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Das Digitale Logbuch: Fischentschupper

Was man öfters in der Schlage vor der Supermarktkasse hören kann: "Du, ich bin gerade beim Einkaufen." Ganz falsch ist es in so einem Fall, sich herumzudrehen und etwas darauf zu erwidern, etwa: "Das seh' ich doch, du Depp." Denn der mitteilsame Einkäufer spricht ja gar nicht mit einem. Er telefoniert – mit einem Handy.

Von Achim Killer |
    So ein Handy war Anfangs schlicht ein Mobiltelefon. Heute ist es mehr. Man kann damit fotografieren, filmen, Musik hören, spielen, bezahlen. Es verfügt über ein GPS-System. Und auf dem Mobile World Congress wurden sogar Handys mit eingebauten Projektoren und Beschleunigungssensoren vorgestellt. Was also ist ein Handy heute, so fragt man sich, während der Schreihals hinter einem gerade in sein Exemplar brüllt, dass er anschließend noch in den Drogeriemarkt müsse, weil dort das feuchte Toilettenpapier billiger sei. Ein modernes Handy erfüllt all jene Funktionen, die früher ein Schweizer Armeemesser hatte: kleines, großes Messer, Korkenzieher, Schere, Pinzette, Schraubenzieher, Dosenöffner, Feile, Kapselheber und – Fischentschupper.

    Alles, was man damals als Youngster brauchte, hatte man dabei, wenn man sein Schweizer Armeemesser einstecken hatte, und vor allem alles, was man nicht brauchte, beispielsweise diesen Fischentschupper. Angeln ist schließlich nichts für quirlige Youngsters, sondern etwas für ältere Herren, die sich höchstens dann erregen, wenn jemand Lärm macht, weil das die Fische verscheucht. Wer tatsächlich schon mal einen Fischentschupper benutzt hat, der versteht das. Der weiß bescheid. Schweizer Armeemesser allerdings sind mittlerweile out. Die Leute haben ja ihre Handys, und die verfügen über mehr Funktionen als das dickste Taschenmesser. Ob da überhaupt noch mehr geht, überlegt man sich, während der Telefonierer mit Vorliebe für billiges Klopapier gerade lautstark über die Details seines neuen Mobilfunkvertrags berichtet. – Es geht. Ein Handy mit Fischentschupper! Das wär's doch. Dann könnte man an der Supermarktkasse empört auf das Fischentschupper-Feature zeigen und "Psst!" machen. Dann wüsste jeder Klopapier-Käufer bescheid.