Gelassen geht es zu im fünften Stock der Sprachenschule im Kopenhagener Norden. Hier sind die so genannten Alpha-Schüler versammelt, Menschen, die in ihrer Heimat entweder keinen Schulunterricht gehabt haben oder - wie Araber oder Chinesen - mit dem lateinischen Alphabet nicht vertraut sind.
"Es ist schwer, Dänisch zu lernen, zu lesen, zu schreiben, zu sprechen. Aber ich werde es schon schaffen."
Saguna stammt aus Afghanistan und ist vor dem dortigen Bürgerkrieg geflüchtet. Will sie in Dänemark bleiben, muss sie die dänische Sprache innerhalb der nächsten drei Jahre erlernen. Sagunas Lehrerin, Lisbeth Egerod, arbeitet schon seit vielen Jahren in der Schule. In letzter Zeit, konstatiert sie, habe sich das Klima deutlich gewandelt:
"Es hat sich sehr verändert, vor allem weil es ja gar nicht mehr so viele Ausländer gibt, die zu uns ins Land kommen und die dann Dänisch lernen müssen. Andererseits versucht man nun von politischer Seite, wirklich alle Nicht-Dänen zum Erlernen der Sprache zu zwingen. Es gibt ja viele Menschen, die seit Jahren und Jahrzehnten hier im Land leben, ohne je ein Wort Dänisch gesprochen zu haben. Damit möchte man vor allem ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen."
Die seit dem November 2001 amtierende bürgerliche Regierung von Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen hat die Zuwanderung nach Dänemark deutlich begrenzt und die Anforderungen an hier lebende Ausländer erhöht. Auch in der Sprachenschule macht sich das bemerkbar. War es zuvor dem einzelnen Lehrer überlassen, seine Schüler nach eigenen Vorstellungen zu unterrichten, wurden die Sprachkurse nun neu strukturiert und ein Zeitlimit von drei Jahren eingeführt:
"Ein Ziel war es, die Qualität des Unterrichtes zu erhöhen. Die Ziele sollten klarer definiert und diese wiederum in klar abgegrenzte Teilschritte unterteilt werden. Jetzt wird in regelmäßigen Abständen getestet, so dass man der Entwicklung jedes Einzelnen klar folgen kann. Sowohl die Schüler als auch wir Lehrer sind sehr viel zielorientierter geworden. Unser Alltag hat sich ungemein verändert. Alles wird von zentraler Hand kontrolliert."
Insgesamt gibt es drei Linien: das niedrige Alpha-Niveau, ein mittleres und ein höheres Niveau. Jeder Schüler wird zu Anfang eingestuft. Am Ende des dreijährigen Kurses muss er dann die Abschlussprüfung seiner Stufe bestehen. Tut er das nicht, droht er seine Aufenthaltsgenehmigung zu verlieren. Wer gar die dänische Staatsbürgerschaft beantragen möchte, der muss mindestens die Prüfung des mittleren Niveaus absolvieren, was laut Lisbeth Egerod zu einer Art administrativen Selektierung führt:
"Zuvor ist man zu seiner lokalen Polizeistation gegangen und hat sich mit einem Beamten unterhalten, der dann entschied, ob man die dänische Sprache ausreichend beherrschte oder nicht. Jetzt muss man eine Prüfung bestehen und zwar die am Ende der von mir genannten mittleren Unterrichtslinie. Und das bedeutet, dass alle Schüler des untersten, des Alpha-Niveaus, gar keine Chance haben, die Staatsbürgerschaft je zu bekommen. Sie sind von Anfang an ausgeschlossen, weil sie das für die Staatsbürgerschaft verlangte Pensum innerhalb von drei Jahren nie erlernen können."
Doch damit nicht genug. Die Richtlinien für den Sprachunterricht für Ausländer wurden von einer europäischen Arbeitsgruppe erarbeitet. Im Prinzip also gelten diese für alle EU-Staaten gleichermaßen. Doch nur im Prinzip, so berichtet Lisbeth Egerod, die selbst an der Ausformung des europäischen Regelwerks beteiligt war. Denn in Dänemark werde dieses seitens der Behörden sehr viel strenger ausgelegt, als in allen anderen Ländern.
"Ich stimme nicht mit der Übersetzung der Lernziele überein, vor allem was das Lesen angeht. In der originalen englischen Version geht es darum, dass man sich im öffentlichen Raum orientieren kann, etwa eine Menukarte lesen oder die Botschaft eines Plakates verstehen. In der dänischen Übersetzung der Richtlinien hingegen stellt man sehr viel konkretere, ja schulischere Anforderungen. Hier soll man den Inhalt ganzer Texte verstehen und interpretieren können."
Fragt man die dänische Integrationsministerin Rikke Hvilshøj, kommen die erhöhten Anforderungen den ausländischen Mitbürgern selbst zu gute, dienen sie doch einer besseren Integration.
"Wir müssen sicherstellen, dass es in Dänemark keine Gruppe gibt, und hier denke ich vor allem an muslimische Frauen, die sich von der umgebenen Gesellschaft isoliert und ein Randdasein führt."
"Es ist schwer, Dänisch zu lernen, zu lesen, zu schreiben, zu sprechen. Aber ich werde es schon schaffen."
Saguna stammt aus Afghanistan und ist vor dem dortigen Bürgerkrieg geflüchtet. Will sie in Dänemark bleiben, muss sie die dänische Sprache innerhalb der nächsten drei Jahre erlernen. Sagunas Lehrerin, Lisbeth Egerod, arbeitet schon seit vielen Jahren in der Schule. In letzter Zeit, konstatiert sie, habe sich das Klima deutlich gewandelt:
"Es hat sich sehr verändert, vor allem weil es ja gar nicht mehr so viele Ausländer gibt, die zu uns ins Land kommen und die dann Dänisch lernen müssen. Andererseits versucht man nun von politischer Seite, wirklich alle Nicht-Dänen zum Erlernen der Sprache zu zwingen. Es gibt ja viele Menschen, die seit Jahren und Jahrzehnten hier im Land leben, ohne je ein Wort Dänisch gesprochen zu haben. Damit möchte man vor allem ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen."
Die seit dem November 2001 amtierende bürgerliche Regierung von Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen hat die Zuwanderung nach Dänemark deutlich begrenzt und die Anforderungen an hier lebende Ausländer erhöht. Auch in der Sprachenschule macht sich das bemerkbar. War es zuvor dem einzelnen Lehrer überlassen, seine Schüler nach eigenen Vorstellungen zu unterrichten, wurden die Sprachkurse nun neu strukturiert und ein Zeitlimit von drei Jahren eingeführt:
"Ein Ziel war es, die Qualität des Unterrichtes zu erhöhen. Die Ziele sollten klarer definiert und diese wiederum in klar abgegrenzte Teilschritte unterteilt werden. Jetzt wird in regelmäßigen Abständen getestet, so dass man der Entwicklung jedes Einzelnen klar folgen kann. Sowohl die Schüler als auch wir Lehrer sind sehr viel zielorientierter geworden. Unser Alltag hat sich ungemein verändert. Alles wird von zentraler Hand kontrolliert."
Insgesamt gibt es drei Linien: das niedrige Alpha-Niveau, ein mittleres und ein höheres Niveau. Jeder Schüler wird zu Anfang eingestuft. Am Ende des dreijährigen Kurses muss er dann die Abschlussprüfung seiner Stufe bestehen. Tut er das nicht, droht er seine Aufenthaltsgenehmigung zu verlieren. Wer gar die dänische Staatsbürgerschaft beantragen möchte, der muss mindestens die Prüfung des mittleren Niveaus absolvieren, was laut Lisbeth Egerod zu einer Art administrativen Selektierung führt:
"Zuvor ist man zu seiner lokalen Polizeistation gegangen und hat sich mit einem Beamten unterhalten, der dann entschied, ob man die dänische Sprache ausreichend beherrschte oder nicht. Jetzt muss man eine Prüfung bestehen und zwar die am Ende der von mir genannten mittleren Unterrichtslinie. Und das bedeutet, dass alle Schüler des untersten, des Alpha-Niveaus, gar keine Chance haben, die Staatsbürgerschaft je zu bekommen. Sie sind von Anfang an ausgeschlossen, weil sie das für die Staatsbürgerschaft verlangte Pensum innerhalb von drei Jahren nie erlernen können."
Doch damit nicht genug. Die Richtlinien für den Sprachunterricht für Ausländer wurden von einer europäischen Arbeitsgruppe erarbeitet. Im Prinzip also gelten diese für alle EU-Staaten gleichermaßen. Doch nur im Prinzip, so berichtet Lisbeth Egerod, die selbst an der Ausformung des europäischen Regelwerks beteiligt war. Denn in Dänemark werde dieses seitens der Behörden sehr viel strenger ausgelegt, als in allen anderen Ländern.
"Ich stimme nicht mit der Übersetzung der Lernziele überein, vor allem was das Lesen angeht. In der originalen englischen Version geht es darum, dass man sich im öffentlichen Raum orientieren kann, etwa eine Menukarte lesen oder die Botschaft eines Plakates verstehen. In der dänischen Übersetzung der Richtlinien hingegen stellt man sehr viel konkretere, ja schulischere Anforderungen. Hier soll man den Inhalt ganzer Texte verstehen und interpretieren können."
Fragt man die dänische Integrationsministerin Rikke Hvilshøj, kommen die erhöhten Anforderungen den ausländischen Mitbürgern selbst zu gute, dienen sie doch einer besseren Integration.
"Wir müssen sicherstellen, dass es in Dänemark keine Gruppe gibt, und hier denke ich vor allem an muslimische Frauen, die sich von der umgebenen Gesellschaft isoliert und ein Randdasein führt."