Dienstag, 29.09.2020
 
Seit 22:05 Uhr Musikszene
StartseiteForschung aktuellWie sich der Shutdown auf die Fallzahlen auswirkt06.04.2020

COVID-19Wie sich der Shutdown auf die Fallzahlen auswirkt

Seit zwei Wochen gelten in Deutschland Auflagen, die dabei helfen sollen, die Corona-Epidemie einzudämmen – und es gibt bereits Erfolge. Ziel ist es, die Zahl der Neuinfektionen zu senken und einen erneuten exponentiellen Anstieg auch nach der schrittweisen Rückkehr in den Alltag zu verhindern.

Von Arnd Reuning

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Zwei Spaziergänger mit Mundschutz, im Hintergrund mehrere Menschen bei schönem Wetter im Tempelhofer Feld Park in Berlin (dpa / picture alliance / NurPhoto / Emmanuele Contini)
Die Maßnahmen in Deutschland zeigen Wirkung: Die Verdopplungszeit nahm von im Schnitt drei Tagen auf ungefähr zehn Tage zu (dpa / picture alliance / NurPhoto / Emmanuele Contini)
Mehr zum Thema

Ausgangsbeschränkungen in der Coronakrise Was die Kontaktverbote für die Gesellschaft bedeuten

Covid-19 RKI oder Johns-Hopkins? Wie aussagekräftig Zahlen zu Corona-Infizierungen, Todesfällen und Genesungen sind

Durchseuchung der Bevölkerung Biometriker: Wir brauchen Stichproben wie in Bayern

Kontaktsperren, Ausgangsbeschränkungen, keine Bundesligaspiele, keine Konzerte und vieles mehr - seit rund zwei Wochen steht Deutschland wegen des Ausbruchs des Coronavirus still. Wie lange soll es noch so weitergehen? Der Chef des Bundeskanzleramtes, Helge Braun, ist Arzt. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sagte er: "Die Zeit mit den höchsten Infektionszahlen liegt noch vor uns." Stimmt das? Und wann könnte man wieder zur Normalität zurückkehren?

Zahl der Neuinfektionen: kein eindeutiger Trend 

Im Idealfall sinkt die Zahl der täglichen Neuinfektionen stetig. Wenn man sich das als Kurve aufmalt, sollte man im Idealfall eine Art Berg bekommen: Auf der einen Flanke steigt sie an, dann kommt ein mehr oder weniger breiter Gipfel. Und dahinter sinkt die andere Flanke wieder ab, am besten auf null. Was wir jetzt wissen wollen, ist: Sind wir schon über den Berg? Aber das lässt sich im Moment noch nicht eindeutig erkennen. Grafik: Neue Fälle pro Tag in Deutschland (Deutschlandradio) (Deutschlandradio)

Das liegt zum einen daran, dass wir noch nicht besonders viele Datenpunkte haben, nämlich nur ungefähr 30. Außerdem erhalten wir keine schöne, glatte Kurve, wenn wir die Zahlen dieser täglichen Neuinfektionen als Kurve über der Zeit auftragen. Es gibt Zacken, Ausreißer. Die Kurve ist verrauscht, mit Fehlern behaftet. Gerade Ende März waren die Zacken besonders groß, so dass es schwer fällt, zu beurteilen: Steigt die Kurve noch weiter an – oder geht sie langsam in dieses Gipfelplateau über, das wir uns wünschen?

Reproduktionszahl muss noch weiter sinken

Dass man noch keinen eindeutigen Trend absehen kann, liegt zum einen an dem Verzug zwischen dem Zeitpunkt, zu dem sich ein Mensch infiziert, und dem Zeitpunkt, an dem er in der Statistik auftaucht - und daran, dass sich nicht alle an die Kontaktsperren halten. RKI-Chef Lothar Wieler gab sich am vergangenen Freitag optimistisch: Die Reproduktionszahl sei auf eins gesunken - das ist die Zahl, die angibt, wie viele weitere Menschen ein Infizierter ansteckt. Es gehe jetzt darum, dass die Zahl unter eins sinkt in den kommenden Tagen. Denn damit geht dann auch die Zahl der Erkrankten zurück.

Grafik Entwicklung Corona-Fallzahlen in Deutschland (Deutschlandfunk/Andrea Kampmann) (Deutschlandfunk/Andrea Kampmann)Aktuelle Zahlen und Entwicklungen
Im Coronavirus-Zeitalter sind wir alle zahlensüchtig: Wie viele gemeldete Coronavirusfälle gibt es in Deutschland? Wie steht es um die Intensivkapazitäten, wie entwickeln sich die Fallzahlen international? Wie die Zahlen zu bewerten sind – ein Überblick.

Die Beschränkungen bleiben zunächst bis zum 19. April bestehen. Um danach wieder zur Normalität zurückzukehren, müssen sich laut Kanzleramtsminister Helge Braun im gleichen Zeitabstand weniger Menschen infizieren. Der Maßstab für die Entscheidungen ist dabei also unter anderem die Verdopplungszeit. Das ist die Zeitspanne, die es dauert, bis sich die Gesamtzahl der bestätigten Infizierten verdoppelt hat. Je größer die Verdopplungszeit, desto langsamer breitet sich also das Virus aus. Für Deutschland zeichnet sich hier auf alle Fälle ein Trend ab: Anfang bis Mitte März lag die Verdopplungszeit gerade einmal bei drei Tagen, natürlich auch mit ein paar Ausreißern. So ungefähr ab dem 20. März nahm dieses Maß dann zu und liegt jetzt ungefähr bei zehn Tagen. Und Helge Braun erklärt, dass noch längere Zeiten wünschenswert wären, zwölf oder sogar 14 Tage.

Rückkehr in den Alltag nur mit Maßnahmen

Laut einer von rund 20 Fachleuten aus der Wissenschaft verfassten Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina sollte es drei wichtige Maßnahmen geben, um schrittweise zu einer Normalisierung des öffentlichen Lebens zu kommen. Erstens: das Tragen von Schutzmasken in der Öffentlichkeit. Zweitens: Apps, die dabei helfen, infizierte Personen und ihre Kontakte ausfindig zu machen. Und drittens: Erhöhung der Testkapazitäten, zum Beispiel durch neue, validierte Schnelltest.

Coronavirus (imago / Science Photo Library)Alle Beiträge zum Thema Coronavirus (imago / Science Photo Library)

Diese drei Maßnahmen könnten dabei helfen, dass die Zahlen nicht erneut hochschnellen. Sollte man das öffentliche Leben schrittweise wieder hochfahren, ohne dass die vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt werden, dann werden wir laut einer Modellberechnung des Leopoldina-Gremiums ab Ende Mai erneut einen exponentiellen Anstieg haben. 

Abonnieren Sie unseren Coronavirus-Newsletter (Deutschlandradio)Abonnieren Sie unseren Coronavirus-Newsletter! (Deutschlandradio)

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk