FAZ-Gastbeitrag
Debatte um "Rente mit 63": Warum laut Experten Männer profitieren - und der Osten nicht besonders betroffen ist

In der Diskussion um die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren rufen zwei Experten zu einer Versachlichung auf. Der ehemalige Direktor am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik, Börsch-Supan, und der frühere Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger, Ruland, äußern sich in einem Gastbeitrag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

    Eine Frau mit weißen Haaren läuft vor einem Haus mit dem Logo der Deutsche Rentenversicherung entlang.
    Über die Zukunft der Rente in Deutschland wird kontrovers diskutiert (Archivbild). (dpa / Markus Lenhardt)
    Darin heißt es unter anderem, die Abschlagsfreiheit der Altersrente für besonders langjährig Versicherte begünstige Männer. Frauen erreichten die vorausgesetzten 45 Versicherungsjahre seltener. Sie müssten daher die Begünstigung der männlichen Versicherten mitfinanzieren. Außerdem profitieren den Fachleuten zufolge vor allem Versicherte mit höheren Renten.

    "Keine besondere Betroffenheit in den neuen Bundesländern"

    Auch gebe es - anders als von den ostdeutschen Ministerpräsidenten dargestellt - keine besondere Betroffenheit in den neuen Bundesländern. Zwar hätten dort im Vergleich zu den alten Bundesländern bereits etwas mehr Menschen die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren in Anspruch genommen.
    Zu erklären sei dies aber mit Besonderheiten bei der Anerkennung von Versicherungsjahren aus der Zeit der ehemaligen DDR. Daraus für die heutige Diskussion auf eine besondere Betroffenheit der neuen Bundesländer zu schließen, sei jedoch unzutreffend, heißt es in dem FAZ-Gastbeitrag.

    Abschaffung der Frührente ist Kernpunkt der Rentenreform

    Die Abschaffung der Frührente ohne Abschläge nach 45 Beitragsjahren - aktuell mit 64,5 Jahren möglich, landläufig aber weiterhin als "Rente mit 63" bezeichnet - ist einer der Kernpunkte der geplanten Reform der Alterssicherung. Widerstand kommt insbesondere von den ostdeutschen Ministerpräsidenten, aber auch aus den SPD-regierten Ländern Saarland, Bremen und Niedersachsen.
    Diese Nachricht wurde am 07.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.