Dlf-Sendung "Zur Diskussion"
Debatte um Umgang der Politik mit Hitzewellen hält an

Nach der ersten großen Hitzewelle des Jahres in Deutschland wird weiter über den Umgang der Politik mit dem Thema diskutiert. In der Dlf-Sendung "Zur Diskussion" gab es unter anderem Kritik an der Bundesregierung und an einer falschen Gestaltung der Kommunen in den zurückliegenden Jahrzehnten. Auf der anderen Seite wurde vor nationalem Aktivismus und einer Überforderung der Menschen mit zu vielen Katastrophen-Szenarien gewarnt.

    Das Bild zeigt eine in der Gluthitze verdorrte Sonnenblume vor blauem Himmel.
    Die Klimaschutz-Aktivistin Neubauer warnte im Deutschlandfunk davor, wissenschaftlich eindeutig belegte Folgen des menschengemachten Klimawandels weiter zu relativieren. (IMAGO / Oliver Willikonsky)
    Die Klimaschutz-Aktivistin Neubauer warnte im Deutschlandfunk davor, wissenschaftlich eindeutig belegte Folgen des menschengemachten Klimawandels weiter zu relativieren. Während man den Menschen rate, mehr Wasser zu trinken oder an den See zu fahren, verpasse man weiterhin Klimaziele und lasse die Kommunen mit enormen Herausforderungen allein. Zugleich wies Neubauer Deutschland eine Vorbildfunktion zu, die das Land derzeit nicht erfülle.

    "Bruchteil der Weltbevölkerung"

    Der frühere Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Haseloff, plädierte dafür, sich vor allem auf Maßnahmen zum Schutz vor hohen Temperaturen zu konzentrieren. Dies gelte für die Menschen auf persönlicher Ebene ebenso wie für die Kommunen, wo es etwa um zubetonierte Flächen und den Anteil an Grün gehe. Dies habe man unmittelbar in der Hand, fügte das CDU-Bundesvorstandsmitglied hinzu, während man nur einen Bruchteil der Weltbevölkerung stelle.
    Der Wissenschaftsjournalist und Arzt von Hirschhausen sprach von einem gesamtgesellschaftlichen Problem, bei dem man sich "ehrlich machen" müsse. Bei Hitze gehe es allen schlechter - und das gelte auch für die Wirtschaft, wenn etwa die Transportwege über Wasser nicht mehr funktionierten.

    "Nicht zu abstrakt diskutieren"

    Die CDU-Kommunalpolitikerin Heute-Blum bezeichnete die vergangenen Tage als Weckruf. Das Vorstandsmitglied der Klima-Union wandte sich aber auch dagegen, die Menschen immer wieder vor neuen Katastrophen zu warnen, von denen es weltweit bereits zu viele gebe. Vielmehr müsse man nicht immer nur über ferne und abstrakte Klimaziele streiten, sondern die Menschen mitnehmen und auch im Kleinen zu mehr Klima-Resilienz verhelfen.
    Haseloff, betonte, klar sei, dass es mit dem Verbrauch fossiler Energieträger, der die CO2-Konzentration nach oben treibe, auf Dauer so nicht weitergehen könne. Der Diplomphysiker fügte hinzu, man müsse sich aber auf eine globale Reduzierung der Emissionen konzentrieren. Fielen etwa deutsche Industriearbeitsplätze wegen nationaler Eingriffe weg, laufe man Gefahr, dass diese dann anderswo auf der Welt mit deutlich niedrigeren Standards und höherem CO2-Austoß entstünden. Das jedoch wirke sich dann negativ auf die Gesamtbilanz aus.

    "Zelebrierte Empathielosigkeit"

    Neubauer warf der Bundesregierung eine - Zitat - "emotionale Verkümmerung" und "zelebrierte Empathielosigkeit" mit den Menschen im Land vor. Sie denke da etwa an Großeltern, deren Körper nicht für solche Temperaturen gemacht seien - ebenso an junge Schwangere, die sehr gelitten hätten. Gerade jetzt biete sich auch im Sinne der Demokratie die Chance, Klimaleugnern wie etwa in der AfD zu begegnen, indem man die Menschen anspreche und ihnen zeige, dass sie auch in solchen Situationen "gesehen" würden.

    "Haben für alte Welt gebaut"

    Von Hirschhausen beklagte, das Gesundheitssystem sei wegen früher nicht erfolgter Investitionen in hitzeresiliente Strukturen nicht auf die heutige Situation vorbereitet. So befinde man sich aus medizinischer Sicht in einer Notfallsituation. Die heute existierende Infrastruktur sei für eine Welt gebaut worden, die es nicht mehr gebe - und die auch nicht mehr zurückkomme.
    Heute-Blum erklärte, die Städte könnten den Schalter nicht sofort umlegen, aber Schritt für Schritt nachsteuern - und täten dies auch bereits. So habe man bislang etwa nur an Wärmenetze für den Winter gedacht, räumte das Vorstandsmitglied der Klima-Union ein. Es sei aber technisch ohne Weiteres möglich, diese Netze nun auch für Kühlung zu verwenden. Die Kommunen brauchten aber die Unterstützung des Bundes.
    Die gesamte Sendung können Sie hier nachhören.
    Diese Nachricht wurde am 01.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.