Investitionen und Synergien
Das erhofft sich die Bundesregierung von der neuen Luftfahrtstrategie

Die Bundesregierung hat eine neue Strategie zur Stärkung der Luftfahrtindustrie beschlossen. Die Strategie soll die Grundlage für Maßnahmen in den kommenden Jahren bilden. Was die Ziele sind und warum es Kritik gibt.

    Ein Flugzeug beim Start vor Himmel bei Sonnenuntergang.
    Mit der neuen Luftfahrtstrategie soll Deutschland als Standort gefestigt werden (imago / AAP / Joel Carret)
    Die neue Strategie räumt auch ein, dass sich die Passagierzahlen in den vergangenen Jahren schlechter entwickeln als im europäischen Vergleich. Grund seien steigende Kosten, ein angespanntes gesamtwirtschaftliches Umfeld, wachsende internationale Konkurrenz und ​mehr geopolitische Spannungen. Auch das will die Bundesregierung mit der neuen Strategie angehen.

    Was sind die Ziele der Bundesregierung?

    Bundeskanzler Merz zufolge will das Kabinett mit der Strategie sicherstellen, dass Deutschland und die europäischen Staaten weltweit führende Luftfahrtnationen bleiben können. Das sagte er bei der Eröffnung der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung. Deutschland selbst soll ein führender Standort werden. Merz nannt die Luftfahrt eine "Wachstumsbranche wie zurzeit keine ⁠andere". Mittels der Strategie soll die deutsche Luftfahrt klimaschonender und resistenter werden, ökonomisch und technologisch wettbewerbsfähiger.
    Geplant soll auch sein, dass bei Innovationen sowohl die zivile Luftfahrt, als auch das Militär gemeinsam gedacht werden. Verteidigungsminister Pistorius sprach davon, Synergien zu schaffen und Neuerungen schnell von einem Bereich zum anderen zu übertragen. So soll die Verteidigung der Bundesrepublik gestärkt werden.
    Ein weiterer Punkt in der Strategie ist eine, wie es im Papier heißt, "am Bedarf orientierte Marktöffnung". Das könnten etwa zusätzliche Landerechte in Deutschland für ausländische Fluggesellschaften sein, wie sie etwa die Airline Emirates aus den Vereinigen Arabischen Emiraten anstrebt. Die Lufthansa allerdings lehnt die mögliche neue Konkurrenz bislang ab.

    Gibt es schon konkrete Zahlen?

    Vorerst legt das Papier vor allem Leitlinien und eine Entscheidungsbasis fest. Laut Bundeskanzler Merz soll die Luftfahrtbranche aber in Höhe von rund 500 Millionen Euro entlastet werden. Er sprach von der durch den Bundestag zurückgenommenen Erhöhung der Luftverkehrssteuer. Außerdem habe man die Flugsicherungskosten für deutsche Regionalflughäfen übernommen - also die Gebühren, die bei der Sicherung von An- und Abflug, zum Beispiel durch Fluglotsen, aber etwa auch für den Flugwetterdienst anfallen. Diese werden für gewöhnlich von den Fluggesellschaften übernommen.

    Wie reagieren Branchenverbände und Umweltvertreter?

    Mehrere Umwelt- und Verkehrsverbände kritisierten das Papier als unzureichend. Es gebe nicht genügend klare Antworten auf Fragen nach Klima- oder Ressourcenschutz. Die Strategie bleibe hinter den ökologischen, wirtschaftlichen und technologischen Möglichkeiten zurück, hieß es von der Organisation Germanwatch. Der Grünen-Verkehrspolitiker Al-Wazir warf der Bundesregierung vor, nicht genug für die Produktion von nachhaltigen Flugkraftstoffen zu tun.
    Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) kritisierte fehlende konkrete Maßnahmen für eine Stärkung des Standortes. Positiv sei jedoch ein von den ​Bundestagsfraktionen der Union und SPD eingebrachter Antrag, 19 konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und der Anbindung der deutschen Flughäfen anzukurbeln.
    Der Industrieverband BDI forderte die Bundesregierung auf, die Strategie schnell umzusetzen und weitere Entlastungen einzuführen, etwa bei der Luftverkehrssteuer, den Luftsicherheits- und Flugsicherungsgebühren. Außerdem sei ein Bürokratieabbau dringend notwendig.
    Diese Nachricht wurde am 10.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.