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StartseiteCorso„Eine Schwermut, eine dunkle Eleganz“16.11.2019

"Das Grauen, das Grauen" von grim104„Eine Schwermut, eine dunkle Eleganz“

Der Rapper Moritz Wilken alias grim104 hatte schon immer eine Vorliebe für düstere Stimmungen und Themen wie Tod und Endlichkeit. Auf „Das Grauen, das Grauen“ gibt er den dunklen Tönen besonderen Ausdruck. Er liebe die Schwermut, sei aber „kein hoffnungsloser Mensch“, sagte er im Deutschlandfunk.

Moritz Wilken im Corsogespräch mit Anja Buchmann

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(Hotel Rocco)
grim 104 als düsterer Graf Grim (Hotel Rocco)
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Der Rapper Moritz Wilken aka grim104 ist auch ein Teil des Duos Zugezogen Maskulin. Er mochte schon immer das Dunkle, Düstere, die Wut, Schwermut und Verzweiflung. Auf seinem Album "Das Grauen, das Grauen" ist er noch deutlicher auf dem Horror-Trip, als Figur des Grafen Grim.

Präsenz von Endlichkeit und Vergänglichkeit

Der Film "Dracula" von 1931 mit Bela Lugosi als Schauspieler in seiner Lebensrolle als Graf, als nie alternder Vampir, habe ihn schon früh begeistert, erzählte Wilken: "Das sind so Gedanken, die man sich macht, wenn man so 30 wird", sagte Wilken. Endlichkeit und Vergänglichkeit seien immer präsenter für ihn. Vielleicht, so Wilken, könne er diese Themen mit 50 entweder mit einem Motorrad oder einem Weinkeller kompensieren, "aber vielleicht muss ich mir wirklich ein Schloss kaufen und nochmal einen Adelstitel erwerben".

Nicht in der Tradition des Horrorcore

Musikalisch und textlich sehe er sich - trotz gewisser Ähnlichkeiten und einem persönlichen Interesse - "nicht in der Tradition" des düsteren Horrorcore oder Memphis-Rap, der Anfang der 1990er entwickelt wurde. Dort gehe es dann eher um "Dämonen, die aus den Gräbern steigen", meinte grim104. In Deutschland gäbe es andere, die sich das "eher auf die Fahnen schreiben" können, wie Blockmonsta oder MC Basstard.

Persönliche Horrorthemen: Krankheit und Wohnungsnot

Wovor er persönlich derzeit großen Horror habe, seien Krankheits-Themen, denn er selbst sehe sich als "stabilen Hypochonder", so der Rapper. Außerdem sehe er zum Beispiel die Probleme des Wohnungsmarktes in Berlin und anderen Großstädten: "Das ist sowas Existentielles, ich will doch nur ein bisschen schön und preiswert wohnen können und stelle dann fest: Fuck, das wird schwierig". In einem anderen Track rappt grim104 über eine Prügelei mit anschließendem Tod aus der Sicht des Opfers: Er sehe oft, dass "Gewalt so ein Brand ist - ein Schlag zuviel, man fällt irgendwie blöd. Und dann stirbt man einfach".

(Hotel Rocco)Der Rapper grim 104 (Hotel Rocco)

Musikalisch hat grim104 auf dem Album mit den Produzenten Silkersoft, Blvth und Kenji451 zusammen gearbeitet. Silkersoft habe ihn von Anfang an begleitet und spannende Sounds, wie etwa indonesische Gamelan-Klänge, für einen Track gesamplet. "Das war das erste Mal seit langer Zeit, dass ich nicht einen Ordner Beats gekriegt habe, auf die ich dann geschrieben habe, sondern dass ich mitentwickelt habe", erzählte grim104 im Corsogespräch.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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