Montag, 10.12.2018
 
Seit 16:35 Uhr Forschung aktuell
StartseiteHintergrundDas Geschäft mit dem Glück08.10.2005

Das Geschäft mit dem Glück

50 Jahre Zahlenlotto "6 aus 49"

Lotto nährt seit Generationen das Flämmchen der Hoffnung auf ein sorgloses Leben, auf einen Geldsegen, der für die allermeisten Spieler durch Arbeit unerreichbar ist. Und das, obwohl die Chance, von einem Blitz getroffen zu werden, größer ist als die auf einen Millionengewinn. Der Deutsche Lotto-Block feiert das 50jährige Bestehen seiner "6 aus 49"-Wette. Mit dem sorglosen Monopolisten-Dasein wird es nun allerdings bald zuende sein.

Von Eva Thoms

Die Einführung des so genannten roulierenden Jackpots gehört zweifellos zu den unternehmerischen Glanzleistungen der Lotto-Manager. (AP)
Die Einführung des so genannten roulierenden Jackpots gehört zweifellos zu den unternehmerischen Glanzleistungen der Lotto-Manager. (AP)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast

"Zahlenlotto! Das neuste Spiel, das immer mehr Anhänger findet."

"6 aus 49" heißt das neue Spiel, über das am 9. Oktober 1955 sogar die UFA-Wochenschau berichtet. Es ist ein neues Glücksspiel und es verheißt Großartiges: einen Gewinn in Höhe von einer Million. Eine Summe, die Menschen bis heute elektrisiert.

Die erste Ziehung nach der neuen Glücksspielformel findet in bescheidenem Rahmen statt. Schauplatz ist das Hotel Mau am Holstenwall in Hamburg. Ein Notar überwacht, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Die erste Lotto-Fee ist ein Waisenmädchen namens Elvira. Zusammen mit einer Schicksalsgenossin, deren Name nicht überliefert ist, hat man sie aus dem Waisenhaus abgeholt und im Hotel Mau mit Kakao und Kuchen bewirtet. Dann darf Elvira die Plexibällchen mit den Glückszahlen aus dem Ziehungsrad holen.

Der soziale Anstrich soll offenbar diejenigen Zeitgenossen besänftigen, die Glücksspiel generell für ein Laster halten - wie auch dieser Berichterstatter:

"Sicher ist dies: Die allgemeine Spielleidenschaft war nie so groß wie nach dem letzten Kriege. Sie ist ein Spiegelbild der Unrast und Ratlosigkeit unserer Welt. Lebensangst und mangelnder Lebensinhalt treiben die Menschen auf die Jagd nach dem vermeintlichen Glück."

Zunächst aber lässt das Glück auf sich warten. Erst Monate nach der ersten Ziehung wird auch der erste Millionär gekürt. Ein Bauarbeiter aus Aachen hat die sechs Richtigen getippt. Über Nacht wird der Mann zu einer Berühmtheit. Für das erste Interview wird das Hinterzimmer eines Aachener Milchgeschäfts als konspirativer Treffpunkt gewählt. Ein einfacher Arbeiter mit einer Million in der Tasche. Auch der Reporter kann es nicht fassen:

"Nun also schnell zu diesem Erich Strauch, dem Millionär, ich muss das immer wieder sagen. Ich bin natürlich auch angesteckt von dieser Zahl mit den sechs Nullen. Der sieht so aus: Frisches, intelligentes junges Gesicht. Haare dunkelbraun, unrasiert, das muss ich allerdings sagen. Aber das hat er vielleicht in der Aufregung vergessen. Knickerbocker, modische Strümpfe und modische Schuhe."

Wie aber fühlt sich so ein frischgebackener Millionär?

"Man kann das gar nicht beschreiben. Es ist so als ob man erdrückt würde. Keine Luft kriegen würde. Ich weiß auch nicht."

Im Gegensatz zu vielen anderen, die ihm als Lotto-Millionäre folgen sollten, hat Willi Strauch seinen Gewinn nachweislich gut angelegt. Als er zehn Jahre später wieder interviewt wird, ist der ehemalige Baugeselle stolzer Eigentümer einer eigenen Immobilienfirma. Der Mann hatte geschafft, wovon Millionen von Lottospielern bis heute träumen und was ihnen seit 50 Jahren Woche für Woche immer wieder versprochen wird.

Mit Überraschungsaktionen, Sonderauslosungen und einer großen Lotto-Show am 15. Oktober in der ARD wird in diesem Jahr der Geburtstag des Glücksspielklassikers "6 aus 49" gefeiert. Für die Lottogesellschaften gleicht dieses Spiel einer Lizenz zum Gelddrucken: Denn allein hier verspielen die Bundesdeutschen rund fünf Milliarden Euro pro Jahr. Und das ist noch nicht alles: Inzwischen ist das Glücksspielangebot um zig Spielvarianten und Produkte erweitert worden. Und so setzt der Deutsche Lotto-Toto-Block jährlich mehr um als der Automobilhersteller Porsche. Alles in allem 8,4 Milliarden Euro. Aus bescheidenen Anfängen ist im Laufe der letzten fünf Jahrzehnte ein Multi-Milliarden-Glücksspiel-Business geworden. Die Erfolgsformel ist simpel, erklärt der Westlotto-Sprecher Elmar Bamfaste:

"Es ist einmal die Erwartung, mit einem relativ geringen Einsatz hohe Gewinne zu erzielen das bietet natürlich einen großen Spielanreiz, daneben trägt aber auch die Einfachheit der Spielformel und die Übersichtlichkeit der Teilnahmebedingungen wesentlich zum Erfolg bei. Es ist eigentlich eine ganz simple Sache und das Einfache ist eigentlich auch der Reiz des Spiels."

Ebenso einfach ist die Unternehmensphilosophie.

"Ich sag schon mal ein bisschen flapsig: Wir verkaufen keine Lottoscheine, wir verkaufen Hoffnungen und Träume. Das Glücksspiel soll dem Einzelnen Freude bereiten, soll aber auch dem Allgemeinwohl dienen und so kann man eigentlich sagen, dass die Spielangebote von Lotto für Millionen Menschen allwöchentlich fester Bestandteil der Freizeit sind. Ich glaube das gehört auch zu dieser Philosophie, dass Menschen aller Berufs- und Einkommensgruppen, Frauen und Männer jeden Alters eben Anteil haben an dieser Faszination Glück. Und ich glaube auch, dass es das letzte große Gemeinschaftserlebnis dieser Zeit ist."

Lotto nährt seit Generationen das Flämmchen der Hoffnung auf ein sorgloses Leben – auf einen Geldsegen, der für die allermeisten Spieler durch Arbeit unerreichbar ist. Und das, obwohl die Chance, von einem Blitz getroffen zu werden, größer ist als die auf einen Millionengewinn

Glücksspiel ist ein Laster, und zwar mit hohem Suchtpotenzial. Die Spielleidenschaft kann Menschen aus der Bahn werfen, in den Ruin treiben, kann Familien zerrütten. Andererseits waren und sind gerade Lotterien eine äußerst lukrative und krisensichere Einnahmequelle für den Staat. In Deutschland nach dem Krieg sogar eine der ersten.

Berlin, drei Monate nach Kriegsende. Berlins Oberbürgermeister Friedrich Ebert blickt auf eine Stadt, die in Trümmern liegt. Kaum ein Stein steht noch auf dem anderen. Ebert braucht dringend Geld für den Wiederaufbau. Am 16. August 1945 lässt er sich darum von der alliierten Kommandantur eine Stadtlotterie genehmigen. Dabei haben die Berliner kaum etwas zu essen, viele nicht einmal ein Dach über dem Kopf. Doch die Rechnung geht auf: Die Menschen spielen immer, auch wenn es ihnen schlecht geht. Oder gerade dann? Tatsache ist, dass Oberbürgermeister Ebert am Abend der ersten Lottoziehung 350.000 Reichsmark als Gewinn für die Stadt einstreichen kann.

Das Berliner Beispiel macht Schule. Buchstäblich von der Stunde Null an wird in allen vier Besatzungszonen des ehemaligen Deutschen Reiches an der Gründung staatlicher Lotteriegesellschaften gewerkelt. Auch im Osten Deutschlands. Dort geht schon 1945 mit Befehl der Sowjetischen Militäradministration die Sächsische Landeslotterie an den Start.

"Warte, warte noch ein Weilchen, bald kommt auch das Glück zu Dir. Mit den ersten blauen Veilchen klopft es sanft an deine Tür. Und damit Sie wissen, ob das Glück heute auch an Ihre Tür geklopft hat, hier noch einmal die Zahlen des heutigen Spielgeschehens in der korrekten Reihenfolge..."

"Tele-Lotto" heißt die Fernsehziehung für den DDR-Bürger. Schon 1953 wetteifern neben der Sächsischen Landeslotterie die Berliner Bärenlotterie, der VEB Zahlenlotto Leipzig und der VEB Sporttoto Berlin um die Groschen der Werktätigen und Rentner. Deutschland ist nun geteilt. Doch beim Lotto sich Kommunismus und Kapitalismus ausnahmsweise einig: Gespielt wird hüben wie drüben beim Staat.

Auch im kapitalistischen Westen Deutschlands wird das Lotteriewesen komplett unter staatlicher Regie organisiert. Zuständig dafür sind die Bundesländer. In einem gemeinsamen Staatsvertrag legen sie die Spielregeln fest. Danach braucht man eine staatliche Lizenz, um ein Glücksspiel zu veranstalten. Als Lizenznehmer wird in jedem einzelnen Bundesland eine eigene Lottotreuhandgesellschaft gegründet. Diese Lottogesellschaften, stehen alle - teils rechtlich, teils organisatorisch, teils personell – in enger Verbindung zu ihrer jeweiligen Landesregierung. Darüber hinaus werden Lizenzen nur sehr sparsam und zeitlich begrenzt vergeben. Der Staat will keine privaten Lotterie-Veranstalter in Deutschland. Und argumentiert mit dem Schutz der Bevölkerung:

Um "den natürlichen Spieltrieb der Bevölkerung in geordnete und überwachte Bahnen zu lenken, und (...) übermäßige Spielanreize zu vermeiden"...

... soll der Spielbetrieb von privatem Gewinnstreben frei gehalten werden. Stattdessen schließen sich die Lotteriegesellschaften der Länder zum Deutschen Lotto-Toto-Block zusammen. Gemeinsam und grenzübergreifend spielen sie am 9. Oktober 1955 zum ersten Mal die "6 aus 49" aus. Von nun an werden sie 50 Jahre lang den Markt in der Bundesrepublik beherrschen.

Die Werbung suggeriert todsichere Gewinnchancen. Todsicher gewinnen aber seit 50 Jahren nur die Finanzminister der Länder. Seit 1955 haben sie dank "6 aus 49" Lotteriesteuern in Höhe von 20,5 Milliarden Euro eingenommen. Dazu fallen noch Konzessionsabgaben oder Zweckerträge an. Milliarden, die über die Jahre gemeinnützigen Organisationen und Projekten zufließen. Der Sprecher der nordrhein-westfälischen Lottogesellschaft Elmar Bamfaste:

"Wir geben das Geld an große Organisationen. Von a wie Arbeiterwohlfahrt bis Z ZentralDombauverein in Köln. Dazwischen liegt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und ganz wichtig der Deutsche Sportbund, oder nicht nur wichtig, sondern ein großer Destinatär, das Deutsche Rote Kreuz, das Diakonische Werk, auch die Jüdische Kultusgemeinde, die Kunststiftung des Landes, ein sehr großer Destinatär ist der Landessportbund NRW. Das ist eine breite Liste von Destinatären, die, so wir weiter können, dürfen, auch fest damit rechnen können."

Die Lotto-Milliarden helfen der Gesellschaft und entlasten den Staat. So sind die Lotto-Gelder für die Bundesländer zu Nebenhaushalten für soziale, sportliche oder kulturelle Aufgaben geworden. Transparent ist die Vergabe der so genannten Zweckerträge nicht. Jedes Bundesland handhabt das anders. Oft sind es eigens gegründete Stiftungen, die entscheiden, welcher Förderantrag auf Lottogeld genehmigt wird und welcher nicht. Und nicht in jedem Fall ist die Gemeinnützigkeit für jedermann sofort einleuchtend.

Um den Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern zu retten, gewährte etwa Lotto Rheinland-Pfalz im Jahre 2003 einen zinslosen fünf Millionen Euro-Kredit. Nur so konnte der finanziell klamme Verein den Spitzenstürmer Miroslav Klose halten. Finanziert hatten den Deal die nichts ahnenden Lottospieler. Die Dankbarkeit des maroden Vereins und seiner Fans aber genossen die Politiker, die das Geschäft eingefädelt hatten.

Skandale um die manchmal recht eigennützige Verwendung der Lottomittel hat es in den vergangenen fünf Jahrzehnten immer wieder gegeben. Mal waren es Landespolitiker, die die gut gefüllten Lottokassen als ihre Privatschatulle betrachteten und nach Gutsherrenart Gelder verteilten. Auch die Lotto-Verwaltungen selber ließen es sich gut gehen mit Luxusgehältern, üppigen Pensionsansprüchen nach nur wenigen Dienstjahren, Fernreisen und Partys. Inzwischen legendär: die millionenschwere Kunstsammlung, die sich die Lottofürsten in Baden-Württemberg gönnten. Alles finanziert mit den Spieleinsätzen von Millionen von Lottospielern, die sich von den Skandalen allerdings nicht abschrecken ließen. Vielleicht, weil die Lottofunktionäre nur vorlebten, was man selber noch zu erreichen gedachten.

"Ich tippe, um meine Existenz zu verbessern. / Ja, ich bin erst kurz verheiratet und dann möchte ich ja schneller vorankomme und vielleicht habe ich doch mal Glück. / Ja, um etliche Wünsche zu befriedigen, die man immer als Frau hat"

Eine Umfrage unter Lottospielern aus dem Jahr 1961. Sie hatten damals wenig Gelegenheit, dem Glück auf die Sprünge zu helfen. Neben der Sportwette Toto gab es nur die Samstagsziehung der Lottozahlen. Das sollte sich im Laufe der Zeit ändern. In den 80er Jahren begannen die Lotteriegesellschaften ihr Geschäft auszuweiten. Mit der Begründung, den natürlichen Spieltrieb der Bevölkerung befriedigen zu müssen, wurden neue Produkte am Markt eingeführt: das Mittwochslotto und die Lotterie Super-Sechs. Der Klassiker "6 aus 49" wurde um die Superzahl erweitert, die erstmals mehrfache Millionengewinne möglich machte.

Zehn Millionen? Im Dezember 2004 sind das nur noch Peanuts. Jetzt geht es um 26,7 Millionen Euro. Ganz Deutschland wird vom Jackpot-Fieber erfasst. Innerhalb nur einer Woche werden an den Lottoannahmestellen insgesamt 36 Millionen Spielaufträge abgegeben. In Thüringen werden sogar die Lottoscheine knapp.

Die Einführung des so genannten roulierenden Jackpots gehört zweifellos zu den unternehmerischen Glanzleistungen der Lotto-Manager. Wurde früher, wenn niemand die sechs Richtigen getippt hatte, die Gewinnsumme auf die kleinen Gewinner aufgeteilt, geht man seit drei Jahren einen neuen Weg. Die Millionen werden nun der nächsten Ziehung zugeschlagen. Die Gewinnsumme steigt und wird zur medialen Nachricht. Werbung, die die Lotto-Gesellschaften keinen Pfennig kostet.

Das Jahr 1990: Deutschland steht vor der Wiedervereinigung. In der DDR entfaltet sich noch ein halbes Jahr lang zwischen März und Oktober ein freiheitliches Staatswesen unter einer demokratisch gewählten Regierung. Da ist vieles möglich. Auch die Erteilung von Geldspiellizenzen an Private. Mit dem Beitritt der DDR zum Bundesgebiet im Oktober muss der Deutsche Lotto-Block feststellen, dass er nun private Konkurrenz hat. Dem verstaubten Fußball-Toto der westdeutschen Staatslotterie jagen – ausgestattet mit nicht anfechtbaren DDR-Lizenzen – Anbieter wie Sportwetten Gera und betandwin die Tipper ab. Mit attraktiveren Angeboten und höheren Gewinnquoten.

Eines der letzten staatlichen Monopole der Bundesrepublik Deutschland beginnt zu bröckeln. Der Lotto-Block kontert schnell mit der Sportwette Oddset. Doch der Kampf um die Glücksspiel-Milliarden ist nun eröffnet.

Mai 1994: In allen 16 Bundesländern gehen Anträge auf die Erteilung einer Lotterielizenz ein. Absender sind neun gemeinnützige Organisationen – von der Welthungerhilfe über Greenpeace und den Bund für Umwelt- und Naturschutz bis zum Bischöflichen Hilfswerk Misereor. Sie alle haben sich zur Stiftung Umwelt und Entwicklung zusammengeschlossen, um neue Geldquellen zu erschließen. Der Stiftungsvorstand Udo Weiß:

Die gemeinnützigen Organisationen im Bereich Entwicklungszusammenarbeit und Umweltschutz brauchen zusätzliches Geld, um Kinderschutzprojekte beispielsweise in Afrika zu machen und deshalb kam man auf die Idee, eine Lotterie zu veranstalten, um zusätzliche Gelder für Projekte zu beschaffen. So wie das die Sportverbände, Denkmalpflege und andere gemeinnützige Organisationen auch haben.

Doch die Umweltlotterie stößt auf Widerstand. Die Landesregierungen haben nämlich kein Interesse an Konkurrenz. Schließlich geht es ums Geld.

Man hat versucht uns politisch auszubremsen, weil man Umweltschutz und Entwicklungszusammenarbeit für wenig wichtige politische Ziele hält, man wollte das Lotteriemonopol erhalten und es ist ja bekannt, dass es da eine ziemliche Verfilzungssituation zwischen Politik und Lottogesellschaften gibt. Und diese Zweckerträge von 2 Milliarden Euro wollte man schützen und deshalb hat man uns ausgebremst.

Die Umweltstiftung bekommt nur Absagen. Begründung: Es sei kein Bedarf für eine neue Lotterie erkennbar. Erst nach mehr als neun Jahren und zahlreichen gewonnenen Verwaltungsgerichtsprozessen erhält die Stiftung Umwelt und Entwicklung in Nordrhein-Westfalen eine befristete Lizenz. Die Lotterie "Unsere Welt" geht an den Markt. Unter strengen Auflagen

Die nordrheinwestfälische Landesregierung hat so restriktive Bedingungen gesetzt für die Veranstaltung unserer Lotterie, zum Beispiel ein Verbot des Jackpots, ganz restriktive Kostenvorgaben, so dass wir in diesem Konkurrenzumfeld der täglichen Millionengewinne der Lottogesellschaften keine Chance hatten, unsere Lotterie hochzubringen.

Nach 15 Monaten kommt das Aus. Eine Verlängerung der Lizenz wird der Umweltlotterie verweigert. Doch die Stiftung Umwelt und Entwicklung gibt nicht auf. Inzwischen hat man in Nordrhein-Westfalen eine neue Lizenz beantragt – und hofft auf Unterstützung durch das Bundesverfassungsgericht. Dort wird vom 8. November dieses Jahres an eine Verfassungsbeschwerde von 200 Sportwettenvermittlern verhandelt. Sie alle fühlen sich mit unlauteren Mitteln vom Markt gedrängt. Gibt das Verfassungsgericht ihnen Recht, dann dürfte dieses Urteil der Startschuss zur Liberalisierung des Lotteriemarktes in Deutschland sein. Udo Weiß:

Tatsächlich werben die Lotteriegesellschaften ja sehr offensiv um neue Käufer und deshalb gehe ich davon aus, dass das Verfassungsgericht hier sagen wird, der Anspruch, den Bürger zu schützen, wird durch das Verhalten der Lottogesellschaften nicht entsprochen und insofern können auch andere Lotterieveranstalter an den Markt kommen.

Während kleine Lotterien klein gehalten werden, ist der Marktführer Deutscher Lotto-Toto-Block im Jubiläumsjahr weiter auf Expansionskurs.

Noch schneller entscheidet sich Glück oder Niete beim "Quicky", einem Spiel, das derzeit in Niedersachsen getestet wird. Dort werden in lizenzierten Kneipen alle drei Minuten Gewinnzahlen ermittelt. Westlotto-Sprecher Elmar Bamfaste:

"Der Finanzminister hätte vielleicht ganz gerne, wenn wir mehr machen, damit mehr in seinen Haushalt hinein kommt und der Innenminister sagt Vorsicht, Vorsicht, heizt nicht den Spieltrieb an. Das ist natürlich auch schon mal so ein Ritt auf der Rasierklinge."

Fakt ist: Die Taktrate des Zockens, Wettens und Spielens beschleunigt sich – staatlich genehmigt durch die jeweiligen Landesregierungen. Zu ihrem eigenen Vorteil. Die Strategie ist eindeutig: Möglichst alle Nischen des Wettgeschäfts sollen besetzt werden, bevor das Bundesverfassungsgericht den Markt für private Konkurrenz öffnet.

An diesem Wochenende wird der Deutsche Lotto-Block das 50jährige Bestehen seiner 6 aus 49-Wette feiern. Zum Höhepunkt der Feierlichkeiten werden am kommenden Samstag in der ARD-Lotto-Show sechs Kandidaten in Gold aufgewogen werden. Aber hinter den Kulissen mag nicht jedem Offiziellen zum ausgelassenen Feiern zumute sein. Denn das sorglose Monopolisten-Dasein dürfte für den Lotto-Block nach 50 Jahren nun zu Ende gehen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk