Landtagswahl
Debatte über Rolle der Medien nach AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird auch über die Rolle der Medien diskutiert. So sieht unter anderem die Europäische Rabbinerkonferenz eine Mitverantwortung bei der Presse für das starke Abschneiden der AfD.

    Blick auf das gläserne MDR-Landesfunkhaus in Magdeburg. Davor blaue Flaggen mit der Aufschrift "mdr Sachsen-Anhalt"
    Die AfD will die Medienstaatsverträge für Sachsen-Anhalt kündigen - davon wäre auch der MDR in dem Bundesland betroffen. (picture alliance / Joko )
    Der Generalsekretär der Konferenz der Europäischen Rabbiner, Gady Gronich, nannte das Abschneiden der AfD als stärkste Partei in Sachsen-Anhalt als "besorgniserregend". "Antisemitismus, völkisches Denken und Geschichtsrelativierung dürfen in Deutschland keinen Platz haben", sagte Gronich in einer Mitteilung. Die Antwort auf das Wahlergebnis dürfe jedoch "nicht noch mehr Empörung und Polarisierung" sein. Die demokratische Mitte müsse Probleme klar benennen und Vertrauen zurückgewinnen. Gronich erklärte weiter, auch die Medien müssten sich fragen, ob sie nicht zur Stärkung der AfD beigetragen hätten. Die Partei sei über Monate zum Mittelpunkt gemacht und jede Provokation verstärkt worden.

    Kommunikationsforscher: "Weltuntergangsstimmung und Sehnsucht nach vermeintlich guten alten Zeiten Mitursache für AfD-Erfolg"

    Der Stuttgarter Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider sieht Medien mitverantwortlich für den aktuellen negativen Gemütszustand vieler Menschen. Ihm zufolge herrschen eine verbreitete Weltuntergangsstimmung und eine Sehnsucht nach vermeintlich guten, alten Zeiten. Der Professor von der Universität Stuttgart-Hohenheim sagte der Katholischen Nachrichtenagentur, die Bundesregierung könne derzeit kein positives Gesamt-Zukunftsbild entwerfen und keine Aufbruchstimmung erzeugen. So erschienen notwendige Reformen als Einzelmaßnahmen und nicht als Mittel zum Erreichen eines positiven Ziels. Brettschneider betonte, er sehe da auch Journalisten in der Pflicht. Sie sollten Missstände benennen, aber zusätzlich auch über Lösungsmöglichkeiten berichten.

    AfD-Spitzenkandidat Siegmund zu Pressevertretern: "Haben es auch dank Ihnen geschafft"

    Der Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, Siegmund, erklärte, dass seiner Meinung nach auch kritische Berichte für das gute AfD-Wahlergebnis gesorgt hätten. "Wir haben es auch dank Ihnen geschafft", sagte Siegmund am Montag in der Bundespressekonferenz in Berlin. Er verwies unter anderem auf das Cover einer Ausgabe des Magazins "Der Spiegel" mit einem Bild von ihm und dem Titel "Der gefährlichste Mann Deutschlands". Siegmund bekräftigte den Plan seiner Partei, den Medienstaatsvertrag für das Land Sachsen-Anhalt zu kündigen.

    Reporter ohne Grenzen und Jüdische Journalisten warnen vor Kündigung des Medienstaatsvertrags

    Die Organisation Reporter ohne Grenzen warnte erneut vor einem solchen Schritt. Der Geschäftsführer der Organisation, Christian Mihr, erklärte, Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk sei legitim. Wer ihm jedoch pauschal Desinformation vorwerfe und zugleich seine staatsferne Finanzierung sowie seine rechtlichen Grundlagen beseitigen wolle, übe nicht bloß Kritik, sondern greife eine zentrale Infrastruktur der demokratischen Öffentlichkeit an.
    Ähnlich äußerte sich der Verband Jüdischer Journalistinnen und Journalisten. Nach Ansicht der Vorsitzenden des Verbands, Susanne Stephan, lässt die Ankündigung Siegmunds "das Bestreben erkennen, die Medien im Land auf AfD-Linie zu bringen". Für Minderheiten - also auch für Jüdinnen und Juden - lasse das nichts Gutes erwarten.

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    Diese Nachricht wurde am 07.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.