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Das Marathon Tagebuch

Die Maske muss möglichst fest sitzen. Soll aber nicht weh tun. - Irgendwas drückt an der Nase. - Jetzt schon? - Ja, geht. - Sie sind Nasenatmer, beim Laufen? - Nee. Nee nee, weniger. Nee nee - Atmen Sie ganz normal, wie Sie’s draußen bei Ihrem Training auch tun würden ...

Volker Mrasek |
    Die Maske muss möglichst fest sitzen. Soll aber nicht weh tun. - Irgendwas drückt an der Nase. - Jetzt schon? - Ja, geht. - Sie sind Nasenatmer, beim Laufen? - Nee. Nee nee, weniger. Nee nee - Atmen Sie ganz normal, wie Sie’s draußen bei Ihrem Training auch tun würden ...

    Gar nicht so einfach - normal zu atmen, wenn man etwas über Mund und Nase gestülpt bekommt, das aussieht wie eine Gasmaske. Und wenn man die dann auch noch 20, 30 Minuten lang auf dem Laufband tragen soll, bei ständiger Tempo-Steigerung...

    Gasmaske hört sich schlimmer an, als es ist. Es werden eigentlich nur die Atemgase gemessen, die vom Probanden abgegeben werden. Beziehungsweise die Menge an Sauerstoff, die eingeatmet wird. Die Menge an CO2, die abgegeben wird, Kohlendioxid. Das sind eigentlich die Hauptwerte, die wir messen.

    Wer den Weg ins Zentrum für Leistungsdiagnostik an der Sporthochschule Köln findet, der lässt sogar noch mehr mit sich machen. Alle fünf Minuten steht das Laufband kurz still. Dann piekst der Sportwissenschaftler Ramin Vafa seine Schützlinge ins Ohrläppchen und zapft ihnen ein paar Tropfen Blut ab. Um auch noch den so genannten Lactat- oder Milchsäure-Wert zu bestimmen.

    Steigt er stark an, dann ist das ein schlechtes Zeichen: Die Energiereserven der Muskulatur gehen allmählich zur Neige ...

    Die Leute, die hier laufen, sind halt daran interessiert, eine Empfehlung zu bekommen, wie sie den Marathon laufen können. Ohne einen Einbruch zu erleiden. Bei Kilometer 30, 35 erleiden viele einen starken Einbruch. - Hab’ ich schon selbst erlebt, ja! Man geht nämlich immer das Anfangstempo flott los, ja ... - Genau! - ...und überschätzt sich dann auch manchmal. - Der Läufer bekommt dann von uns empfohlen, er soll eine Kilometer-Zeit von xy laufen. Das können wir anhand der Lactat-Werte, anhand eines solchen Testes sehen, wo seine Leistungsfähigkeit - bei welchem Bereich, bei welcher Herzfrequenz, bei welcher Geschwindigkeit - so stabil ist, dass er 42 Kilometer, 43 Kilometer durchlaufen könnte.

    Man kann einen Marathon ins Blaue hinein laufen. Man kann sich aber auch von Experten schon vorher sagen lassen, wo die eigenen Grenzen liegen. Und welche Endzeit überhaupt realistisch ist.

    Holger Finkernagel, Sportmediziner in Bad Berleburg im Sauerland und passionierter Marathonläufer, geht selbst immer wieder 'mal aufs Laufband. Er empfiehlt die Leistungskontrolle vor allem älteren Marathon-Semestern:

    Also, ich denke, dass die Leistungstests ganz wichtig sind, um den persönlichen Trainingszustand überhaupt abzuchecken. Und man sollte auch in einem Trainingszustand Marathon laufen, der es dann hier im Labor zeigt, dass man so 'ne Strecke auch durchhalten kann.

    Man muss übrigens nicht eine Sporthochschule in der Nähe haben, um Atemgase und Lactat analysieren zu lassen ...

    Es gibt vielleicht nicht in jeder Stadt, aber in den meisten Städten gibt es ja spezialisierte Ärzte, so genannte Sportärzte. Vielleicht ist es noch nicht ganz so verbreitet. Aber ich denke, der Marathon-Boom wird sicher dazu beitragen, dass die Ärzte sich zusätzlich da noch 'ne Mark fünfzig zuverdienen wollen. Und dann wird das immer mehr werden.

    Nützlich scheint er also zu sein, so ein individueller Leistungscheck. Billig ist er allerdings nicht. Der Test im Labor kostet nicht nur Schweiß und ein paar Milliliter Blut, sondern auch ein-hundert bis 150 Euro ...

    Beitrag als Real-Audio

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