Donnerstag, 29. September 2022

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Computerspieldebatte
Games und Politik

Computerspiele sind politisch – auch wenn oft die Unterhaltung im Vordergrund steht. "Corso – Kunst & Pop" beleuchtet in einem Spezial die gesellschaftliche Dimension von Games: vom Inhalt bis zur Spielmechanik, von der Gamification des Terrors bis zur Migrationdebatte, vom Holocaust zu Utopien.

Von Raphael Smarzoch | 01.05.2020

Eine Lara Croft-Figur steht in der Tomb Raider-Ausstellung im Computerspielemuseum in Berlin, aufgenommen am 26.02.2013.
Frühere Versionen von Lara Croft vermittelten ein höchst unrealistisches Körperbild (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)
Ein Screenshot aus dem Ubisoft-Titel "Tom Clancy's The Division 2" - bewaffnete Kämpfer rücken durch ein zerstörtes Washington DC in Richtung Capitol Hill vor.
Der Mythos des unpolitischen Computerspiels: Sand und Tod
Immer wenn ein Game veröffentlicht wird, das mit politischen aufgeladenen Bildern arbeitet, bricht die Diskussion aufs Neue los: Sind Computerspiele politisch? Viele Entwickler leugnen diese Dimension ihrer Produkte. Das hat auch mit der Angst vor einer radikalen Minderheit zu tun.
Der Spieleklassiker "Tetris"
Games als Propaganda-Maschinen? Von Regeln, Ideologien und Spielmechaniken
Wenn Gamedesigner und Programmierer ein Spiel entwickeln, programmieren sie grundsätzlich auch ihr eigenes Verständnis der Welt mit hinein. Und das zeigt sich nicht nur in Bild und Sprache, sondern vor allem in der Spielmechanik – und hier entwickeln Games eine ganz eigene Form der Rhetorik.
Hand hält Handy mit Twitch-App
Radikalisierung durch Computerspiele? "Rechtsextreme profitieren von unmoderierten Plattformen" Spätestens seit den Anschlägen von Halle und Christchurch wurde deutlich, dass die Gaming-Szene ein Problem mit Rechtsextremismus hat. Spiele-Communities seien für Rechte ein "wunderbares Ökosystem um sich dort zu bewegen und nicht aufzufallen", sagte Kulturwissenschaftler Christian Huberts im Dlf.
Das "neue" Hakenkreuz auf der Schulter des Soldaten
Antisemitismus in Computerspielen: Der blinde Fleck Lange Zeit wurde der Holocaust in Computerspielen überhaupt nicht thematisiert. Mittlerweile gibt es zwar einige Darstellungen der Shoa, mit dem Phänomen des Antisemitismus im Allgemeinen tut sich die Spielebranche aber nach wie vor schwer - obwohl das Problem gesellschaftlich wieder wichtiger wird.
Screenshot aus "Path Out": Zu sehen ist die Spielfigur vor einer Brücke in vermintem Gebiet, hinter ihr steht ein maskierter Bewaffneter
Flucht und Migration in Computerspielen: "Wir sind alle Menschen"
Wenn Menschen vor dem Krieg fliehen müssen, bringen sie ihre Geschichten mit. Die werden in Computerspielen aber noch viel zu selten erzählt. Denn für die Entwickler sind die Fluchterzählungen ein schwieriger Balanceakt zwischen Narration und Mechanik.
Ein Screenshot aus "Tomb Raider" zeigt die Heldin Lara Croft an einem Tisch
Geschlechterbilder in Computerspielen: "Frauen sind immer noch weit in der Unterzahl" Der Emanzipationsdiskurs ist längst in der Gamerszene angekommen - inklusive Backlash. Der Kulturwissenschaftlerin Lara Keilbart gehen die Veränderungen aber noch nicht weit genug: "Wenn Frauen sich immer in einer Rolle sehen, dann hat das eine gewisse Normierungsfunktion", sagte sie im Dlf.
"Assemble With Care"
Utopien in Computerspielen: Reparieren statt zerstören
Die Welten in großen Spielen sind meist düster und voller Konflikt. Doch hinter den Kulissen der Games-Entwicklung formt sich Widerstand: Eine kleine Bewegung will den gängigen Spiele-Dystopien neue Ideen entgegensetzen – und die Welt verändern.