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StartseiteHintergrundDas Eis schmilzt nur langsam02.09.2007

Das Eis schmilzt nur langsam

Die Indo-Pakistanische Entspannungspolitik

Drei Kriege haben Indien und Pakistan seit 1947 gegeneinander geführt. Streitpunkt der beiden Atommächte ist vor allem Kaschmir. Wegen eines Anschlags auf das indische Parlament 2001 kam es fast zu einem vierten Krieg. Doch seit über drei Jahren führen die Regierungen Entspannungsgespräche.

Von Ingrid Norbu

 Der indische Regierungschef Vajpayee und der pakistanische Präsident Musharraf in Islamabad  (AP)
Der indische Regierungschef Vajpayee und der pakistanische Präsident Musharraf in Islamabad (AP)
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Die meisten Zuschauer haben schon auf den Tribünen Platz genommen, aber immer noch strömen Familien mit Kindern herbei, um an diesem allabendlichen Spektakel am Grenzübergang Wagah teilzunehmen: Indische und pakistanische Soldaten marschieren auf, kostümiert wie in einem Film, die Pakistanis in Schwarz, die Inder in khakifarbenen Anzügen, mit dreiviertel langen Hosen, unter denen weiße Gamaschen hervorgucken. Die Köpfe der übergroßen schlanken Soldaten schmücken Kappen mit hoch aufragenden Fächern an einer Seite. Die Zuschauer, angeheizt durch einen Einpeitscher, feuern sie an wie Gladiatoren.

"Mutter Indien", brüllen die indischen Zuschauer, ein Schlachtruf aus Kriegszeiten, und übertönen dabei die andere Seite hinter der Grenze, Menschen, die auch auf Tribünen sitzen und "Pakistan Jindabad" rufen, Sieg für Pakistan. Dort müssen Frauen und Männer getrennt sitzen, die Frauen Kopftücher tragen. Gespielte Angriffslust steht in den Gesichtern aller geschrieben.

"Am Abend wird die Grenze geschlossen, die Fahnen werden eingeholt, die Soldaten salutieren auf beiden Seiten. Dieser Teil ist freundlich gemeint, obwohl er sehr militärisch ist. Jeden Abend proben die beiden Seiten miteinander, wie sie aufeinander zumarschieren, wie sie die Fahne einholen und wie sie sie falten. Beide Seiten haben Symboltiere, wir Pakistanis haben Pferde, die indische Seite Tiger oder Löwen. So marschieren sie dann auch aufeinander zu und schnauben wie vor Wut. (macht es nach) Dabei werfen sie die Köpfe zur Seite. Das ist keine freundliche Geste gegenüber einem Nachbarn."

Nighat Khan ist seit Jahrzehnten in der Friedensbewegung in Pakistan aktiv. Sie lebt in Lahore, keine 20 Kilometer von der Grenze zu Indien entfernt. Geboren wurde sie vor über 60 Jahren in Indien, vor der Unabhängigkeit und der Teilung. Drei Kriege haben Indien und Pakistan seit 1947 gegeneinander geführt. Beide Staaten besitzen Atomwaffen. Streitpunkte sind vor allem Gebiete im Norden, in Kaschmir. Wegen eines Anschlags auf das indische Parlament 2001 kam es fast zu einem vierten Krieg. Doch seit über drei Jahren führen die Regierungen Entspannungsgespräche und holen damit nach, was es im kleinen Grenzverkehr schon lange gibt.

"Die Indische Armee hat einen hohen Zaun entlang der vielen hundert Kilometer Grenze zwischen beiden Ländern aufgestellt, aber noch weit auf ihrem eigenen Territorium, so dass viele indische Bauern jenseits des Zaunes Land besitzen. Jeden Morgen öffnet sich ein Türchen im Grenzzaun und die Bauern gehen zu ihren Feldern, arbeiten dort quasi mit den pakistanischen Bauern zusammen, sie lachen zusammen, sie essen zusammen, weil sie Nachbarn sind. Sie teilen sich das Wasser, das Futter für die Tiere, die Weiden. Abends gehen die indischen Bauern dann wieder durch das Türchen im Grenzzaun zurück. "

Pakistan ist ein Vielvölkerstaat mit fünf Provinzen. Besondere Regelungen gelten für die Stammesgebiete an der 2400 Kilometer langen Grenze zu Afghanistan im Nordwesten. In Pakistan, dem "Land der Reinen" ist die Bevölkerung zu fast hundert Prozent muslimisch, mehrheitlich sind es Sunniten. Der Islam ist Staatsreligion.

Indien, der Gigant Südasiens, mit über einer Milliarde Bewohnern, ist ein demokratisches, laizistisches Land, doch zu 80 Prozent hinduistisch. Moslems bilden die größte Minderheit mit zwölf Prozent. Die Hauptstadt Neu Delhi liegt etwa 550 Kilometer vom pakistanischen Lahore entfernt. Riyaz Panjabi ist ein indischer Moslem aus Kaschmir und Friedensaktivist. Er unterrichtet Soziologie an der Jawarharlal-Nehru-Elite-Universität in Delhi.

"Obwohl ich im Fernsehen auftrete, im Radio spreche, für die nationale Presse Artikel schreibe und einen guten Ruf als Wissenschaftler habe, konnte ich lange kein Haus in Delhi finden, weil ich Moslem bin. Ich verschwieg also besser meine Religion. Als ich dann eines fand, gestand ich es meiner Vermieterin. An einen Moslem hätte sie nicht vermietet, meinte sie. Aber nach einiger Zeit lernten wir uns besser kennen und trafen uns sogar. So fand ich heraus, dass das Bild, dass Inder von Moslems haben, auf Stereotypen beruht: Ein Moslem ist rückständig, er ist ein Terrorist, ein Hardliner, jemand, der sich abschottet. Ich denke, dass die Menschen in Nordindien immer noch die Last der Teilung mit sich tragen. Die Erinnerungen daran sind teilweise noch lebendig. "

Am 14. August 1947 endete die britische Kolonialherrschaft. Im Panjab und in Bengalen, die nach religiösen Kriterien geteilt worden waren, brachen blutige Kämpfe zwischen Hindus und Moslems aus. Es begann eine Massenvertreibung, eine Massenflucht, wie sie die Welt vorher nie erlebt hatte. Muslime aus Indien flohen nach Pakistan, Hindus aus den für Moslems abgeteilten Gebieten, im Panjab und in Bengalen, versuchten Indien zu erreichen. Über eine halbe Million Menschen überlebten die Flucht nicht. Jahrelanger Streit war der Teilung vorausgegangen.

"Nehru und seine Parteigenossen aus dem Indischen Nationalkongress haben die Briten zwar aus dem Land vertrieben, aber sie wollten alles Britische kopieren. Auf dem Parteitag der Moslem Liga 1940 in Lahore, auf dem die Lahore-Resolution verabschiedet wurde, sprach noch kaum jemand von einem unabhängigen Staat. Die Debatte ging bis 1946 um eine proportionale Repräsentation in Gebieten mit einer Moslemmehrheit und eine Konföderation dieser Gebiete mit dem Zentrum. Wenn 40 Prozent Moslems in Delhi leben, dann sollen sie mit 40 Prozent in der Regierung der Stadt vertreten sein. Aber Nehru wollte das unter keinen Umständen akzeptieren. So kam es zum Bruch. "

Mit der Unabhängigkeit 1947 und der Aufteilung in zwei Staaten, Indien und Pakistan, begann der Kampf um Kaschmir. Kaschmir wurde bis dahin von einem selbständigen Hindufürsten regiert, der nun selbst entscheiden sollte, wohin er gehört. Pakistan machte geltend, dass mehrheitlich Moslems in Kaschmir leben und es deshalb Teil Pakistans werden müsse. Noch ehe sich der Maharadscha von Kaschmir als Hindu Indien anschließen konnte, rückten pakistanische Truppen in sein Land vor.

"Kaschmir wurde geteilt, es gibt einen indischen und einen pakistanischen Teil, aber im Verlauf der Kämpfe kam es durch Vermittlung der UNO zu einem Waffenstillstand und einer entsprechenden Grenzlinie. Das Land wurde vom Militär geteilt und nicht wie im Panjab und in Bengalen durch einen Federstrich der Briten. Wir haben nicht diese schrecklichen Erinnerungen an die Tage der Teilung. "

Auf der vierspurigen Hauptverkehrsader durch Lahore braust der Verkehr. Auffällig die vielen Männer mit Maschinengewehren, nicht nur in den Banken und Einkaufszentren, auch am Straßenrand. Berge von Müll türmen sich in einer Seitenstraße mit abbruchreifen Häusern. Etwa die Hälfte der sechs Millionen Einwohner von Lahore lebt in Slums oder anderen menschenunwürdigen Behausungen. Im Bericht zur menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen von 2006 nimmt Pakistan Platz 134 von 159 ein.

"Schon vor der Teilung war der Kapitalismus in Britisch-Indien weit fortgeschritten. Es gab aber keine Industrie auf pakistanischem Gebiet 1947, außer einer Textilfabrik. In Indien gab es Großindustrielle wie Tata und Birla mit einer Stahl- und Autoindustrie und fortgeschrittenem Kapitalismus. Bei uns gab es das nicht. Und die Bauernhäuser, die sie hier auf dem Land sehen, sind nicht typisch für die Gegend, denn viele Menschen kamen aus der Umgebung von Kalkutta, Bombay oder Bangalore nach Pakistan. Die haben keine Wurzeln hier. "

Außer den Bauern flohen natürlich auch politische Führer aus Indien nach Pakistan, doch in dem ihnen unbekannten Land fanden sie keine Basis mehr. Zur Kontrolle der Regierung entwickelte sich selbst in sechs Jahrzehnten kein funktionierendes politisches System.

"Auch bei der sozialen Entwicklung hinken wir hinter Indien her. Viele Jahre lang hatten wir eine strenge Militärdiktatur. Es gab keine Meinungsfreiheit, man konnte sich nicht frei bewegen, Frauen wurden eingeschränkt, es gab keine Vergnügungen. Das hemmte auch unsere Kreativität. Wir verlernten es, Fragen zu stellen. Und wenn Generationen daran gehindert werden und es dann plötzlich wieder eine parlamentarische Demokratie gibt, dann fragen wir auch nicht mehr nach. "

Viermal übernahmen Militärs die Macht in Pakistan. 500.000 Mann stehen unter Waffen. Das Militär ist die einzige organisierte Gruppe im Land. Politische Auseinandersetzungen werden wenn nötig militärisch geführt. Ein Staat, in dem das öffentliche Leben von Korruption bestimmt wird, in dem es keine Rechenschaftspflicht der Politiker gibt, hat natürlicherweise auch ein Glaubwürdigkeitsproblem bei der Bevölkerung.

"Ich sage meinen indischen Freunden oft: Wenn eure Regierung ankündigte, wir werden Krieg mit Pakistan führen, dann werdet ihr alle sehr nationalistisch, sehr patriotisch. Aber wenn die pakistanische Regierung sagt, wir führen jetzt Krieg mit Indien, dann sagen die Leute: Wir glauben euch nicht. Wir haben kein Vertrauen zu euch. Nach dem Zwischenfall in Kargil 1999 gab es eine große Hilfsbereitschaft in Indien für die Soldaten, selbst Schulkinder wollten ihr Taschengeld spenden. Das gab es bei uns nicht. Wir fühlen uns hier mehr mit Indern verbunden. Je mehr Inder Pakistan besuchen, desto gefühlsbetonter werden wir ihnen gegenüber. Geschäfte verlangen von ihnen kein Geld, Taxifahrer fahren sie umsonst durch die Stadt. "

Mit der Visavergabe tun sich beide Seiten schwer. Hina Ayaz ist eine junge Studentin aus Lahore, die derzeit in Delhi an der Jawarharlal-Nehru-Universität studiert. Ihre Großeltern flohen 1947 von Varanasi nach Pakistan. Niemand in der Familie war jemals wieder nach Indien gekommen.

"Ich hatte schon immer den Wunsch, nach Indien zu kommen, aber mir fehlte die Gelegenheit. Außerdem ist es schwierig ein Visum zu bekommen. Beide Regierungen arbeiten nun daran, Hindernisse aus dem Weg zu räumen, und es ist schon etwas leichter geworden. "

Hina bekam die Gelegenheit auch nur, weil sie an einem internationalen Studienprogramm teilnimmt, das sie neben Stationen wie Deutschland und Südafrika auch nach Indien führte, für drei Monate.

"Ich habe auch Varanasi besucht, um das Haus meines Großvaters zu sehen. Die Adresse hatte ich nur unvollständig aufgeschrieben. Deshalb musste ich lange suchen. Als ich es schließlich gefunden hatte, war ich sehr froh. Es war ein schönes Gefühl. Ich habe meinen Großvater nie kennengelernt, weil er vor meiner Geburt starb. Warum er Indien verlassen hat? Es gab sicher viele Gründe, aber ich habe nie mit meinen Eltern darüber gesprochen. "

Hina nimmt ein Flugzeug, wenn sie von Delhi nach Lahore will. Wie etwa 80 bis 100.000 andere, die ein Visum für das Nachbarland bekommen, um beispielsweise Verwandte zu besuchen. Wer nicht so viel Geld hat, fährt mit der Eisenbahn. Nach dem Anschlag auf den Samjhauta-Express im Februar dieses Jahres, der zwischen Delhi und Lahore verkehrt, haben viele Pakistanis Angst, nach Indien zu kommen. Hina erzählt, dass fast nur Pakistanis unter den Opfern waren und dass die Presse in Pakistan angewiesen wurde, keine feindliche Propaganda zu betreiben. Man vermeidet aggressive Töne, selbst nach solch einem Desaster. Diesmal muss sich Indien fragen lassen, wie konnte jemand Brandbomben in einen streng bewachten Zug einschmuggeln? Schnell verabschiedet sich Hina, denn es fällt auf, wenn sie zu spät in ein Seminar kommt. Die Professoren achten auf sie, denn im Fachbereich Soziologie ist sie die einzige Austauschstudentin aus Pakistan.

Wenn die beiden feindlichen Nachbarn nun über einen möglichen Frieden nach 60 Jahren Feindseligkeiten sprechen, dann mag die Kriegsmüdigkeit der eigenen Bevölkerung ein Grund sein, doch beide Länder sehen sich seit dem 11. September 2001 einer größeren Gefahr ausgesetzt, als die, die sie bislang füreinander bildeten: dem internationalen Terrorismus. Pakistan liegt direkt an der Front des Antiterrorkampfs östlich von Afghanistan, und Indien ist auch nicht so weit entfernt.

"Es gab Druck von den USA, und dieser Druck hält vermutlich an, auch von Europäern, die nun Probleme mit dem Terrorismus und islamischem Fundamentalismus haben, und die glauben, dass es wichtig ist, dass Indien und Pakistan zusammenarbeiten. Beide müssen sich dafür einsetzen, denn Pakistan selbst ist bereits Opfer des Terrorismus. Ein Selbstmordattentäter hat sich in Quetta unter einen schiitischen Prozessionszug gemischt und 44 Menschen getötet. Auch eine schiitische Moschee wurde attackiert. Sogar Präsident Musharraf entkam 2003 zweimal nur knapp einem Attentat. Bei diesem Terrorismusproblem ist es für beide Länder besser, dieses Problem anzugehen, und der Friedensprozess ist der Schlüssel dazu."

Auch die sich mehrenden Anschläge auf Moslems in Indien in den letzten 15 Jahren haben selbst bei friedenswilligen Pakistanis die Ansicht gestärkt, dass die Teilung vor 60 Jahren richtig war.

"Bis vor 20 Jahren vertrat ich die Meinung, dass die Teilung ein großer Fehler war. Nun kennen wir aber das Wiedererwachen des Hindunationalismus. Wir sehen uns die Gesetze Indiens sehr kritisch an und finden heraus, dass der Hinduismus überall eingedrungen ist. Was als säkular bezeichnet wird, ist es nur im Rahmen des Hinduismus. Die Isolation der Moslems in Indien ist enorm. Sie haben nur geringen Zugang zu Bildung beispielsweise. "

Hauptstreitpunkt zwischen Indien und Pakistan bleibt Kaschmir. Die Kaschmiris verlangen ihr Selbstbestimmungsrecht, eine Abstimmung darüber, ob Kaschmir als ganzes von Indien oder Pakistan aus regiert werden sollte. Präsident Musharraf dagegen schlug einen Vier-Punkte-Plan vor, der eine Entmilitarisierung und weitgehende Autonomie vorsieht. Die gegenwärtigen Grenzen sollen aber beibehalten und die Souveränitätsrechte der beiden streitenden Parteien beibehalten werden. Im März 2007 trafen sich die Außenminister beider Länder zur vierten Runde ihres 2004 in Gang gesetzten Dialogs, ohne spektakuläres Ergebnis. Ein gemeinsames Management in einem entmilitarisierten Kaschmir lehnt Indien ab. Ein unabhängiges Kaschmir wollen beide nicht.

"Die Kaschmiris haben sich dafür eingesetzt, dass sie eine eigene Partei bilden können, denn hauptsächlich geht der Streit ja um sie. Aber hinter den Kulissen läuft das anders. Dennoch glaube ich, dass Indien nun auch dazu bereit ist, die Kaschmiris in den Friedensprozess einzuschließen. Eine Buslinie verbindet bereits die beiden Sommerhauptstädte Kaschmirs, Srinagar und Muzaffarabad. Dies schafft Kontakt zwischen den Menschen in beiden Teilen Kaschmirs, aber es ist überaus schwierig für sie, ein Visum zu bekommen. Es gibt also noch viele Probleme zu lösen. "

Der indisch-pakistanische Dialog wird fortgesetzt. Auf der Liste steht auch ein Abkommen, dass das Risiko eines Atomkonflikts zwischen beiden Ländern einschränkt. Doch ein Durchbruch der Verhandlungen steht noch aus. International häufen sich die Zweifel, ob Pakistan ein aufrichtiger Partner im Antiterrorkampf ist.

"Die politische Führung unter Musharraf und die Menschen in Pakistan wollen alle den Friedensprozess. Nur bei den niedrigeren Rängen beim Militär, besonders in Pakistan, und unter den Beamten im Außenministerium gibt es noch die alten Krieger, die sich nicht verändert haben oder ein besonderes Interesse an einem Konflikt haben. Es gibt in beiden Regierungen Meinungsverschiedenheiten darüber, ob man tatsächlich so ein großes Verteidigungsbudget braucht. All die Jahre hatte man ein enormes Waffenarsenal aufeinander gerichtet. Indien kann noch immer behaupten, dass es die Armee gegen China braucht, aber Pakistan hat keinen Grund mehr dafür nach einem Friedenschluss mit Indien. Die größten pakistanischen Truppenverbände stehen bislang nicht an der Grenze zu Afghanistan, sondern im Panjab und Kaschmir, an der Grenze zu Indien. "

Rückfahrt von Lahore zur nahen indischen Grenze an einem Kanal entlang, dessen schlammig braunes Wasser nur noch Pfützen darin bildet. Zu beiden Seiten Elendssiedlungen, durchzogen von matschigen Pfaden und magere Gestalten, die versuchen, sich einen Weg hindurch zu bahnen. Kurz vor der Grenze ein durchdringender Geruch. Hunderte von Trägern balancieren Säcke mit Zwiebeln auf dem Kopf, die sie von indischen Trägern an der Demarkationslinie übernommen haben, im Tausch mit Sperrholzkisten, die mit Trockenfrüchten aus Afghanistan gefüllt sind. Eine Szene wie vor 100 Jahren. Kein Fahrzeug darf die Grenze überqueren. Alle Waren müssen auf der einen Seite abgeladen, hinübergetragen und dann wieder neu verladen werden.

"In dieser Grenzregion wartet man schon darauf, dass immer mehr von den alten Straßenverbindungen, die es bis 1947 gab, wieder geöffnet werden und daraus große Handeltrassen werden. Der indische Premier sagte neulich in Amritsar, es ist wichtig, Frieden mit Pakistan zu haben, denn dann wird es Amritsar gut gehen. Es wird zum Umschlagplatz für Waren nach Zentralasien werden. Das wird dem Panjab helfen."

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