"Der Spagat wurde größer als ich erwartet hatte"
Das Rücktrittsschreiben von Unionsfraktionschef Spahn im Wortlaut

Unionsfraktionschef Spahn ist zurückgetreten. Wir dokumentieren das Schreiben an seine Fraktion, in dem er seine Beweggründe darlegt.

    Jens Spahn, Vorsitzender der Fraktion der CDU/CSU im Deutschen Bundestag, steht neben seinem Ehemann Daniel Funke beim Bundespresseball. Beide tragen Smoking (April 2026).
    Jens Spahn ist als Unionsfraktionschef zurückgetreten. Wir dokumentieren sein Schreiben an die Fraktion. (picture alliance I dpa | Carsten Koall)
    Liebe Kolleginnen und Kollegen,
    ich habe die Parteivorsitzenden von CDU und CSU, Friedrich Merz und Markus Söder, darüber informiert, dass ich mit diesem Schreiben an unsere Fraktion von meinem Amt als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurücktrete. Beiden danke ich für das in mich gesetzte Vertrauen.
    Mir ist in den letzten Tagen bewusst geworden, dass mein persönliches Glück, gemeinsam mit meinem Mann eine Familie zu gründen und Vater zu werden, nicht vereinbar ist mit meinem politischen Amt. Denn der Spagat zwischen meiner privaten Entscheidung zu einem Kind durch Leihmutterschaft und der nachvollziehbaren Erwartung an mich als Vorsitzenden unserer Fraktion ist größer geworden, als ich es erwartet hatte.
    Es war mir eine große Ehre, Vorsitzender unserer gemeinsamen Fraktion sein zu dürfen. Ich danke ganz besonders Alexander Hoffmann und dem gesamten Fraktionsvorstand für die immer vertrauensvolle und freundschaftliche Zusammenarbeit. Auch Matthias Miersch möchte ich ausdrücklich für die gute und enge Zusammenarbeit danken. Diese war ein Stabilitätsanker für die Koalition.
    Die zunehmende Unerbittlichkeit in der öffentlichen Auseinandersetzung hat mich sehr nachdenklich gemacht. Lasst uns bei aller Klarheit und Entschiedenheit in der Sache immer auch menschlich im Ton bleiben. Denn das zeichnet uns als christlich-demokratische Volksparteien der Mitte aus. Eines ist mir in den letzten Tagen immer klarer geworden: Meine Familie ist mir das Wichtigste.
    Ich danke Euch allen für die gemeinsame Arbeit in den letzten 14 Monaten und wünsche Euch alles Gute!
    Diese Nachricht wurde am 18.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.