Dienstag, 05. Juli 2022

Archiv


Das rote Stierauge

Helle Objekte reihen sich heute abend am südlichen Himmel auf. Leicht finden Sie den zunehmenden Mond. Zu seiner Rechten sehen Sie den Ringplaneten Saturn. Ein Stück weiter etwas unterhalb finden Sie den Riesenplaneten Jupiter. Links vom Mond fallen Ihnen ein besonders heller Stern und eine Gruppe von Sternen auf. Das sind Aldebaran und der Sternhaufen der Hyaden im Sternbild Stier.

Damond Benningfield | 16.01.2000

Aldebaran ist der hellste Stern im Stier. Etwa 65 Lichtjahre trennen ihn von der Erde. Das Licht, das Sie heute abend von dem Stern sehen, verließ ihn also bereits 1935. Aldebaran ist größer und massereicher als die Sonne. Er ist ein alter, aufgeblähter Stern am Ende seines Lebens - ein Roter Riesenstern.

Unter den hellsten Sternen am Nachthimmel der Erde nimmt Aldebaran den neunten Platz ein. In antiken Kulturen zählte er neben Regulus, Antares und Fomalhaut zu den vier königlichen Sternen. Etwa 3000 v. Chr. markierte der Stier die Frühlingstagundnachtgleiche und den Jahresbeginn. Deshalb bezeichnete man Aldebaran auch als den Leitstern aller Sterne. In Mesopotamien kannte man ihn als "Boten des Lichts".

Wir kennen Aldebaran heute als das rote Auge des Stiers. Er gehört übrigens nicht zu dem offenen Sternhaufen der Hyaden, sondern ist ein Vordergrundstern. Die Hyaden sind mehr als doppelt so weit von uns entfernt.

Wie alle Roten Riesensterne wird auch der alte Aldebaran seine äußeren Schichten bald abstoßen und als Sternleiche eines Weißes Zwergs enden. Heute abend bildet Aldebaran zusammen mit dem Mond und den Planeten Jupiter und Saturn eine Lichterkette am südlichen Himmel.