Sonntag, 14. April 2024

Covid-19
Virusvariante "Eris" lässt die Corona-Fallzahlen ansteigen

Corona, Masken und Selbsttests sind mit Ende der Pandemie aus unserem Alltag verschwunden. Nun steigen die Fallzahlen wieder. Die Coronavirus-Variante „Eris“ breitet sich aus. Experten blicken bislang gelassen auf den Herbst und Winter.

28.08.2023
    Ein Mitarbeiter wertet in einem Corona-Testzentrum einen Corona-Schnelltest aus.
    Im Herbst und Winter werden die noch betriebenen Corona-Testzentren voraussichtlich wieder mehr zu tun bekommen. (picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert)
    Seit dem Ende der Corona-Pandemie waren viele Menschen froh, über Corona nicht mehr nachdenken zu müssen. Vor allem in den unbeschwerten Sommermonaten schien die Gefahr einer Erkrankung für die meisten Bundesbürger sehr weit weg. Umso erstaunter hört man von Virusinfektionen im Freundes- und Bekanntenkreis oder an der Arbeitsstätte. Denn die Zahl der gemeldeten Corona-Infektionen steigt wieder, wie das Robert Koch-Institut seit einigen Wochen dokumentiert. Vermehrt wird die Variante EG.5 nachgewiesen.
    Mit dem Beginn der Erkältungssaison wird erwartet, dass auch die Corona-Infektionen weiter zunehmen. Mit einer Infektionslage wie zu Hochzeiten der Pandemie ist jedoch nicht zu rechnen.

    Inhalt

    Was bedeuten die steigenden Corona-Zahlen?

    Das Robert Koch-Institut (RKI) beobachtet seit mehreren Wochen steigende Corona-Fallzahlen, wie aus dem aktuellen  Wochenbericht (KW 33) zu akuten respiratorischen Erkrankungen hervorgeht. Insgesamt seien die Inzidenzwerte aber weiter sehr niedrig.
    Die 7-Tage-Inzidenz liege bei drei Covid-19-Fällen pro 100.000 Einwohner und damit 30 Prozent niedriger als in der Vorwoche, besagt allerdings der aktuelle Pandemieradar des Bundesgesundheitsministeriums. Da derzeit aber weniger getestet wird als während der Pandemie, vermuten Experten, dass die Zahlen höher liegen könnten. Mehr Selbsttests könnten diese Dunkelziffer erhellen helfen.
    "Hier sieht man, dass das alles auf sehr niedrigem Niveau verläuft", sagt der Epidemiologe Klaus Stöhr zu der jüngsten Entwicklung. Er zeigt sich ebenfalls gelassen und sieht keinen Grund zur Sorge. Corona spiele in den Krankenhäusern derzeit nur eine sehr untergeordnete Rolle.
    "Ich bin deswegen entspannt, weil ich weiß, welche Instrumente wir haben, mit welchen Möglichkeiten wir das Geschehen untersuchen, welche Zahlen existieren zu den Vorjahren", so Stöhr. "Da gibt es nichts Besorgniserregendes."

    Welche Corona-Variante dominiert derzeit?

    Bei den Corona-Erkrankungen dominiert aktuell die Variante EG.5. Sie wird auch "Eris" genannt und ist eine Untervariante der bisher vorherrschenden Virusvariante Omikron. Sie verdrängt andere Varianten und macht derzeit rund die Hälfte der Infektionen aus, sagen Experten. "Alles, was wir über diese Variante wissen, ist jetzt noch nicht besorgniserregend", sagt der Immunologe Carsten Watzl von der Technischen Universität Dortmund.
    EG.5 sei zwar ansteckender und setze sich deshalb gerade durch, aber Patienten würden nicht schwerer erkranken als bei früheren Omikron-Varianten, so Watzl. "Von daher müssen wir uns jetzt keine großen Sorgen machen."
    Eine weitere Variante, BA.2.86, weist mehr Mutationen auf als EG.5. Einige Experten beobachten diese Variante mit mehr Sorge. In den Proben des RKI fand sie sich bisher nicht. Die WHO stuft aber diese Variante noch als "Variant under Monitoring" ein.

    Was erwartet uns im Herbst und Winter?

    Mit dem Herbst beginnt die Erkältungssaison, in der wieder mehr Zeit in geschlossenen Räumen verbracht wird. "Im Herbst und Winter werden die Fallzahlen sicherlich nach oben gehen", erwartet der Immunologe Watz. Trotzdem blickt er „relativ optimistisch“ auf die kommenden Monate.
    Ob sich eine Infektionswelle aufbaut, sei anhand von zwei Frühwarnsystemen zu erkennen, die eine Einschätzung der Corona-Lage möglich machen, so Watzl. "Das eine ist die Untersuchung des Abwassers, wo man guckt, wie viel Viren oder genomisches Material von den Viren sich findet." Außerdem könne man in den Krankenhäusern frühzeitig erkennen, wenn vermehrt Menschen mit einem schweren Verlauf einer Corona-Infektionen behandelt werden müssten. "Das wären dann auch Warnhinweise, dass man wieder vorsichtiger sein müsste und gegensteuern müsste." Menschen über 60 Jahre und vulnerable Gruppen könnten aber mit angepassten Impfstoffen gut geschützt werden. Außerdem gehe es inzwischen, so Watzl, nicht mehr darum, die Infektion generell zu verhindern, sondern die Erkrankung.

    Wie sind die Regeln, wenn eine Corona-Infektion vorliegt?

    Seit dem 1. März 2023 gilt in Deutschland keine Pflicht mehr, sich bei einer Corona-Infektion zu Hause zu isolieren. Arbeitgeber können deshalb von ihren Mitarbeitern verlangen, dass sie zur Arbeit kommen. Es sei denn, sie fühlen sich schlecht oder haben Fieber.
    Um andere Menschen zu schützen, sollte man sich allerdings nur mit einer FFP2-Maske in öffentlichen Verkehrsmitteln bewegen und diese auch am Arbeitsplatz tragen, um den Kollegenkreis zu schützen. Besondere Vorsicht gilt weiter im Umgang mit älteren Personen über 60 Jahre und bei Menschen mit Vorerkrankungen. Sie sollte man dem Risiko einer Corona-Infektion weiterhin nicht aussetzen.
    Das RKI empfiehlt, sich bei Symptomen einer Atemwegsinfektion - egal, ob Corona oder andere Erkrankungen - drei bis fünf Tage lang zu Hause zu isolieren, bis die Symptome abgeklungen sind. Wer vom Arzt eine Krankschreibung benötigt, kann das nicht mehr wie in der Pandemie von zu Hause telefonisch erledigen, sondern muss sich persönlich in die Praxis begeben.  

    Wer braucht eine Auffrischungsimpfung?

    Wer jünger als 60 Jahre alt ist, keine besonderen Vorerkrankungen hat und bereits drei Mal geimpft ist, benötigt in der Regel keine weitere Aufrischungsimpfung. Die Grundimmunisierung mindert weiterhin bei einer Infektion das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. In Deutschland sind laut RKI Anfang August 2023 gut drei Viertel der Bevölkerung grundimmunisiert. Es empfiehlt sich aber, sich zum Herbst mit seinem Hausarzt über eine weitere Impfung zu beraten.
    Ein Hausarzt verabreicht in einem Sprechzimmer seiner Praxis einem älteren Patienten eine Spritze (gestellte Szene)
    Im Herbst sollten Personen über 60 Jahre sich eine Auffrischimpfung geben lassen, sagen Experten. (picture alliance / dpa-tmn / Benjamin Nolte)
    Eine jährliche Auffrischungsimpfung empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) allen Menschen ab 60 Jahren sowie Personen mit bestimmten Vorerkrankungen. Die STIKO-Empfehlung richtet sich auch an Bewohner von Pflegeeinrichtungen, medizinisches Personal und Pflegepersonal. Familienangehörigen und Kontaktpersonen von Menschen mit einer verminderten Immunabwehr wird empfohlen, sich noch einmal impfen zu lassen.
    Die STIKO nennt eine Impfung im Herbst als besten Zeitpunkt, um gut durch den Winter zu kommen. Neue angepasste Impfstoffe, die ab September zur Verfügung stehen sollen, böten auch Schutz gegen neuere Varianten, so der Immunologe Watzl.
    Eine Kombiimpfung gegen Grippe und Corona, die bereits im Gespräch ist, wird es nach Einschätzung von Experten wie dem Infektiologen Julian Schulze zur Wiesch in dieser Saison nicht mehr geben. Es könne noch einige Monate dauern, ehe ein Impfstoff einsatzbereit sei. Für Menschen, die sich dennoch gerne gegen beide Virusinfektionen impfen lassen wollen, sei es unbedenklich, sich nach einer Grippeimpfung direkt mit einer zweiten Injektion auch gegen Corona impfen zu lassen.

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