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StartseiteNachrichten vertieftHistoriker sieht westliche Demokratien durch Wahlen gefährdet11.09.2016

David van ReybrouckHistoriker sieht westliche Demokratien durch Wahlen gefährdet

Der belgische Historiker David van Reybrouck kritisiert das Wahlsystem westlicher Demokratien als nicht mehr zeitgemäß. Er sagte der "Neuen Zürcher Zeitung", in bestimmten Fällen könnten Wahlen der Demokratie sogar schaden. Der Wissenschaftler schlägt eine Alternative vor.

David van Reybrouck steht mit dem Preis in der Hand gegen eine Wand gelehnt. (Remko De Waal, picture alliance / dpa)
Der belgische Historiker David van Reybrouck bei der Verleihung der "Gouden Ganzeveer 2014" in Amsterdam. (Remko De Waal, picture alliance / dpa)
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Als Beispiele für schadhafte Effekte von Wahlen nennt van Reybrouck die Entwicklungen in der Türkei und die Brexit-Entscheidung in Großbritannien. Man höre das System der Demokratie "knarren und quietschen, wie einen alten Wagen", der bald auseinanderfalle, sagte der Historiker der "Neuen Zürcher Zeitung".

Chronisches Wahlfieber

Grund sei neben Korruption und Machtstreben ein "chronisches Wahlfieber". In der Politik drehe sich fast alles um die nächsten Wahlen, was zu einem zwanghaften Profilierungsdrang führe. In der Folge werde sich die Demokratie verändern – die Frage sei lediglich, ob vor oder nach dem Kollaps, erläutert van Reybrouck in dem Gespräch.

Demokratie auf Wahlen und Fernsehen reduziert

Nach den Worten des Historikers ist der derzeitige Wahlzyklus "primitiv". Alle vier Jahre gingen die Leute in eine Wahlkabine und machten ein Kreuz hinter den Namen einer Person, der sie im Fernsehen beim Streiten zugesehen hätten, so van Reybrouck. Stattdessen müsse ein Recht auf Mitsprache während der gesamten Regierungsperiode angeboten werden – und zwar als Losverfahren.

Alternativ das Los

Van Reybrouck führt seinen Vorschlag anhand der Brexit-Abstimmung in Großbritannien vor. Er hätte 500 bis 1.000 Briten ausgelost, die sich mehrere Monat intensiv mit dem Thema zu beschäftigen hätten. Dazu würden alle nötigen Dokumente zur Verfügung gestellt und Fachleute eingeladen. Der Historiker ist sich sicher: "Das Resultat wäre viel überlegter gewesen als das, was wir heute haben."

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