
Der Blick auf die DDR-Vergangenheit ist ein umkämpftes politisches Feld. Ostalgie wird gezielt im Wahlkampf eingesetzt. Hochrangige AfD-Politiker nutzten DDR-Kultmopeds wie die Schwalbe oder die S51 für Eigenwerbung. Und der Kabarettist Uwe Steimle stimmt auf einer AfD-Veranstaltung gemeinsam mit AfD-Chef Tino Chrupalla die DDR-Nationalhymne „Auferstanden aus Ruinen“ an.
Dies sei eine Verharmlosung der DDR-Diktatur, kritisiert die SED-Opferbeauftragte des Bundestages, Evelyn Zupke. Ähnlich beurteilt das der ehemalige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Christoph Bergner (CDU): „In der politischen, polarisierten Diskussion erleben wir, dass plötzlich Verhältnisse in der DDR verherrlicht werden oder in einem positiven Licht gerückt werden, die wir nun wirklich beklagen müssen, und dass Aspekte verniedlicht werden und verharmlost werden, die im Grunde die Rückständigkeit der DDR mit bedingt haben.“
Ostalgie und der heutige Blick auf die SED-Diktatur
Viele Ostdeutsche blicken mit positiven Erinnerungen auf ihre Kindheit oder Jugend in der DDR zurück. Das sei verständlich, sagt die SED-Opferbeauftragte des Bundestages, Evelyn Zupke. Problematisch werde es dort, wo persönliche Erinnerungen die historische Realität überlagerten: „Dieses ‚So war es für mich‘ darf nicht dazu werden: So war es“, betont Zupke.
DDR-Vergangenheit im Schulunterricht
Damit auch junge Generationen mehr über den Mauerbau und die DDR erfahren, plädiert sie für eine verbindlichere Vermittlung der DDR-Geschichte an Schulen und einen verpflichtenden Besuch von Gedenkstätten.
Die Geschichte der deutschen Teilung sei in Schulen viel zu wenig präsent, sagt auch der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier. Selbst in Gymnasien „ist es häufig erst in der Oberstufe Thema“. Dabei sei das Interesse der Schülerinnen und Schuler "riesig".
Interesse an DDR-Geschichte ist groß
Das legte bereits 2021 eine Umfrage des MDR nahe. 72 Prozent der 16- bis 29-Jährigen bemängelten damals, dass für das Thema DDR im Schulunterricht nicht genug Zeit bleibe. Gleichzeitig hielten 88 Prozent der Befragten das Thema für gesellschaftlich relevant. „Es ist nicht so, dass das Thema die Menschen nicht interessiert, sondern das ist in den Lehrplänen einfach unterrepräsentiert“, bestätigt Klausmeier.
Zu Beginn des Jahres 2026 sorgten die Pläne des CDU-geführten Bildungssenats in Berlin deswegen auch für Aufregung: Diese sahen vor, die Geschichte der deutschen Teilung und des Mauerfalls in der gymnasialen Oberstufe als Lehrstoff nicht mehr für alle Schüler verpflichtend zu machen. Nach Protesten von Opferverbänden und Geschichtslehrerinnen und -lehrern nahm die Bildungssenatorin von dem Vorhaben Abstand.
Onlinebeitrag: Leila Knüppel














