Ich kann mich noch gut erinnern, Freitagnachmittag, in Gedanken war jeder von uns in der Wirtschaftsredaktion bereits im Wochenende und dann musste noch mal alles an Reserven und Kraft aktiviert werden – was natürlich geklappt hat. Nach dieser Vorab-Mitteilung haben dann in dieser Woche Vorstand und Aufsichtsrat der Bank getagt. Und gestern Abend wurde dann die neue Strategie von den Gremien beschlossen und abgenickt.
Also derzeit gibt es etwa noch 1.000 Standorte – alles inklusive, muss man hinzufügen. Denn bei der Commerzbank, da gibt es ja auf der einen Seite kleine Filialen, in denen nicht mehr alle Geldgeschäfte abgewickelt werden können, und auf der anderen Seite dann eben Standorte mit einem Komplettangebot. Da gibt es dann auch beispielsweise die Beratung zum Immobilienkredit, den es in den kleinen Filialen nicht gibt. Und es wurde beschlossen, dass etwa jede fünfte Filiale geschlossen wird.
Der Arbeitsplatzabbau bei der Commerzbank geht damit weiter, der vierte in zehn Jahren, wobei die Gewerkschaft Verdi darauf pocht, dass in den verbleibenden Filialen auch ausreichend Personal bleibt, um einen entsprechenden Service bieten zu können. Nicht zuletzt in der Verwaltung werden Stellen abgebaut, da die Bank vermehrt auf digitale Angebote setzen will. Unter dem Strich werden bis Ende 2020 noch einmal rund 2. 300 Vollzeitstellen gestrichen. Und ich betone bewusst: unter dem Strich. Denn die Zahl der Stellenstreichungen fällt fast doppelt so hoch aus. Aber es sind auch Neueinstellungen geplant. Das muss gegengerechnet werden. Also, nicht wundern, wenn da teilweise von mehr als 4.000 Stellen, die gestrichen werden, die Rede ist.
Irgendwas zusammenstreichen und sparen, das reicht natürlich nicht. Die Bank will auch an der Gebührenschraube drehen, wobei dazu noch nicht alle Einzelheiten auf dem Tisch liegen. Zudem will die Bank die Digitalisierung vorantreiben und für das Online-Geschäft die Online-Bank Comdirect komplett übernehmen. Das alles kostet erst einmal.
Und das Geld dafür holt sich die Commerzbank durch den Verkauf der mBank rein, die viertgrößte Bank in Polen – und bisher eine Ertragsperle der Commerzbank, die macht Gewinne, bringt Geld. Der Verkauf sei deshalb auch ein Fehler, sagt die Ratingagentur Moody's. Und Klaus Nieding von der Aktionärsvereinigung DSW sprach schon davon, dass alles, was da beschlossen wurde, relativ einfallslos aussieht.
Denn: Wie das lukrative Geschäft mit Ratenkrediten ausgebaut werden kann, wie im Firmengeschäft neue Kunden gewonnen werden sollen und wie der Konkurrenz durch die Auslandsbanken begegnet werden soll, klare Ansagen dazu gibt es nicht. Übrigens gab es noch eine überraschende Erkenntnis im Geschäft mit den Kunden. Die Bank hat nämlich ihre Daten durchforstet und dabei rund eine Million inaktive Kunden entdeckt. Und die wurden erst einmal rausgeschmissen. Die aktuelle Kundenzahl der Commerzbank musste deshalb nach unten korrigiert werden und liegt nun bei 11,1 Millionen.