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StartseiteUmwelt und VerbraucherDas vergessene Dioxin bei Rindern14.01.2011

Das vergessene Dioxin bei Rindern

NRW zog vor Weihnachten Rindfleisch aus dem Verkehr

Dioxin ist nicht nur ein Problem bei Futtermitteln. Auch Tiere, die im Freien weiden, sind betroffen. In Nordrhein-Westfalen wurden schon Anfang Dezember dioxinbelastete Freilandrinder entdeckt.

Von Annette Eversberg

Auch Tiere, die artgerecht draußen leben, nehmen Dioxin auf. (Stock.XCHNG / Wendy Domeni)
Auch Tiere, die artgerecht draußen leben, nehmen Dioxin auf. (Stock.XCHNG / Wendy Domeni)

Der Dioxin-Skandal, bei dem wohl vorsätzlich belastete Fetter ins Futter von Geflügel und Schweinen gemischt wurde, hat die Gefährlichkeit dieses Giftes noch einmal deutlich gemacht. Dioxin ist ein Gift, das sich im Körper anreichert. Zwar gelten Grenzwerte, aber die können die grundsätzliche Dioxinbelastung in der Umwelt und im menschlichen Körper nicht reduzieren. Dioxin lässt sich in der Muttermilch nachweisen und in der Natur. Tiere, die draußen leben, nehmen Dioxin auf. Auch Nutztiere, die aus Gründen des Tierschutzes draußen gehalten werden. In Nordrhein-Westfalen hat man schon Anfang Dezember Freilandrinder entdeckt, die dioxinbelastet waren. Diesmal ist es kein Skandal. Die dioxinbelasteten Freilandrinder waren im Rahmen einer Routineuntersuchung auf Dioxine und dioxinähnliche PCBs entdeckt worden. Betroffen sind Rinderhalter in Euskirchen, Leverkusen, Olpe, Duisburg und Wesel. Am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt in Münster werden sie von Professor Peter Fürst und seinen Mitarbeitern untersucht.

"Wir haben in Nordrhein-Westfalen ein Monitoring im Jahr 2010 durchgeführt. Es ist geplant, 80 Proben von Rindern in Extensivhaltung und Stallhaltung zu untersuchen. Diese Proben haben wir bekommen, und wir haben bisher fast 50 Proben fertig analysiert."

Bei einigen der Betriebe, die ihre Tiere im Freien weiden lassen, lagen die Dioxinwerte über dem Grenzwert für Rindfleisch oder Milch. Peter Fürst kann ausschließen, dass das Dioxin wie beim aktuellen Skandal aus einer bestimmten Quelle stammt.

"Bei den Rindfleischproben konnte man keinen speziellen Verursacher festmachen. Ganz anders in dem jetzigen Fall, wo man ein ganz bestimmtes Muster hat, das man auf diese Mischfettsäuren zurückführen kann."

Ein Biolandwirt, in dessen Rinderbestand ebenfalls ein erhöhter Dioxinwert festgestellt wurde, zeigte sich überrascht. Der nordrhein-westfälische Landwirtschaftsminister Johannes Remmel bekannte gegenüber dem WDR, dass man durchaus damit rechnen müsse.

"Dioxin kommt halt in der Umwelt vor und im Stall weniger. Insofern haben wir es hier mit einem grundsätzlichen Problem zu tun. Und die festgestellten Überschreitungen sind zufällig gefunden worden. Deshalb machen wir auch das Monitoring. Davon ist nichts in den Verkehr gekommen und die entsprechenden Herden werden grundsätzlich untersucht und kommen auch nicht in den Verzehr."

Ähnliche Dioxinfunde bei Rindfleisch gab es 2009 in Hessen. Jetzt ist auch ein Fall aus Schleswig-Holstein bekannt. Der BUND wirft dem dortigen Landwirtschaftsministerium vor, Daten unter Verschluss zu halten. Die Agrarministerkonferenz hatte schon im letzten Februar für 2011 ein bundesweites Dioxin-Monitoring angeordnet. Um ein Schadstoffmanagement kommen biologisch wirtschaftende und konventionelle Landwirte nicht mehr herum. Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.

"Wir haben Erfahrungen mit Schwermetallen. Mit Blei, Cadmium, Zink. Da haben wir auch ein Instrumentarium an Bewirtschaftungsmaßnahmen entwickelt, wie man die Belastung im Futter, in der Milch und im Fleisch reduzieren kann. Mit zunehmender Erhellung der Dioxinproblematik werden wir auch wissen, wie diese Maßnahmen bei Dioxin funktionieren."

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat alle möglichen Eintragswege in der Landwirtschaft aufgelistet. Seit dem Elbehochwasser 2002 ist bekannt, dass Weiden, auf denen Freilandrinder gehalten werden, nach einer Überschwemmung nicht nur mit Schwermetallen, sondern mit Dioxinen belastet sein können. Das kann darüber entscheiden - so Bernhard Rüb – wie Grünland bewirtschaftet wird.

"Zum Beispiel indem ich höher mähe, also längere Stoppeln lasse, in dem ich nach dem Regen mähe, wenn die Pflanzen sauber gewaschen sind, indem ich vermeide, bei extrem trockenen Wetter zu arbeiten, das sind zum Beispiel drei Beispiele, dass vermieden wird, dass eine erhöhte Staubbelastung und eine erhöhte Schadstoffbelastung ins Futter kommt."

Auch das deutsche Kreislaufwirtschaftsgesetz, bei dem Stoffe nicht verbrannt, sondern auf dem Acker ausgebracht werden, muss angesichts der Dioxinproblematik noch einmal auf den Prüfstand. Schließlich kann eine Dioxinbelastung auch das endgültige Aus für die Freilandhaltung bedeuten.

"Wenn natürlich eine Fläche so hoch belastet wäre, dass dann gar nichts mehr geht, dann mache ich ein Landschaftsschutzgebiet daraus, und treibe dort keine Tiere mehr auf."

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