
Die Alterssicherungskommission, eine Fachkommission aus Experten und Politikern, hat im Auftrag der Bundesregierung Vorschläge erarbeitet, wie man das Rentensystem auch künftig sichern will. Vorgesehen sind unter anderem eine kapitalgedeckte Zusatzrente, die Einbindung von Selbstständigen in die gesetzliche Rente und auch die Abschaffung von beitragsfreien Minijobs.
Rentenreform: Vorschläge zum Renteneintrittsalter
Das Renteneintrittsalter soll an die Lebenserwartung gekoppelt werden und in den kommenden Jahren allmählich ansteigen – ab 2041 alle zehn Jahre um ein halbes Jahr. Den Berechnungen der Kommission nach bedeutet das, dass Beschäftigte 2041 erst mit 67,5 Jahren und 2051 dann mit 68 in Rente gehen können. In den 2090er-Jahren würde dann die Rente mit 70 gelten.
Die Berechnungen sollen regelmäßig überprüft werden. Das Verhältnis Arbeitsjahre zu Rentenjahre soll ungefähr bei 2:1 liegen.
Um die Ausgaben für die Rente zu senken, soll den Empfehlungen zufolge ein früherer Renteneintritt ohne Abschläge wie die sogenannte Rente mit 63 nicht mehr möglich sein. Für Menschen mit belastenden Arbeitsbiografien und gesundheitlichen Problemen soll es aber neue Regelungen geben. Wie genau diese aussehen sollen, ist noch unklar.
Argumente für ein höheres Renteneintrittsalter
Der Wirtschaftsweise Gabriel Felbermayr spricht sich für die Erhöhung des Renteneintrittsalters aus, weil angesichts der steigenden Lebenserwartung 45 Beitragsjahre nicht mehr als hohe Zahl angesehen werden können wie noch vor Jahrzehnten. Daher müsse man die abschlagsfreie Rente an die gestiegene Lebenserwartung binden.
Das Problem des Arbeitskräftemangels
Die Rente mit 63 wird laut Felbermayr zu einem großen Teil von Personen in Anspruch genommen , die nicht krank sind und die eher mittlere oder höhere Einkommen haben. Das würde sehr viel Geld sparen, etwa 10 Milliarden Euro pro Jahr, „und es würde auch dazu führen, dass mehr Menschen im Erwerbsleben bleiben, wenn sie denn können, was angesichts des Arbeitskräftemangels in Deutschland auch höchst willkommen wäre“. Derzeit verschwinden durch den frühen Eintritt in die Rente etwa 125.000 Vollzeitkräfte vom Arbeitsmarkt.
Altersarmut müsse man zielgerichtet bekämpfen statt mit der Gießkanne, etwa durch Erwerbsminderungsrenten und Arbeitsunfähigkeitsrenten, so der Wirtschaftsweise.
Kritik an der Kopplung an die Lebenserwartung
Philipp Türmer, Bundesvorsitzender der Jusos, sieht es kritisch, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu binden, weil die Lebenserwartung nicht gleichmäßig steigt.
„Man redet von einer allgemeinen Lebenserwartung, das ist aber ein statistischer Wert“, sagt der Sozialdemokrat. Die Lebenserwartung steige vor allem bei denen, die viel verdienen und die in wenig anstrengenden Jobs beschäftigt sind. Bei Menschen, die weniger verdienen und körperlich anstrengenden Tätigkeiten nachgehen, stagniere die Lebenserwartung.
Daher sei es ungerecht, das Renteneintrittsalter an die allgemeine Lebenserwartung zu koppeln. „Dann haben nämlich diejenigen, die früh anfangen zu arbeiten, in körperlich anstrengenden Jobs sind, deutlich weniger von der Rente.“
Türmer hätte deswegen eine Kopplung an die Beitragsjahre als deutlich gerechter empfunden. So könne sichergestellt werden, dass diejenigen, die früh anfangen zu arbeiten – häufig in anstrengenden Jobs – auch früher in Rente können.
Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK, hält sich mit einer Bewertung noch zurück. Auch sie weist darauf hin, dass Menschen in stark belastenden Berufen und mit niedrigeren Einkommen eine geringere Lebenserwartung haben. Die sei innerhalb Deutschlands regional noch unterschiedlich. Es sei aber noch unklar, unter welchen Bedingungen Menschen früher in Rente gehen sollen können.















