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StartseiteUmwelt und VerbraucherKein Geld mehr für "Surfer haben Rechte"07.08.2015

DatenschutzKein Geld mehr für "Surfer haben Rechte"

Soziale Netzwerke sammeln Daten, aber der Zugriff auf persönliche Informationen über das Smartphone lässt sich einschränken. Tipps und Tricks zum sichereren Umgang mit den eigenen Daten kann man auf der Internetseite "Surfer haben Rechte" einholen. Jedoch nur noch bis zum Ende des Jahres.

Von Anja Nehls

Ein handy ist mit einem Schloss gesichert und kann nicht genutzt werden. (imago/Thomas Eisenhuth)
Verbraucher können sich informieren, wie sie ihre eigenen Daten auf dem Smartphone schützen (imago/Thomas Eisenhuth)
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Mit einem einfachen Klick kann man bei Facebook Farmville spielen. Die wenigsten wissen, dass es dabei nicht nur darum geht, einen virtuellen Bauernhof zu bewirtschaften. Mit dem einen Klick hat der frischgebackene Online Bauer auch quasi automatisch alle seine Profildaten weitergegeben – und manchmal auch noch die seiner Facebook Freunde.

Informationen wie diese liefert die Internet Seite "Surfer haben Rechte" des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Finanziert wird die Seite seit 2009 als Projekt durch das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Zum Ende des Jahres wird das Projekt planmäßig beendet, bedauert Lenz Queckenstedt vom VZBV: "Einfach weil es gut angenommen wurde, Wir konnten dort einfach auch erfahren, wo Nutzern der Schuh drückt im Internet."

Und die Seite konnte dafür sorgen, dass der digitale Schuh vielleicht ein bisschen weniger drückt. Berlins Datenschützer Alexander Dix wünscht sich für die Verbraucher statt weniger mehr solcher Informationsangebote: "Wo die Menschen ganz konkrete Tipps bekommen. Wie stellen Sie ein Smartphone so ein, dass möglichst wenig an Google übermittelt wird oder auch an Apple. Solche Seiten sind Mangelware nach wie vor, das muss sich ändern."

Mehr Informationsangebote für Verbraucher

Denn auch Datenschutz und Verbraucheraufklärung kosten Geld. Einen kleinen sechsstelligen Betrag verschlang die Seite "Surfer haben Rechte" pro Jahr. In Zukunft wird es dafür aber vielleicht private Lösungen geben hofft Dix: "Und ich würde mir wünschen, dass ein Berliner Start Up zum Beispiel eine App entwickelt, wo man Probleme mit bestimmten Webseiten melden kann an uns, an die Aufsichtsbehörden, das ist viel zu wenig bisher da. Da muss man auch eine Geschäftsidee verbinden können, die bisher fehlt und ich bin sicher, über kurz oder lang haben wir sowas. Und die Seite 'Surfer haben Rechte' war da eine Initialzündung, die ich gerne verstetigt sehen möchte."

In vielen Fällen sind die Verbraucherschützer auch bereits gegen Firmen vorgegangen, haben abgemahnt oder verleihen den Big Brother Award für besonders miserablen Datenschutz. Ein Beispiel für besonders nachlässigen Umgang mit Daten ist für Queckenstedt der Messenger Dienst WhatsApp. "Das ist zum Beispiel ein Problem, dass das gesamte Adressbuch, da digital, das man auf seinem Handy hat, dann von WhatsApp übernommen wird und das kann man nicht abstellen. Warum muss man eine App dazu ermächtigen, seine gesamten persönlichen Kontakte freizugeben?"

Apps übernehmen ganze Adressbücher

Und da WhatsApp jüngst von Facebook übernommen wurde, kann man sich vorstellen, über welche gewaltige Datenmenge solche Unternehmen verfügen, um die Informationen und Kontakte dann wieder für zielgerichtete Werbung gewinnbringend an andere Firmen zu verkaufen. Irgendwann bekommen sie dann aber von den Verbrauchern die Quittung, vermutet Dix: "Ich habe den Eindruck, dass die Leute, die sagen: 'ich habe nichts zu verbergen und mir ist das alles egal', die werden eher weniger. Auch wenn man zum Bespiel. in diese Kultur des Teilens reingewachsen ist und möglichst viel von sich mitteilen möchte, hat man sehr wohl - und auch junge Menschen haben das – das Bedürfnis zu entscheiden, mit wem möchte ich denn bestimmte Informationen teilen. Und die sind deutlich abgenervt, wenn sie feststellen, dass ihre Eltern oder ihre Lehrer auch in dem sozialen Netzwerk rumturnen und dann spätestens wandern sie nämlich aus, zu Instagram, Snapchat oder was es alles gibt."

Bis Ende des Jahres klärt die Seite "Surfer haben Rechte" noch auf über Gefahren wie Datenmissbrauch, Identitätsdiebstahl, Cyber-Mobbing, Verschlüsselungen, Hacking, Spieleportale, soziale Netzwerke, Blogs und vieles mehr.

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