Asylpolitik
CSU-Papier fordert mehr Abschiebungen - Kritik von SPD, Linken und aus der CDU

Die CSU im Bundestag ist dafür, den Umgang mit Geflüchteten weiter zu verschärfen. Laut einem Positionspapier für die anstehende Klausur der CSU-Landesgruppe im Kloster Seeon, das dem Dlf vorliegt, sollten die meisten syrischen Flüchtlinge schnell zurück in ihre Heimat geschickt werden. Aus SPD, Linkspartei und auch der CDU kommt Kritik.

    Auf einem draußen aufgestellten großen blauen Logo der CSU liegt Schnee.
    Auch in diesem Jahr findet die Winterklausur der CSU-Bundestags-Landesgruppe im Kloster Seeon statt (Archivbild). (picture alliance / dpa / Peter Kneffel)
    In dem CSU-Papier heißt es, 2026 müsse es eine Abschiebeoffensive geben - "mit Linienflügen auch nach Syrien und Afghanistan". Nach dem Ende des Bürgerkrieges gebe es keinen Schutzgrund mehr für Geflüchtete aus Syrien. Die CSU fordert bundesweit Ausreisezentren und ein eigenes Abschiebeterminal am Flughafen München.

    Auch strengere Auflagen für Ukrainer gefordert

    Daneben sollen die Hürden für die Einwanderung ins deutsche Sozialsystem erhöht werden, damit es nicht weiter zu Armutsmigration komme. Außerdem wendet sich der Katalog gegen ausländische Demokratiefeinde. So sollen öffentliche Rufe nach Errichtung eines Kalifats unter Strafe gestellt werden. Wer die Abschaffung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung fordere oder eine antisemitische Straftat begehe, müsse seinen Aufenthaltstitel verlieren und ausgewiesen werden. 
    Auch bei ukrainischen Flüchtlingen will die CSU einen härteren Kurs einschlagen. Man werde darauf drängen, dass "insbesondere wehrfähige ukrainische Männer ihren Beitrag zur Verteidigung ihres Landes leisten", heißt es im Papier. Näher ausgeführt wird das nicht.

    Nasr (SPD) warnt vor pauschalen Abschiebungen nach Syrien

    Die integrationspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag, Nasr, lehnt die Pläne der CSU ab. Sie sagte im Deutschlandfunk, wer jetzt pauschal nach Syrien abschieben wolle, der ignoriere die Realität in dem Land. Trotz des Kriegsendes herrsche weiter Willkür. Bestimmte Volksgruppen würden noch immer angegriffen und seien massiven Repressionen ausgesetzt. Nasr betonte, eine freiwillige Rückkehr von Flüchtlingen nach Syrien werde die SPD unterstützen, einen Zwang zur Rückkehr nicht.

    Bünger (Linke): "Absage an Grund- und Menschenrechte"

    Die Linke im Bundestag warf der CSU Zynismus vor. Sie tue so, als sei Syrien "plötzlich überall sicher und Afghanistan ein normales Rückkehrland", sagte die Linken-Abgeordnete Bünger. Dabei herrschten noch immer Gewalt, Willkürhaft und Folter. In diese "lebensbedrohlichen Zustande" abschieben zu wollen, sei eine klare Absage an Grund- und Menschenrechte. Wer dann noch ukrainische Geflüchtete unter Druck setze, stelle den Schutz von Kriegsvertriebenen infrage.

    Radtke (CDU): "Nummer-eins-Thema der AfD"

    Auch aus der CDU gibt es Kritik am Vorgehen der Schwesterpartei. Der Vorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels, Radtke, sagte der "Süddeutschen Zeitung", er teile zwar die Forderungen der CSU-Abgeordneten "zur Migration zu 90 Prozent". Allerdings verstehe er nicht, "warum man zwei Monate vor extrem wichtigen Landtagswahlen das Nummer-eins-Thema der AfD wieder groß macht, während Fragen wie bezahlbarer Wohnraum, Wirtschaftswachstum, verlässliche Sozialreformen und die Zukunft Europas weiter auf Antworten warten".
    Diese Nachricht wurde am 02.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.