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StartseiteCampus & KarriereCredit Points gegen Rechts15.01.2009

Credit Points gegen Rechts

FH Erfurt belohnt ehrenamtliches Engagement

Die Fachhochschule Erfurt tut etwas gegen Rechtsextremismus. Studentinnen und Studenten engagieren sich ehrenamtlich beim Netzwerk Courage und veranstalten Seminare und Workshops an Schulen. Ihre ehrenamtliche Tätigkeit wird mit sogenannten Credit Points als Studienleistung angerechnet.

Von Ulrike Greim

Courage gegenüber Neonazis - zeigen Studenten der Fachhochschule Erfurt.  (AP)
Courage gegenüber Neonazis - zeigen Studenten der Fachhochschule Erfurt. (AP)

"Ich hatte 2005 meine Teamschulung und seitdem bin ich ehrenamtlich als Teamerin unterwegs und mache im Monat zwei bis vier Projekttage."

Daniela ist 22, nennt ihren Nachnamen vorsichtshalber nicht, und studiert soziale Arbeit an der Fachhochschule Erfurt. Sie engagiert sich ehrenamtlich beim Netzwerk Courage, einem Verein, der an Schulen Rechtsextremismus thematisiert.

"Über Vorurteile, Migration, Rechtsextremismus, Utopien, Machtmissbrauch, Alltagsrassismus, Umgang mit Medien. Das sind so die Themen, die ich behandele."

Daniela erzählt, jetzt im Diplomstudiengang könne sie das Ehrenamt gut eintakten. Bei den Kollegen, die ihren Bachelor machen, sei das viel schwieriger. Die seien einfach zu eingespannt in den Studienalltag. Das ändert die Fachhochschule Erfurt nun. Wer sich - wie Daniela - gegen Rechtsextremismus engagiert, bekommt dies auf sein Studium angerechnet.

"Weil wir gerne möchten, dass, wenn sich Leute schon für uns ehrenamtlich engagieren, dass sie freigestellt werden von der Fachhochschule."

Das sagt Doreen Olschewski, Projektleiterin des Netzwerkes Courage.

"Normalerweise gibt es hier eine Anwesenheitspflicht. Diese Kooperation bedeutet halt für uns, dass wir auch die Leute im Schulalltag einsetzen können. Weil: Schule findet bekanntlich vormittags statt, und nicht, wenn Studierende frei haben."

Die Fachhochschule Erfurt sagt: Wir sind bisher zu verschult. Aber wir wollen - dank Bologna -, nicht nur Wissen honorieren, sondern auch Fähigkeiten. Natürlich mache sein Haus keine Parteipolitik, sagt FH-Präsident Heinrich Kill. Aber:

"Ein demokratisches Bewusstsein und engagiertes Eintreten für die freiheitlich demokratische Rechtsordnung - das gehört durchaus zu den Inhalten unseres Ausbildungsauftrages."

Deswegen unterzeichnete er heute Morgen eine Kooperationsvereinbarung mit dem Träger des Netzwerkes Courage, dem Verein Arbeit und Leben. Der organisiert das Geld für die Ausbildung und die Einsätze in den Schulen – zum Beispiel über die Aktion Mensch, über das Thüringer Kultusministerium, die Stadt Erfurt et cetera, und übernimmt das Management. Der Fachschule kostet das keinen Cent. Aber durch Credit Points honoriert sie dieses Engagement. Vizepräsidentin Ines Kadler:

"Natürlich muss es nicht honoriert werden. Ehrenamt ist Ehrenamt. Aber das ist für uns ein Weg, zu sagen: Wir möchten Ehrenamt honorieren."

Dieser Gedanke, Ehrenamt mit Credit Points zu belohnen, sei ausbaufähig, Umweltengagement könne folgen, Weiteres sei nicht ausgeschlossen. Immerhin schule es ganzheitlich, sagt die FH. Und die Studentin ist froh, denn sie bekommt nun Credit Points und eine Aufwandsentschädigung für das, was ihr ohnehin viel bringt.

"Teamfähigkeit. Ich habe viel über Feedback gelernt - geben und nehmen. Umgang mit Kindern und Jugendlichen. Sicheres Auftreten, Gruppenleitungskompetenzen, ganz, ganz viel inhaltliches Wissen. Und ich habe mich ganz viel mit mir selber auseinandergesetzt und bin auch persönlich weitergekommen."

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