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Dazulernen am Arbeitsplatz

Weiterbildungen kosten viel Zeit und Geld, besonders wenn der Arbeitnehmer mehrere Wochen im Jahr ausfällt und so die Arbeitszeit leidet. Doch es gibt immer mehr Weiterbildungsmodelle, die am Arbeitsplatz stattfinden oder die so angelegt sind, dass Lehrlaufphasen während der Arbeit genutzt werden können.

Von Viola Zech | 12.09.2007

Das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung in Nürnberg untersucht die aktuellen Trends in der Weiterbildung. Mitarbeiterin Ursula Krings:


"Die Tendenz geht dahin, kürzere Lernphasen, theoretische Lernphasen zu machen und die sehr eng zu verquicken mit Lernprozessen am Arbeitsplatz. Letztendlich sind ja die Lernprozesse dafür da, um am Arbeitsplatz verwertbar zu sein und je näher man beim Lernen eigentlich schon am Arbeitsplatz dran ist, umso effektiver sind die ganzen Lernprozesse."

Für den Arbeitgeber ist das vor allem finanziell attraktiv. Denn beim Coaching am Arbeitsplatz kommt es nicht zu Arbeitszeitausfällen und Reisekosten fallen weg. Außerdem hat der Lernende die Möglichkeit ein direktes Feedback zu bekommen. In Echtzeit können knifflige Situationen am Arbeitsplatz mit dem Coach geübt werden.

Neben dem Coaching am Arbeitsplatz wird zunehmend E-Learning als Weiterbildungsmethode genutzt. E-Learning steht für Lernen mit Unterstützung von elektronischen Medien, wie zum Beispiel über Plattformen im Internet. Der Lernende muss sehr selbstständig arbeiten und sich immer wieder motivieren, sein Lerntempo kann er aber selbst bestimmen. Für den Arbeitgeber bedeutet E-Learning vor allem Arbeitszeitverträglichkeit. Dörte Giebel, Pressesprecherin des Fachverbandes DistancE-Learning:

"Arbeitszeitverträglichkeit ist ein ganz wichtiger Aspekt bei E-Learning, weil letztlich der Bedarf an flexiblen Mitarbeiterqualifikationen steigt ja ganz offensichtlich. Und wenn Arbeitgeber sich auf die Suche machen, bei der Wahl einer geeigneten Weiterbildungsmaßnahme, dann geht es ihnen vor allem um die Passgenauigkeit der Weiterbildungsinhalte, es geht um ein günstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis und es geht natürlich auch um die Möglichkeit der reibungslosen Integration der Fortbildung in den Unternehmensalltag."

Besonders erfolgreich als Weiterbildung ist die Kombination von E-Learning, tutorieller Betreuung und begleitenden Präsenzseminaren. Dieser Mix wird als Blended-Learning bezeichnet. Die Deutsche Bahn AG nutzt Blended-Learning, um Mitarbeitern Fernstudienabschlüsse zu ermöglichen. Nach Feierabend lernt der Mitarbeiter mit Hilfe von E-Learning Modulen, die am Wochenende in begleitenden Präsenzseminaren durchgesprochen werden. Ein Tutor ist für den Lernenden rund um die Uhr per Mail erreichbar. Der Arbeitsaufwand ist enorm, die Vorteile liegen aber auf der Hand, erklärt Marion Hebding, Leiterin des Bereiches Trainingsentwicklung und Fernstudien der Deutschen Bahn AG:

"Die berufsbegleitende Weiterbildung sichert natürlich auch die Beschäftigungsfähigkeit während einer ganz normalen Berufsausübung ab. Ich gehe nicht das Risiko ein, meine Arbeitgeber zu verlassen, ich bin nicht losgelöst von der direkten Kommunikation und in einer Welt, die immer schnelllebiger wird, kann so gar ein kurzfristiger Ausstieg von ein bis zwei Jahren die Abkoppelung von wichtigem Wissen bedeuten."

In Zukunft sollen zunehmend auch Lehrlaufphasen während der Arbeitszeit genutzt werden, um kleinere Lerneinheiten durch zugehen. Marion Hebding:

"Mehr und mehr Mitarbeitergruppen werden auch mit Laptops ausgestattet, also muss der Mitarbeiter nicht mehr zu einem PC rennen, sondern er hat den PC dabei. Genauso haben wir durchaus auch schon Feldversuche mit Podcasts gestartet - einen MP3-Player hat fast jeder - und z.B. eine kleine Fremdsprachensequenz kann man durchaus über ein Podcast auf dem Weg zur Arbeit oder zwischen zwei Terminen abhören - da sind wir dabei."