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"Das Frühstück gehört zu den wichtigsten Mahlzeiten"

Ein voller Bauch studiert nicht gern. Hungrige Studierende bringen allerdings auch keine Bestleistung. Ernährungswissenschaftler Günter Wagner vom Institut für Sporternährung in Bad Nauheim empfiehlt Zwischenmahlzeiten und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

Kate Maleike im Gespräch mit Ernährungswissenschaftler Günter Wagner |
    Günter Wagner: Zu den wichtigsten Mahlzeiten, um eine mentale Topleistung zu bringen, gehört das Frühstück. Das Frühstück entscheidet wesentlich, ob die Energiequellen, die von den grauen Zellen geliefert werden können, in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehen. Die grauen Zellen können nur die sogenannten Kohlenhydrate in Leistung umsetzen, also nicht die gespeicherten Fette oder das Protein, sondern nur Kohlenhydrate. Und leider ist der Speicher im Körper an Kohlenhydraten der geringste von allen Nährstoffen. Und über Nacht wird eben auch noch dieser Kohlenhydratspeicher im Körper abgebaut. Also um mentale Topleistung zu bringen, ist das Frühstück die entscheidende Mahlzeit am Tag.

    Kate Maleike: Wie oft soll man denn am Tag essen?

    Wagner: Je öfter, desto besser. Gerade um die mentale Leistungsfähigkeit beeinflussen zu können, haben Zwischenmahlzeiten eine ganz wichtige Rolle. Denn wenn die Zwischenmahlzeiten dem Körper die sogenannten Kohlenhydrate zur Verfügung stellen, kann die mentale Leistungsfähigkeit, kann das Gedächtnis, kann aber auch die Konzentration nachweislich verbessert werden. Denn eine suboptimale Kohlenhydratzufuhr, die schon im Tagesverlauf stattfindet, beeinflusst nachweislich die mentale Leistungsfähigkeit. Denn obwohl eben gerade die grauen Zellen nur ungefähr 2 Prozent des Körpergewichts ausmachen, verbrauchen die doch über 20 Prozent der gesamten Energiemenge des Körpers. Und gerade das können wir mit Essen und Trinken positiv beeinflussen.

    Maleike: Was muss man denn dann essen?

    Wagner: Beim Frühstück süß vor herzhaft, also durchaus ein Brötchen mit einem süßen Belag oder ein Müsli mit Obst, das liefert dem Körper ideal die Nährstoffe, die er für die mentale Leistungsfähigkeit braucht – ein Toast mit Rührei sehr viel weniger.

    Maleike: Und was kann man so zwischendurch essen? Also zum Beispiel heißt es ja auch immer, dass Obst sehr wichtig sei, weil es unser Nervensystem auf Trab bringt.

    Wagner: Obst ist ganz sicher für den Körper sinnvoll und ganz okay, eine Leistungsförderung im mentalen Bereich kann Obst leider nicht perfekt liefern, weil die im Obst enthaltenen Kohlenhydrate eben die Fructose ist, und die kann vom Körper nicht so gut, insbesondere von den grauen Zellen nicht so gut verstoffwechselt werden. Sehr positiv sind hier ein Stückchen Kuchen oder eben ein Vollkornbrot oder eben auch kohlenhydrathaltige Getränke, die haben nachweislich einen positiven Einfluss auf den IQ oder auf die mentale Leistungsfähigkeit.

    Maleike: Gibt es denn so was wie regelrechte lernhemmende Lebensmittel?

    Wagner: Ja. Also Sie kennen ganz bestimmt auch den Spruch: Ein voller Magen studiert nicht gerne. Und das ist in der Tat so, dass wenn ich diese Lebensmittel esse, die eine sehr lange Magenverweilzeit haben, das bedeutet, dass der Körper Blutmengen eben zur Verdauung dieser Nährstoffe, dieser Lebensmittel zur Verfügung stellen muss, und dies steht dann einfach nicht zur Verfügung, dass die grauen Zellen mit Nährstoffen versorgt werden. Und das sind in der Regel eben Fleisch und Fleischprodukte oder eben auch sehr fettreiche Pizzen.

    Maleike: Wir haben schon kurz übers Trinken gesprochen, das gehört ja auch dazu, besonders an heißen Tagen. Warum eigentlich, warum fördert Trinken die Lernleistung?

    Wagner: Im Rahmen der Rossbacher Trinkstudien, die wir an Schulen und auch mit Studenten durchgeführt haben, konnte in der Tat nachgewiesen werden, dass die Probanden oder die Personen, die im Tagesverlauf trinken, besser sich konzentrieren können und auch im Rahmen einer universitären Vorlesung bei weniger Stress mehr an Wissen aus diesen Vorlesungen mitnehmen. Erklärt wird diese sehr positive Wirkung dadurch, dass die Fließeigenschaften des Blutes durch eine erhöhte Getränkeaufnahme verbessert wird. Bei einer verbesserten Fließeigenschaft des Blutes werden eben auch die Zellen und hier insbesondere eben auch die grauen Zellen, die Gehirnzellen, besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Und das bedeutet, dass einfach auch eine höhere mentale Leistungsfähigkeit als Ergebnis feststellbar ist.

    Maleike: Herr Wagner, zum Schluss noch Ihre drei persönlichen ultimativen Tipps sozusagen für die Ernährung in Prüfungszeiten: Welche wären das?

    Wagner: Wenn möglich und der Magen mitspielt, zu frühstücken und dann süß zu frühstücken, um einfach die Energiequellen für die mentale Leistung im Körper auf das optimale Niveau zu heben. Gelingt es nicht, weil ich zu nervös bin oder keine Zeit habe, dass ich dann auf jeden Fall am Abend vorher mich eher vegetarisch ernähre, um sozusagen über Nacht meine mentalen Energiespeicher auf der maximalen Höhe zu haben. Und der dritte Punkt: vor der Prüfung zu trinken, sei es jetzt Wasser oder eben auch ein kohlenhydrathaltiges Getränk. Das verbessert dann wirklich meine Flüssigkeitsversorgung und somit auch die Möglichkeit, meine Gehirnzellen optimal mit den Nährstoffen zu versorgen.

    Maleike: In "Campus & Karriere" war das der Ernährungswissenschaftler Günter Wagner mit Informationen und Tipps zur Prüfungszeit. Vielen Dank!