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Das Balkan-Syndrom

Der Einsatz von panzerbrechender Munition, die durch abgereichertes Uran gehärtet wurde, bei den Luftoperationen der NATO gegen serbische Verbände in Bosnien 1995 und im Kosovo-Krieg-Krieg 1999 beschäftigt seit Anfang des Jahres in ganz Europa die Gemüter von Politikern, Militärs und Bevölkerung. Es geht um das sogenannte Balkan-Syndrom, um die Frage, ob der Einsatz uranhaltiger Munition Blutkrebs verursachen kann. Heute haben sich der Sicherheitsausschuss der EU und die Botschafter der NATO-Staaten informell mit dem Thema beschäftigt, morgen tagt der NATO-Rat mit diesem Tagesordnungspunkt.

Gesa Liethschmidt | 09.01.2001
    Der Einsatz uranhaltiger Geschosse wird mit Gesundheitsschäden bei Soldaten der NATO in Verbindung gebracht. Ausgegangen ist diese Diskussion vom Leukämie-Tod von mindestens sechs italienischen Soldaten, die im Kosovo und in Bosnien eingesetzt waren. Weitere 13 Soldaten aus Italien, die im Balkan-Einsatz waren, sind an Krebs erkrankt oder gestorben.

    Auch in französischen Militärspitälern werden derzeit vier Soldaten, die auf dem Gebiet des früheren Jugoslawien im Einsatz waren, wegen Leukämie behandelt. Aus Portugal wurde ein Todesfall und ein Fall von Krebserkrankung gemeldet. In Spanien sind weitere Fälle von Soldaten bekannt geworden, die nach ihrem Einsatz in Bosnien oder im Kosovo an Leukämie und anderen Krebsarten gestorben oder erkrankt sind. In Belgien starben fünf früher in Kroatien und Bosnien stationierte Soldaten an Krebs. Zwei im Kosovo-Krieg eingesetzte dänische Soldaten erkrankten an Leukämie, in Griechenland ist ein ehemals in Bosnien stationierter Soldat ebenfalls an Leukämie erkrankt. In der Schweiz soll geprüft werden, ob ein Hauptmann wegen der eingesetzten Uran-Munition an Leukämie gestorben ist. Der Mann war von 1996 an in Bosnien im Einsatz gewesen. Und vor wenigen Tagen erst wurde bekannt, daß ein im zweiten Halbjahr 1997 im bosnischen Mostar stationierter deutscher Soldat, der inzwischen geheilt ist, im Januar 1998 an Leukämie erkrankte.

    Inzwischen laufen in vielen Ländern Europas Untersuchungen an Soldaten, die an Missionen im Kosovo und in Bosnien teilnahmen, so in Deutschland, Finnland, Dänemark, Schweden, Frankreich, Belgien, Spanien, Portugal, die Türkei, Griechenland, Bulgarien und in Russland. Auch die britische Regierung wird jetzt, nachdem ein Soldat nach seinem Einsatz in Bosnien an Krebs erkrankt ist, ihre möglicherweise betroffenen Soldaten untersuchen lassen. Bislang hielt London solche Untersuchungen für unnötig, weil das Risiko der Verseuchung durch Uranmunition zu gering sei.

    Noch fehlen letzte, gesicherte Kenntnisse über diesen Zusammenhang. Experten verweisen darauf, dass die Anzahl der Krebserkrankten oder Krebstoten nicht das normalerweise übliche Maß übersteigt. Aber die Diskussion hat zu Ängsten geführt.

    Bei der Uranmunition handelt es sich um Geschosse, die sogenanntes abgereichertes Uran enthalten, die gegen harte Ziele wie Kampfpanzer und Schützenpanzer eingesetzt werden. Dank der hohen Dichte des Urans und der großen Anfangsgeschwindigkeit von mehr als 1000 Meter pro Sekunde durchschlagen die 30-mm-Geschosse auch schwerste Panzerungen.

    Um diese Zerstörung zu hervorzurufen, ist es nicht nötig, dass das Uran schwach radioaktive Stoffe enthält. Deshalb wird das Uran abgereichert, das heißt, es werden rund 40 Prozent der im Uran vorhandenen Radioaktivität herausgefiltert. Es ist technisch sehr aufwendig, die gesamte Radioaktivität aus dem Metall zu filtern, damit ist es auch eine Kostenfrage. Munition mit abgereichertem Uran ist demnach ein vergleichsweise billiges Geschoß, weit billiger als das im Zweiten Weltkrieg entwickelte sehr teure Wolfram-Carbid Geschoß.

    Obwohl es längst Alternativen gibt, mit denen die amerikanischen A-10 "Thunderbolt II" Kampfflugzeuge ausgerüstet werden können, benutzt die US-Luftwaffe nach wie vor diese Geschosse. Während des Kosovo-Krieges 1999 und in Bosnien 1994/95 wurden aus amerikanischen A-10-Kampfflugzeugen bei etwa 100 Einsätzen rund 31.000 Geschosse mit Uranmunition abgefeuert.

    Abgereichertes Uran ist ein Abfallprodukt der Atomindustrie. Das Schwermetall besteht normalerweise aus gut 99 Prozent des schweren Isotops Uran-238 und zu nur 0,7 Prozent aus dem spaltbaren Uran-235, bei dem eine nukleare Kettenreaktion möglich ist. Bei der Verwendung von Uran für nukleare Zwecke muß die Fraktion des spaltbaren Urans durch Isotopentrennung angereichert werden. Für Kernkraftwerke ist ein Anreicherungsgrad von drei bis vier Prozent üblich. Jürgen Ruhlmann, Facharzt für Nuklearmedizin in Bonn:

    "Vielleicht sollte man, um das zu verstehen, sich mal kurz Gedanken dazu machen, was versteht man überhaupt unter Anreichern, Abreichern und wie verhält es sich mit den Isotopen. Uran als solches ist eine Mischung aus eigentlich chemisch gleichen Atomen, die jedoch eine unterschiedliche Masse besitzen. Isotop bedeutet, es steht an derselben Stelle im Periodensystem der Elemente. Diese Zahl z.B. besagt also, es handelt sich um das Uran, das die Masse 238 hat. Mit dieser Zahl verbindet der Physiker auch das Wissen, daß es sich darum um ein radioaktives Isotop handelt. Andere Isotope sind nicht radioaktiv. In diesem Fall Uran 238 haben wir ein Isotop, das sowohl Gamma- als auch Betastrahlen aussendet. Wenn man jetzt das Uran abreichert, bedeutet dies, daß aus einem Gemisch möglichst viel von diesem Isotop herausgezogen wird. Man kann sich das auch so vorstellen, es wird sozusagen verdünnt, um die Menge an radioaktiven Isotopen zu reduzieren."

    Kann das verdünnte, abgereicherte Uran Leukämie auslösen? Nochmals Jürgen Ruhlmann:

    "Es handelt sich in diesem Fall um eine Strahlenkrankheit. Die radioaktive Strahlung führt zu einer Schädigung der strahlenempfindlichen Gewebe. Besonders strahlenempfindlich sind eben auch die Knochenmarkzellen, weil die sehr stark profilieren, sehr stark neue Zellen bilden müssen. Diese Strahlenschädigung tritt aber nicht sofort ein, sie ist dosisabhängig. Man kann also rein rechnerisch eine Dosis ermitteln, ab der mit großer Wahrscheinlichkeit diese Krankheit Leukämie auftritt."

    Diese Schwellendosis verbirgt sich hinter einem Messwert, der sogenannten Equivalenzdosis, auch Sievert genannt. Eine kritische Größe ist ein Sievert. Wenn ein Mensch mit einer Strahlung dieser Stärke kurzzeitig ausgesetzt wird, tritt eine Strahlenkrankheit auf. Wir leben aber in einer Umwelt, in der natürliche Radioaktivität vorhanden ist. Jürgen Ruhlmann:

    "Die natürliche Dosis, die wir z.B. in Bayern in einem Jahr bekommen, liegt zwischen 1,5 und 2,5 Milli-Sievert. Ein Milli-Sievert ist ein Tausendstel Sievert, also ein Tausendstel von dem Wert, bei dem wir bei einer Kurzzeitdosis eine Strahlenkrankheit beginnen sehen."

    Die von abgereichertem Uran ausgehende äußere Strahlung liegt in der Größenordnung der natürlichen Strahlung, die sich im Boden, im Wasser und in der Luft befindet. Damit ist auch die Strahlung der Geschossmäntel in diesem Bereich anzusiedeln.

    Aber einige Fachleute meinen, eine Gefährdung durch innere Bestrahlung könne nicht ausgeschlossen werden. Eine innere Bestrahlung entsteht durch Einatmen. Nach einem Treffer mit einem Urangeschoß kann das Uran zu radioaktivem Staub pulverisiert werden, der vom Rauch des Feuers und später von Wind und Regen weitergetragen werden und so von den Menschen inhaliert werden kann.

    Allerdings schließt Prof. Herwig Peretzke vom Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in München, der die Untersuchung der Bundeswehrsoldaten durchführte, diese Möglichkeit heute früh im Deutschlandfunk aus:

    "Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kann ich ausschließen, dass die Urangeschosse irgendetwas mit den dort beobachteten Leukämieerkrankungen zu tun haben. Es ist bekannt, dass über chemische Noxen Leukämie verursacht werden kann. Benzol ist ein ganz heißer Stoff. Benzol kommt in Treibstoffen vor, und Soldaten gehen bekannterweise sehr viel mit Treibstoffen um, also chemische Auslösung von Leukämie. Es gibt eine zweite Hypothese, die dort zutrifft, das ist die virale Infektion. Besondere Viren können Leukämie auslösen. Es gibt in unseren Bereichen schon lange die Diskussion, ob bei Personen, die in eine andere virale Umgebung kommen, und das ist bei Soldaten der Fall, die im Kosovo eingesetzt werden, Viren auf ein nicht geeignetes Abwehrsystem treffen und so häufiger Leukämie auslösen können."

    Nach Informationen aus dem Bundesverteidigungsministerium wurde seit Juli 1999 eine gesundheitliche Überwachung mit Einschluß eines Biomonitoring von Körperflüssigkeit an jenen Soldaten durchgeführt, deren spezifische Tätigkeit am ehesten die Gefahr eines Kontaktes zu Munitionsresten mit abgereichertem Uran erwarten läßt. Im Rahmen einer Langzeitstudie wurden 118 einst auf dem Balkan tätige Soldaten untersucht. Verteidigungsminister Rudolf Scharping meinte Sonntag, die 118 Getesteten seien in besonders als risikoreich eingeschätzten Gebieten eingesetzt gewesen. Es gebe bei ihnen keinen Anhaltspunkt für eine Gesundheitsschädigung.

    In Finnland finden ebenfalls umfangreiche Untersuchungen an Soldaten, die an KFOR-Missionen teilnahmen, statt. Sisku Salooma, Leiterin der Staatlichen Strahlenschutzbehörde in Helsinki:

    "Die Streitkräfte untersuchen den Gesundheitszustand der finnischen KFOR-Truppen. Nachdem diese Leute nach Finnland zurückkamen, wurden Urin- und Blutproben genommen und vom arbeitsmedizinischen Institut auf Urangehalt hin untersucht. In unserem Institut untersuchen wir den radioaktiven Befund und wir prüfen, ob es möglich ist, eventuelle Spuren von Uran im ganzen Körper zu messen. Aber wir glauben, daß dies eigentlich nicht von Bedeutung ist, weil diese Leute eher Uran in ihren Häusern, im Grundwasser usw. ausgesetzt sind, also von natürlichem Uran."

    Heißt das, daß man noch keine radioaktiven Uranspuren gefunden hat?

    "Bis jetzt nichts. Die Urinkonzentrationen, die bislang gemessen wurden, liegen völlig innerhalb des Normbereichs."

    Wie beurteilt Professorin Salooma die Möglichkeit, daß abgereichertes Uran Leukämie hervorrufen kann?

    "Das abgereicherte Uran ist sehr, sehr schwach. Ich glaube nicht, daß es einen Zusammenhang zwischen dieser Munition und Leukämie gibt. Ich denke hier auch an die Zahl der Truppen, die im Balkan gewesen sind. Es sind zigtausend Männer, wenn nicht 100.000. Und bei dieser Zahl ist es ganz normal, daß einige Leukämie bekommen. In Finnland erkranken pro Jahr in der Altersgruppe 20 bis 30 Jahre zwei bis drei Leute von 100.000 an Blutkrebs. Wenn sie diese Zahl mit mehreren Jahren hochrechnen, dann haben sie zig Fälle vor einem ganz normalen Hintergrund."

    Bedenklicher als die Strahlung, meint die Leiterin der finnischen Staatlichen Strahlenschutzbehörde Sisku Salooma, ist dagegen die chemische Toxizität, die von diesen Geschossen ausgehen kann und die die Funktion der Nieren beeinträchtigt. Allerdings sollte die Restmunition in den betroffenen Gebieten abgeräumt werden, besonders aus den Häusern und von Kinderspielplätzen. Diese Reste, sagt Professor Salooma, sind jedoch nicht leicht zu finden, weil die radioaktive Strahlendosis sehr gering ist.

    Generaloberstabsarzt Karl Demmer, Inspekteur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr, ist skeptisch, wenn er nach eventuellen gesundheitlichen Schäden bei der Zivilbevölkerung in den ehemaligen Kriegsgebieten, weniger, wenn er nach Schäden bei den eigenen Soldaten gefragt wird.

    "Ich glaube, daß es weniger eine Zeitbombe für die Bundeswehrsoldaten oder für andere Soldaten ist, sondern doch eventuell eine Zeitbombe sein könnte für die Bevölkerung. Wir haben natürlich unsere Leute gewissenhaft informiert, und die Warnung vor eventuell auftretenden Gefährdungen ist präsentes Wissen der Führer der jeweiligen Kontingente im Kosovo. Man weiß seit der Diskussion im Zusammenhang mit dem Golfkrieg, daß dieses Uranium vorhanden ist und daß es aus der Munition auch freiwerden kann."

    Uranmunititon wurde bereits Anfang der 70er Jahre von den USA in Deutschland gegen die konventionelle Übermacht der damaligen Sowjetunion stationiert. Die US-Armee und die britischen Streitkräfte haben diese Geschosse in zahlreichen Übungen eingesetzt. Nach ihren Angaben kam es dabei nicht zu gesundheitlichen Schäden.

    Die Geschosse, auf denen die im Kosovo-Krieg eingesetzten basieren, wurden zum ersten Mal im Golfkrieg 1991 eingesetzt. Damals, in der Operation "Desert Storm", wurden bei mehr als 8000 Einsätzen fast 800.000 Projektile verschossen. In einem Bericht über das sogenannte Golfsyndrom bei amerikanischen Golfkriegsveteranen kam das Presidential Advisory Committee on Gulf War 1996 zu dem Ergebnis, es sei sehr unwahrscheinlich, daß die Gesundheitsschäden bei den amerikanischen Soldaten von Geschossen mit abgereichertem Uran herrühren. Nach dem Golfkrieg wurde die Produktionsweise nochmals modifiziert, um die beim Aufprall der Geschosse entstehenden Staub weiter zu reduzieren. William Arkin, Militärberater der Human Rights Watch Organisation, sieht das eigentliche Problem der Uranmunition so:

    "Es geht hier um die Gesundheitsprobleme, die Auswirkungen auf die Umwelt, die humanitären Fragen, und jetzt die politischen Sachverhalte, die damit verbunden sind. Aber zu übertreiben, was abgereichertes Uran ist und welche Art von Wirkung es auf die Zivilbevölkerung und die Soldaten hat, untergräbt das eigentliche Anliegen dieser Leute, nämlich diese Munition abzuschaffen. Die beste Möglichkeit, wie wir die Auswirkungen von abgereichertem Uran im Kosovo und in Bosnien bewerten können, ist, wenn wir auf die Auswirkungen von abgereichertem Uran im Irak schauen. Während des Golfkrieges schossen die Vereinigten Staaten ungefähr 340 Tonnen abgereichertes Uran auf Kuwait und in den Südirak. Im Vergleich waren es im Kosovo um die elf Tonnen abgereichertes Uran, und in Bosnien drei Tonnen. Das heißt, es wurden hundert mal mehr abgereichertes Uran im Golfkrieg verschossen als in Bosnien. Und ich glaube heute noch, daß es zweifelhaft wenn nicht sogar ausgeschlossen ist, wenn es um die Auswirkungen von abgereichertem Uran bei der Zivilbevölkerung im Irak und in Kuwait geht. Klar, die irakische Regierung hat viel Propaganda hinsichtlich gesundheitlicher Schäden gemacht, die durch den Einsatz von abgereichertem Uran hervorgerufen wurden, aber es gibt sehr wenige wissenschaftliche medizinische Belege dafür, daß dies stimmt. Die Leute verweisen auf individuelle Fälle oder sie verweisen auf Aussagen von irakischen Ärzten, die von erhöhten Krebsfällen sprechen. Aber wir reden hier von einem Land, wo das Gesundheitssystem in den letzten zehn Jahren zusammengebrochen ist, von einem Land, in dem chemische Waffen im Iran-Irak-Krieg eingesetzt wurden, einem Land, das allen möglichen Sorten von Giften ausgesetzt ist, die auch zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands führen können. Allein auf abgereichertes Uran zu verweisen und zu sagen, dies sei der Grund für alle Gesundheitsprobleme der Iraker ist nicht nur falsch, sondern es umgeht auch das Hauptproblem, das wir mit abgereichertem Uran haben, das in Waffen gefüllt wird und die nicht länger erforderlich sind, die immer überflüssiger werden und die wahrscheinlich beseitigt werden könnten, würde es nicht diese Übertreibungen geben."

    Was meint William Arkin, wenn er sagt, dass die Übertreibungen hinsichtlich der Schäden durch Uranmunition diesen Geschossen nur weiterhin grünes Licht gibt?

    "Wir haben jetzt unglücklicherweise eine Situation im Pentagon, bei der sich das amerikanische Verteidigungsministerium unwillig zeigt, zuzugeben, daß eine Alternative Sinn machen würde, denn das zu tun würde der Opposition, den Gegnern von Uranmunition, Recht geben."

    Die Uranschicht hat noch eine weitere Folge: US-Panzer, die mit dieser stahlhärtenden Schicht überzogen wurden, sind nicht mehr verloren gegangen. Die Verlustrate so geschützter Waffensysteme liegt bei Null.

    In mehreren europäischen Hauptstädten kam jetzt die Forderung auf, daß die Vereinigten Staaten die umstrittene Uranmunition aus ihren Depots entfernen sollen. Gestern meinte Bundeskanzler Gerhard Schröder:

    "Ich habe eine wirklich gesunde Skepsis gegenüber der Verwendung einer Munition, die, wenn sie abgeschossen wird, zur Selbstgefährdung der eigenen Soldaten führen kann. Ich glaube, darüber muss man gründlich nachdenken. Ich jedenfalls halte es nicht für richtig, eine solche Munition zu verwenden."

    Schröder verwies weiter darauf, daß die Bundeswehr die umstrittene Munition nicht einsetzt. In der NATO setzen sie nur die USA. Schröder forderte im Vorfeld der morgigen Sitzung des NATO-Rates zum so genannten Balkan-Syndrom eine rückhaltlose Aufklärung.

    Obwohl noch Einiges im Unklaren ist und viele Untersuchungsergebnisse erst in den nächsten Wochen zu erwarten sind, deutet vieles darauf hin, dass die Krankheitsfälle in vielen NATO-Staaten nicht mit dem Einsatz dieser Munition in Verbindung gebracht werden können. Es könnte durch die Diskussion jetzt aber politischer Flurschaden entstanden sein, der angesichts der ohnehin strapazierten transatlantischen Beziehungen beträchtlich werden kann.