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Dem Vorsteher sanft auf den Zahn gefühlt.

Medizin. – Wie überall in Europa scheuen Männer den rechtzeitigen Gang zur Vorsorgeuntersuchung und erscheinen oft erst dann beim Arzt, wenn das Gewebe der Prostata bereits angeschwollen und möglicherweise sogar bösartig entartet ist. Andererseits steht die herkömmliche, unangenehme Tastuntersuchung mit dem Finger schon lange in der Diskussion. Patienten setzen daher mitunter lieber auf die ebenfalls nicht unumstrittene Messung des so genannten Prostata-spezifischen-Antigens (PSA) im Blut. Eine Lösung kommt jetzt indes vielleicht aus Italien. Dort entwickelten Mediziner ein völlig neuartiges Diagnoseverfahren, für die Mann sich noch nicht einmal ausziehen muss.

    Die klassische Form der Prostatauntersuchung ist so schlicht wie unangenehm und schlägt noch immer auch gestandene Mannsbilder viel zu oft in die Flucht. Denn gänzlich manuell untersucht der Arzt dabei rektal die Vorsteherdrüse auf verdächtige Größe und Konsistenz. Wer dennoch den Sinn der Untersuchung akzeptiert, besteht dann oftmals lieber auf eine Blutentnahme, in der die Konzentration eines alleine in der Prostata gebildeten Eiweißes gemessen wird. Liegt dieser Wert ein bestimmtes Maß über der Norm, so die Theorie, besteht ein Verdacht auf einen Tumor. Doch auch diese Methode steht zunehmend in der Kritik, denn ihre Aussagekraft wird von Experten immer mehr bezweifelt. Ein Ausweg des Dilemmas scheint jetzt aber in Sicht, denn seit Juli können zumindest Italiens Männer ihre Prostata auf völlig andere Weise prüfen lassen. "Seit Juli steht uns ein hochentwickeltes Gerät zur Verfügung, das die Prostatauntersuchung revolutioniert. Mit diese Apparatur können auch Krankheitsherde ermittelt werden, die noch im Anfangsstadium stehen", berichtet Davide Medini, Arzt an der römischen Universitätsklinik.

    Die so genannte "Tissue Resonance Interferometer Probe", kurz TRIMPROB, verzichtet überdies völlig auf eine Penetration des Patienten. Die rund 30 Zentimeter lange, zylindrische Sonde wurde von dem Physiker Clabruno Vedruccio am Nationalen Wissenschaftsinstitut CNR entwickelt. TRIMPROB kann sogar durch Kleidung hindurch der Vorsteherdrüse auf den Zahn fühlen, schildert Davide Medini: "Die Sonde ist mit einer Empfangseinheit für elektromagnetische Strahlen verbunden. Sie empfängt die Daten der Sonde, wertet sie aus und gibt dem Arzt Hinweise auf eine mögliche Erkrankung. Die Sonde wird dazu nur an den Körper des Patienten herangeführt, ohne ihn zu berühren. Es muss lediglich die Drüse genau anvisiert werden." In verschiedenen Frequenzen werden elektromagnetische Strahlen dabei durch das Organ geschickt und auf der Rückseite des Patenten von der Empfangseinheit aufgefangen. Die zugehörige Software interpretiert dabei den Durchgang beziehungsweise die Absorption verschiedener Frequenzanteile und liefert Hinweise auf den Zustand des Prostatagewebes. Die Methode, so beteuern italienische Experten, sei so empfindlich, dass bei normgerechten Werten eine Erkrankung nahezu hundertprozentig ausgeschlossen werden könne.

    Das Mailänder San-Carlo-Krankenhaus testete TRIMPROB bereits an über 1000 Patienten, bei denen bereits Entzündungs- und Tumorerkrankungen in verschiedenen Stadien entdeckt worden waren. In 97 Prozent der Fälle wurde die Sonde dabei ebenfalls fündig. Je nachdem, wie die Ober- und Tiefstwerte der elektromagnetischen Strahlungswellen auf dem Empfangsgerät ausfallen, kann der Arzt erkennen, ob es sich um eine Entzündung oder einen bereits ausgebildeten Tumor handelt. Die Sonde kann auf diese Weise sogar feststellen, ob sich ein Tumor noch in seinem Anfangsstadium befindet oder bereits eine ernstzunehmende Bedrohung für den Patienten darstellt. Dazu Medini: "Die Untersuchung dauert nur einige Minuten und das Ergebnis liegt sofort vor. TRIMPROB kann zwar keine komplette Untersuchung ersetzen, aber die Sonde gibt wichtige Hinweise auf den Zustand des Organs. Mit ihrer Hilfe können auch Massenuntersuchungen in kürzester Zeit durchgeführt werden." Sind die Messwerte auffällig, müssen dann weitere Tests durchgeführt werden, um die Diagnose zu verfestigen. Zur Feststellung von Prostataerkrankungen sind Testreihen bereits erfolgreich abgeschlossen worden. Derzeit wird TRIMPROB an verschiedenen italienischen Krankenhäusern überdies auch zur Untersuchung von anderen Leiden erprobt. Bis Ende dieses Jahres wird man dann möglicherweise wissen, ob die Sonde auch zur Ermittlung von Brust-, Lungen, Leber- und Magenkrebs genutzt werden kann.

    [Quelle: Thomas Migge]