Ein schmaler Glaskolben, nicht größer als eine Zigarette. Darin: Wüstenstaub aus dem frühen 19. Jahrhundert. Bis heute wird die Probe so aufbewahrt, im Museum für Naturkunde an der Humboldt-Universität Berlin. Das Besondere an ihr: Das Material ging einst durch die Hände von Charles Darwin. Aufgesammelt hatten es englische Marine-Offiziere. Mit ihrer Brigg waren sie in einen Staub-Sturm geraten, mitten im Nordatlantik, im März 1838. Passatwinde hatten die feinen Wüstenpartikel hinaus aufs Meer geweht ...
"Der Erste, der die Proben untersuchte, war Christian Gottfried Ehrenberg in Berlin. Ihm stand damals bloß ein Mikroskop zur Verfügung. Und trotzdem erkannte er, dass an den Staubkörnern eine ganze Menge mikrobiologisches Material haftet. Ja, er konnte sogar Pilze und ihre Sporen nachweisen."
Die russische Biologin Anna Gorbushina wandelt heute auf den Spuren Ehrenbergs. Die Forscherin von der Universität Oldenburg durfte ein paar Mikrogramm des raren Materials noch einmal analysieren. Und sie schaffte es, Mikroben, die einst als blinde Passagiere auf den Staubkörnern durch die Lüfte reisten, wieder zum Leben zu erwecken. Nach knapp hundertsiebzig Jahren ...
"Wir haben die Proben angefeuchtet, sie in Petrischalen gelegt, und es gelang uns, Mikroorganismen in ihnen zu kultivieren. Das ist der beste Beweis dafür, dass Leben mit den Staubkörnern assoziiert ist."
Was sie im Einzelnen fanden, darüber berichten Gorbushina und einige andere Wissenschaftler jetzt in einem Fachjournal für Umwelt-Mikrobiologie. Am Ende isolierten sie 19 verschiedene Bakterien- und Pilzarten aus Darwins und Ehrenbergs Probe. Die Mikroorganismen hatten die Zeit als Sporen überdauert, die jahrzehnte- oder sogar jahrhundertelang keimfähig bleiben. William Broughton, Australier und Professor für Botanik an der Universität Genf in der Schweiz:
"Die Bakterien und Pilze, die wir gefunden haben, bleiben sehr, sehr lange überlebensfähig. Aber das ist nicht alles. Sie werden mit Staubstürmen über weite Strecken befördert und können so sogar den Atlantik überqueren. Wir glauben, dass dieser interkontinentale Transport eine große Rolle in der jüngeren Evolution und bei der Verbreitung von Arten gespielt hat. Denn die Staubmengen, die sich in der Atmosphäre bewegen, sind enorm. Man schätzt, dass Jahr für Jahr 50 Millionen Tonnen Wüstenstaub aus Afrika allein ins Amazonas-Gebiet geweht werden."
Auch mikroskopisch kleine Lebewesen können demnach große Sprünge machen:
"Nehmen wir als Beispiel Bacillus subtilis. Dieses Bakterium kommt weltweit vor und ist ziemlich gleichmäßig verteilt. Wir haben es auch in unseren historischen Proben gefunden. Es könnte also sein, dass es sich per Luftfracht ausgebreitet hat. Man muss wissen, dass Wüstenstaub nicht nur aus der Sahara nach Amerika gelangt. Ähnlich starke Winde, die Staub mit sich führen, wehen auch über dem Pazifik. Diese Dinge haben sicher das globale Verbreitungsmuster von Mikroben mitgeprägt."
Dass Darwins und Ehrenbergs Staubproben tatsächlich aus der Sahara stammen, ließ sich durch geochemische Analysen absichern. Die Forscher glauben auch ausschließen zu können, dass das Material während der Lagerung kontaminiert wurde. Sie verglichen es mit Staubproben aus dem Berliner Naturkunde-Museum. Die enthielten zum Teil völlig andere Arten. Zu guter Letzt können die Biologen auch noch eine andere Befürchtung zerstreuen: Wiederbelebte Krankheitskeime enthielt der Wüstenstaub nicht.
"Der Erste, der die Proben untersuchte, war Christian Gottfried Ehrenberg in Berlin. Ihm stand damals bloß ein Mikroskop zur Verfügung. Und trotzdem erkannte er, dass an den Staubkörnern eine ganze Menge mikrobiologisches Material haftet. Ja, er konnte sogar Pilze und ihre Sporen nachweisen."
Die russische Biologin Anna Gorbushina wandelt heute auf den Spuren Ehrenbergs. Die Forscherin von der Universität Oldenburg durfte ein paar Mikrogramm des raren Materials noch einmal analysieren. Und sie schaffte es, Mikroben, die einst als blinde Passagiere auf den Staubkörnern durch die Lüfte reisten, wieder zum Leben zu erwecken. Nach knapp hundertsiebzig Jahren ...
"Wir haben die Proben angefeuchtet, sie in Petrischalen gelegt, und es gelang uns, Mikroorganismen in ihnen zu kultivieren. Das ist der beste Beweis dafür, dass Leben mit den Staubkörnern assoziiert ist."
Was sie im Einzelnen fanden, darüber berichten Gorbushina und einige andere Wissenschaftler jetzt in einem Fachjournal für Umwelt-Mikrobiologie. Am Ende isolierten sie 19 verschiedene Bakterien- und Pilzarten aus Darwins und Ehrenbergs Probe. Die Mikroorganismen hatten die Zeit als Sporen überdauert, die jahrzehnte- oder sogar jahrhundertelang keimfähig bleiben. William Broughton, Australier und Professor für Botanik an der Universität Genf in der Schweiz:
"Die Bakterien und Pilze, die wir gefunden haben, bleiben sehr, sehr lange überlebensfähig. Aber das ist nicht alles. Sie werden mit Staubstürmen über weite Strecken befördert und können so sogar den Atlantik überqueren. Wir glauben, dass dieser interkontinentale Transport eine große Rolle in der jüngeren Evolution und bei der Verbreitung von Arten gespielt hat. Denn die Staubmengen, die sich in der Atmosphäre bewegen, sind enorm. Man schätzt, dass Jahr für Jahr 50 Millionen Tonnen Wüstenstaub aus Afrika allein ins Amazonas-Gebiet geweht werden."
Auch mikroskopisch kleine Lebewesen können demnach große Sprünge machen:
"Nehmen wir als Beispiel Bacillus subtilis. Dieses Bakterium kommt weltweit vor und ist ziemlich gleichmäßig verteilt. Wir haben es auch in unseren historischen Proben gefunden. Es könnte also sein, dass es sich per Luftfracht ausgebreitet hat. Man muss wissen, dass Wüstenstaub nicht nur aus der Sahara nach Amerika gelangt. Ähnlich starke Winde, die Staub mit sich führen, wehen auch über dem Pazifik. Diese Dinge haben sicher das globale Verbreitungsmuster von Mikroben mitgeprägt."
Dass Darwins und Ehrenbergs Staubproben tatsächlich aus der Sahara stammen, ließ sich durch geochemische Analysen absichern. Die Forscher glauben auch ausschließen zu können, dass das Material während der Lagerung kontaminiert wurde. Sie verglichen es mit Staubproben aus dem Berliner Naturkunde-Museum. Die enthielten zum Teil völlig andere Arten. Zu guter Letzt können die Biologen auch noch eine andere Befürchtung zerstreuen: Wiederbelebte Krankheitskeime enthielt der Wüstenstaub nicht.