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StartseiteStreitkulturBelauscht und abgehört: Verspielen wir unsere Privatsphäre?07.04.2018

Constanze Kurz vs. Reinhard KargerBelauscht und abgehört: Verspielen wir unsere Privatsphäre?

Sie gehorchen aufs Wort - und sie horchen mit: Smarte Lautsprecher mit eingebautem Mikrofon haben bereits in vielen Wohnzimmern oder Küchen einen festen Platz gefunden. Doch das, was die Systeme belauschen, bleibt nicht in den eigenen vier Wänden.

Moderation: Uli Blumenthal

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Der Lautsprecher Amazon Echo - Alexa Voice Service steht am 01.09.2017 auf der IFA in Berlin und ist in lila Licht getaucht (dpa-Zentralbild / Picture Alliance / Britta Pedersen)
Smarte Lautsprecher: Praktische Helfer oder gierige Wanzen? (dpa-Zentralbild / Picture Alliance / Britta Pedersen)
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Doch das, was die Systeme belauschen, bleibt nicht in den eigenen vier Wänden. Im Gegenteil - die Konversationen mit den Sprachassistenten werden in die Cloud geschickt und dort von den großen Internet-Konzernen nach allen Regeln der Datenanalyse ausgewertet. Für die Bequemlichkeit, einfach per Ansage Informationen und digitale Dienstleistungen abrufen zu können, holen wir uns regelrechte Wanzen ins Haus. Verspielen wir mit diesen neuen Sprachassistenten unsere Privatsphäre?

Darüber diskutieren: Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Clubs, und Reinhard Karger, Unternehmenssprecher des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz.

Ihre Positionen sind:

Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Clubs (picture alliance / dpa / Paul Zinken)Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Clubs (picture alliance / dpa / Paul Zinken)Constanze Kurz: "Die Sprachassistenten ziehen ein in Büros und in Privatwohnungen. Aber wenn wir mit diesen Computern sprechen, dann geben wir natürlich vieles preis. Denn Stimmen sind biometrische Merkmale, an denen wir wiedererkannt werden können. Sie verraten unser Geschlecht und unser Alter, sie können aber auch emotionale Zustände erkennen lassen. Zum Beispiel spricht jemand schnell und aufgeregt, ist er fröhlich oder niedergeschlagen? Außerdem kann man an der Sprache auch das Bildungsniveau und den Wortschatz des Sprechenden preisgeben. Und insofern beherrschen Computer heute diese Form der Spracherkennung, aber auch biometrische Spracherkennung, mit guter Präzision. Und Sprachmuster- und Stimmen-Datenbanken wachsen seit Jahren. Die Befehle also, die wir an die Assistenten geben, sind ein Datenschatz. Und den werden sich manche der Anbieter nicht entgehen lassen."

Reinhard Karger, Unternehmenssprecher, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, Saarbrücken auf einer Außenaufnahme, gekleidet in Jacket und Schal. (Christian Krinninger)Reinhard Karger (Christian Krinninger)Reinhard Karger: "Sprachassistenten im Allgemeinen, Alexa im Besonderen, die lösen bei vielen Bekannten Schnappatmung aus und eine allergische Schock-Reaktion. Also, ich würde sagen wollen: Sprachassistenten sind ein neuer Weg, ein sehr bequemer Weg, um Informationen zu bekommen, um Wissen, sein eigenes Wissen zu erweitern. Ich würde mir gerne den Nutzen angucken wollen. Ich würde mir gerne angucken, was sie an Neuem wirklich bringen. Und dann geht es selbstverständlich um Transparenz, dass die Hörer heute, die Leser und die Nutzer im Allgemeinen wissen, wie diese Systeme überhaupt funktionieren. Beim Datenschutz geht es darum, wie diese Konzerne mit Daten eigentlich umgehen. Und es gibt sehr viel Misstrauen und sehr viel Verdächtigung. Insofern, was man bräuchte wäre eine internationale Challenge, ausgerufen von diesen Unternehmen: "Weißt uns nach, dass das, was wir machen, eigentlich illegitime Nutzung ist." Dann würde ich sagen, hat man ein neues Niveau. Aktuell würde ich sagen, sind das interessante Erweiterungen für das Spektrum und für die Internet-Nutzung."

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