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Debüt von Rodrigo Leão und Scott Matthew
Sehnsuchtsvolle Melodien mit samtigem Bass

Zwei Kontinente und zwei Kulturen treffen aufeinander: Komponist Rodrigo Leão aus Portugal und der in New York lebende australische Sänger und Songschreiber Scott Matthew. Beide verbindet die Vorliebe für melancholische Melodien.

Von Marlene Küster | 19.11.2016
    Der portugiesische Komponist Rodrigo Leão und der australische Sänger und Songschreiber Scott Matthew.
    Der portugiesische Komponist Rodrigo Leão und der australische Sänger und Songschreiber Scott Matthew. (Michael Mann)
    "Unsere Musik ist zwar melancholisch, aber nicht ohne Hoffnung. Das drückt der Albumtitel 'Life is long' aus. Das Leben ist lang - eine positive Aussage. Im Titelsong hat eine Person gerade großen Liebeskummer, aber das ist nicht das Ende, heißt es da, das Leben geht weiter."
    Der australische in New York lebende Sänger und Songschreiber Scott Matthew spricht über das Album "Life is long", 13 Songs, die er zusammen mit dem 52-jährigen portugiesischen Komponisten Rodrigo Leão realisiert hat. Leão schickte Matthew erste Entwürfe des Songs "The Child" zu:
    "Ich ließ die Komposition auf mich wirken. Mir war klar, hier ist das Gefühl von Unschuld im Spiel. Deshalb habe ich darin Elemente des Wiegenlieds 'Rock a bye baby' eingebaut. The Child ist für uns der ideale Anfangssong, um den Hörer in unser Klanguniversum zu ziehen."
    Klare Rollenverteilung
    Der Akzent liegt bei dem mit Orgel und etwas Synthesizer sparsam instrumentierten Stück "The Child" auf der Ausdruckskraft von Matthews samtig-rauem Bass. Beide Musiker trafen sich und schickten sich immer wieder Demoaufnahmen zu. Die Rollen waren klar verteilt: Leão übernahm die Produktion und die Komposition. In seinen Sound - maßgeblich von seiner Arbeit mit der portugiesischen Band Madredeus geprägt - fließen auf "Life is long" dramatische Elemente, die Sehnsucht und Atmosphäre seiner portugiesischen Wurzeln ein wie im Song "Nothings Wrong".
    Rodrigo Leão setzt seine musikalischen Ideen mit vielen Musikern um:
    "Zum Einsatz kommen hier ein Streicher-Quartett aus Lissabon, mit dem ich seit Jahren zusammenarbeite, die Instrumente Tuba, Trompete, Posaune, Keyboard, Schlagzeug, Bass, Gitarre und Synthesizer. Meine Musik ist von verschiedenen Einflüssen geprägt: Klassik, Tango, aber auch Pop."
    Der 45-jährige Matthew kümmerte sich um Text und Gesang. Mit seinen poetischen Texten hauchte er den Liedern Leben ein: Seine Helden machen schwierige Momente wie gescheiterte Liebesbeziehungen, Ängste und Alleinsein durch. "Terrible Dawn" - ihr erster gemeinsamer Song. Hier geht es um die Angst vor der Morgendämmerung, denn der Tag bringt Sorgen und Schmerz ans Licht.
    Rockige und orchestrale Töne
    "Enemies" ist musikalisch eine Ausnahme. Als Matthew den Song zum ersten Mal hörte, fühlte er sich sofort in seine Teenagerzeit zurückversetzt: Er spielte damals in einer Rock-Band.
    "Es geht darum, dass Partner in einer Beziehung schnell zu Feinden werden können. Die rockigen Töne drücken hier gut die feindliche Stimmung aus."
    Matthew war früh vom angelsächsischen Singer-Songwriting beeinflusst und Rodrigo von Tango sowie Klassik geprägt. Trotz dieser Unterschiede und vielleicht gerade deshalb entwickelte sich zwischen den beiden Künstlern eine fruchtbare Zusammenarbeit. Sie sind beide Autodidakten und wie füreinander geschaffen:
    "Rodrigos Kompositionen sind reich instrumentiert im Vergleich zu meinen und dieses Mal wollte ich auch einen opulenten, orchestralen Klang kreieren."
    Sehnsuchtsvoll anmutende Melodien
    Hier sind Musiker mit langjähriger Erfahrung am Werk, die ihr Talent gekonnt einsetzen: Matthew überzeugt mit seinem tiefgründigen Songschreiben und dem Gesang, Rodrigo mit seinen gefühlvollen Kompositionen. Und ihr entscheidender Berührungspunkt: das Faible für sehnsuchtsvoll anmutende Melodien.
    Nostalgie, Sehnsucht, Melancholie - Schlüsselworte im Klangkosmos von Leão und Matthew. "Life is long" - ein Werk voller wunderbarer, poetischer Balladen, klassischer eingängiger Harmonien, mit einem Orchester musikalisch gelungen umgesetzt und einfühlsam von Scott Matthews Stimme getragen.