Freitag, 19. August 2022

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Dem Zusammenhang von Gen und Krankheit auf der Spur

Medizin. - Mit der Genomanalyse hält die Wissenschaft erstmals ein Werkzeug in der Hand, um Krankheiten wirklich an der Wurzel, den Genen, packen zu können - zumindest prinzipiell. Denn je mehr man in die Welt der Gene eindringt, um so deutlicher wird, wie komplex das Zusammenspiel der Erbinformationen ist. Auf der Konferenz "Gene und Krankheit - Molekularbiologie, Krebsforschung, Biochemie, Pharmaentwicklung" am Europäischen Molekularbiologischen Labor in Heidelberg entwarfen die Experten dennoch die großen Visionen von der Wunderwaffe Genomanalyse.

19.11.2001

    So hofft man auf eine bessere Anpassung der Therapie an den individuellen Organismus des Patienten, wenn man die Erbinformationen von möglichst vielen Individuen entschlüsselt. Denn so erschließen sich die Variationen, in denen das nur grob gesprochen einheitliche menschliche Genom auftritt. Mit den Informationen über die genetischen Besonderheiten - so die Hoffnung - kann dann auch die Therapie darauf zurecht geschnitten werden. Jonathan Knowles, Forschungschef des Schweizer Pharmakonzerns Konzern Hoffmann-La Roche: " Wie wollen ganz genau herausfinden, warum jemand krank wird; und zwar auf molekularer Ebene. Wenn wir das wissen, lässt sich die richtige Medizin für diesen einzelnen Patienten finden. Das Konzept lautet: Das richtige Medikament für den richtigen Patienten."

    So verfolgt Hoffmann-La Roche dieses Ziel mittels einer Zusammenarbeit mit dem isländischen Biotechnologie-Unternehmen Decode Genetics. Seit zwei Jahrzehnten sammelt man dort Gesundheitsdaten und Blutproben und forscht nach Zusammenhängen zwischen Genetik und Krankheiten. Galt die genetische Vielfalt der Isländer aufgrund ihrer engen Verwandtschaft und jahrhundertelangen Isolation zu Beginn der Untersuchung als relativ gering, so zeigt sich mittlerweile, dass die Genome in Island nicht gleichförmiger als anderswo sind. " Heute wissen wir, dass die Isländer ausreichend genetische Unterschiede aufweisen, um bestimmte Fragen zu beantworten. Zum Beispiel die Frage nach Risikofaktoren in der Umwelt und im Erbgut", so Knowles. Vom Ursprungsziel einer vollkommenen genetischen Erfassung der Isländer ist Decode Genetics allerdings inzwischen abgerückt. Die isländischen Untersuchungen sollen durch ein vergleichbares Projekt in Estland, dem nördlichsten der baltischen Staaten, ergänzt werden. Dort soll in den nächsten Jahren mit Hilfe der Hausärzte eine Million Blutproben gesammelt werden. Im März 2002 steht eine erste Pilotphase in ausgewählten Regionen Estlands an. Wissenschaftler und Pharmaforscher warten schon gespannt auf die vielen neuen Profile.

    [Quelle: Michael Lange]