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StartseiteForschung aktuellDauerhumus für arme Böden15.08.2011

Dauerhumus für arme Böden

Terra-Preta-Freilandversuch in Brandenburg

Biologie.- Vor 50 Jahren entdeckten Forscher in den Regenwaldböden Amazoniens schwarze fruchtbare Erde, genannt Terra Preta. Ihr Geheimnis: Sie entstand aus menschlichem Siedlungsabfall und Holzkohleresten früherer Amazonasindianer. In Brandenburg wird im Freilandversuch getestet, ob 'Terra preta' auch in Mitteleuropa entstehen kann.

Von Maren Schibilsky

'Terra Preta' soll trockene, sandige Böden fruchtbarer machen.  (Stock.XCHNG / Alejandro Basso)
'Terra Preta' soll trockene, sandige Böden fruchtbarer machen. (Stock.XCHNG / Alejandro Basso)
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Landwirt Herbert Mietke erntet mit seinem Mähdrescher ein Hektar großes Roggenfeld ab. Trotz des trockenen Frühjahrs steht der Roggen hoch mit prallen Ähren. Eigentlich ist die Erde in Ostbrandenburg sandig und gelb. Doch zwischen Mietkes Roggenhalmen leuchtet sie tief schwarz. Im Frühjahr hatte der Landwirt feine Holzkohle und Kompost in seinen Boden eingearbeitet. Unter wissenschaftlicher Aufsicht des Bodenkundlers Bruno Glaser und seinem Team von der Martin-Luther-Universität Halle. Mietkes Felder sind der erste Terra-preta-Freilandversuch unter Praxisbedingungen in Mitteleuropa.

"Ich habe hier in meinem Betrieb sehr schwache Böden. Die sind sehr sandig. Wir haben hier wenig Niederschläge und Nährstoffe im Boden. Und ich hoffe, dass durch die Kohle nachhaltig die Böden verbessert werden können und die schwachen Böden ertragreicher werden."

Vor drei Jahren hat Herbert Mietke den Bodenkundler Bruno Glaser in die Märkische Streusandbüchse geholt. Seitdem leisten beide Pionierarbeit. Sie wollen den Beweis erbringen, dass arme sandige Böden hierzulande durch 'Terra preta' fruchtbarer werden. Es komme allein auf die richtige Kohle-Kompost-Mischung an – meint Bruno Glaser von der Martin-Luther-Universität Halle.

"Wir mischen hier zwei Teile Kompost und einen Teil Biokohle. Und das Ausgangsmaterial für den Kompost muss natürlich auch nährstoffreich sein. Pferdemist oder stickstoffreiche Abfälle sind besser als holzige oder Strohabfälle."

Bruno Glaser hat jahrelang an dem Kohle-Kompost-Rezept geforscht. Erst im Labor, dann auf kleinen Versuchsflächen im Freiland. Angepasst an die Bedürfnisse karger mitteleuropäischer Böden. Die Kohle spielt eine Schlüsselrolle. Durch den Kompost wird sie biologisch aktiviert. Denn Milliarden von Kompostmikroben nisten sich auf der porösen Kohleoberfläche ein. Sie sorgen dafür, dass die Nährstoffe im Boden und der Humusanteil stabil bleiben. Dauerhumus entsteht. Fruchtbare Terra Preta, die auch das Wasser besser speichern kann.

Bereits zum dritten Mal hat Herbert Mietke Kohle-Kompost auf seinen Feldern ausgebracht und bis zu 20 Zentimeter tief eingegrubbert. Im ersten Jahr baute er darauf Mais an, letztes Jahr Erbsen. In diesem Jahr Roggen. Und die Ergebnisse können sich sehen lassen – berichtet Bruno Glaser.

"Wir haben bei zwei Jahren Erfahrungen im Gelände die Humusvorräte um den Faktor drei erhöhen können. Die sind auch noch stabil. Wir konnten die Erträge um 40 Prozent steigern und wir haben die Wasserspeicherung um den Faktor zwei gesteigert. Das wird in trockenen Jahren dann zum Tragen kommen."

Bruno Glaser möchte in Zukunft Landwirte in die Lage versetzen, ´Terra preta´ selbst herzustellen. Die Rohstoffe dafür sind in einem ordentlichen Landwirtschaftsbetrieb vorhanden, meint Herbert Mietke.

"Im Winter beschneiden wir regelmäßig die Feldränder. Da fällt jede Menge Holz an. Außerdem haben wir Stroh und Pferdedung und können so ´Terra preta´ selber anmischen."

Einer größeren Investition bedarf es, will der Landwirt auch die Kohle selber produzieren. Kleine dezentrale Anlagen im Containerformat gibt es bereits, die Biomasse unter Luftabschluss bei Temperaturen zwischen 350 und 800 Grad durch sogenannte pyrolytische Verkohlung in feine Holzkohle verwandeln. Die Mineralstoffe der Biomasse werden dabei in den Poren und an der Oberfläche der Kohle gebunden.

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