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Das Digitale Logbuch: Sieben Leben

Wie alle Lebewesen haben auch unsere Haustiere nur ein Leben. Wer Katzen sieben Leben zuschreibt, unterstellt damit nur, dass sich Katzen stärker als manch andere Lebewesen gegens Sterben wehren. Aber auch sie sterben nun einmal, und dann sind sie mausetot.

Von Maximilian Schönherr |
    Maschinen sind leblose Objekte. Knopf an, Knopf aus, Knopf an, Knopf aus. Bis der Keilriemen reißt oder die Birne durchbrennt. Mein erster Computer war solch eine Maschine. Ich schaltete ihn ein, er präsentierte mir sofort seinen blauen Begrüßungsbildschirm. Ich schaltete ihn aus, dann war er auch aus. Hunderttausend Mal ein/aus. Bis der Atari kam.

    Solche Maschinen sind gestrig. Heutige Maschinen tun so, als seien sie keine Objekte, sondern Subjekte - wie die Katze, der man den Hals umdreht. Sie gaukeln mit Pathos Geburt und Sterben vor. Sie zieren sich dauernd. Ich finde das nicht lustig.

    Den ersten Vorgeschmack lieferte mir vor vielen Jahren ein damals schon steinalter Mercedes Diesel. Der zierte sich, zu starten. Der ging, wenn er einmal lief, nicht sofort aus, sondern tuckerte eine Weile nach, als wollte er noch eben eine kleine Todesfuge durch seinen Auspuff pfeifen.

    Mein heutiger Wagen lässt es mich viel subtiler, viel deutlicher spüren. Wenn ich mich ihm, den RFID-Chip in der Hosentasche, annähere, beginnt er mit seinen Geburtswehen. Ist das mein Schöpfer, oder der Schöpfer eines anderen Mobils? Es ist dein Schöpfer, du Trottel, mach mir schon auf!

    Wenn ich später den Motor abstelle, wird der Bordcomputer erst richtig wach und fährt die Innenbeleuchtung hoch. Erst wenn ich über alle Berge bin, dimmt er die Lichter zurück und schaltet das Show Me Home-Licht ab. Ich brauche diesen Dim-Zirkus nicht. Ich brauche keinen Wagen, der mir heimleuchtet und dann vermutlich noch stundenlang die alten Mazdas auf dem Parkplatz mit diesem Brimborium unterhält.

    Mein PC brauchte so lange, herunterzufahren, da sind die sieben Leben einer Katze nichts dagegen. Wenn ich ihn nachts ausschaltete, die Zähne putzte, ins Bett ging, hörte ich aus dem Nebenraum, wie er noch immer überlegte, ob es nun auch für ihn Zeit war, schlafen zu gehen. Sterben zu gehen. Seit Kurzem zeige ich der Kiste, wo der Hammer hängt, und ziehe einfach den Stecker raus. Das findet der PC gar nicht komisch, und seit gestern tut er so, als sei er wirklich tot. Stellt sich tot, dieser Witzbold, dieses dumme Ding.