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StartseiteEine WeltDas Sterben geht weiter – trotz Ebola-Impfstoff03.08.2019

Demokratische Republik KongoDas Sterben geht weiter – trotz Ebola-Impfstoff

In der Demokratischen Republik Kongo grassiert eine Ebola-Epidemie und fordert Tausende Menschenleben. Dabei gibt es einen wirksamen Testimpfstoff. Das Problem: Nur wenige lassen sich impfen. Das liegt an fehlender Aufklärung – und an dem grausamen Krieg im Norden des Landes.

Susanne Babila im Gespräch mit Britta Fecke

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Eine Psychologin legt im Ebola-Behandlungszentrum CTE ALIMA BENI Schutzkleidung an. Seit einem Jahr wütet die Seuche Ebola im Osten des Kongos.  (dpa / picture alliance / Kitsa Musayi)
Die Demokratische Republik Kongo hat die längste Erfahrung mit Ebola-Ausbrüchen. Es ist die bisher neunte Epidemie in dem zentralafrikanischen Land. (dpa / picture alliance / Kitsa Musayi)
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Britta Fecke: Seit einem Jahr tötet das Ebola-Virus im Osten der Demokratischen Republik Kongo fünf Menschen pro Tag. Laut Ärzte ohne Grenzen haben sich seit dem August des letzten Jahres mehr als 2.600 Menschen mit dem Virus infiziert, mehr als die Hälfte starb an der Erkrankung.

Inzwischen gibt es einen noch nicht lizenzierten Testimpfstoff, der aber fast alle geimpften Personen immunisiert. Lange hieß es, dass ein Impfstoff die Rettung vor der tödlichen Krankheit sei. Nun ist er da, und die Menschen sterben weiter.

Warum sich Ebola in der Demokratischen Republik Kongo so schwer bekämpfen lässt, wollte ich von meiner Kollegin Susanna Babila wissen. Sie ist im Osten des Landes unterwegs, im Moment in Bunia, nahe der Grenze zu Uganda. Wir erreichen sie während eines Starkregens über ein Satellitentelefon.

Frau Babila: Die Demokratische Republik Kongo hat die längste Erfahrung mit Ebola-Ausbrüchen, warum ist diese bisher neunte – registrierte – Epidemien die schlimmste?

Susanne Babila: Es ist so, wir sind jetzt gerade in Bunia, das ist die Provinzhauptstadt von Ituri, und hier spüren Sie die Anspannung, weil wir sind hier mitten in einem Gebiet, wo im Grunde jeden Tag Dörfer überfallen werden, gebrandschatzt wird, man spricht von abschlachten.

Das heißt, in dieser Region herrscht ein grausamer Krieg, und in Gebieten, in denen Krieg herrscht, können natürlich Helfer, Ärzte, Gesundheitsstationen nicht aufgebaut werden, und die Menschen dort können nicht arbeiten. Es ist ja auch so, dass selbst sich (unverständliches Wort; Anm. d. Red.) oder auch zum Teil die Polizei sich dann in solche Regionen nicht mehr traut.

"Viele glauben, dass der Impfstoff Gift sei"

Im Moment ist die Situation tatsächlich sehr gefährlich. Das ist ein Grund dafür. Der andere Grund ist, dass vor allem die Dorfbewohner nicht mehr der Regierung vertrauen.

Viele glauben, dass der Impfstoff Gift sei und man sie vergiften wolle. Das hängt natürlich mit der politischen Situation zusammen. Kurz vor den Wahlen haben ja auch Politiker behauptet, dass Ebola überhaupt nicht existiere. Insofern sind die Menschen extrem verunsichert.

Dazu kommt – das kann man natürlich in Deutschland, in Westeuropa vielleicht ganz schwer begreifen –, dass es hier so viele Krankheiten gibt, die natürlich noch viel, viel mehr Menschenleben kosten.

Wir haben hier Malaria, jede Wunde kann hier zum Tod führen. Wir haben hier ganz viele Menschen, die in Krankenhäusern liegen beziehungsweise in den Dörfern nicht versorgt werden können und das wegen viel – für unsere Verhältnisse – relativ harmlosen Krankheiten.

Insofern verstehen auch viele nicht, warum jetzt Ebola so gefährlich sein soll und warum die westliche Welt gerade dafür so viel Geld bereitstellt. Das sind so die Fragen, die sie hier haben.

Sie müssen auch sehen, die Menschen sind hier nicht gebildet, sie können sich nicht so einfach per Zeitung informieren, über den Impfstoff zum Beispiel, und deshalb schwärmen hier wirklich Sensibilisierungsgruppen in die Dörfer – jedenfalls dorthin, wo man hin kann – und versuchen, die Menschen davon zu überzeugen, dass sie sich unbedingt impfen lassen müssen.

"Die Regierung hat hier versagt"

Fecke: Aber das ist ja nun schon ein Ausbruch von vielen. Vor einigen Jahren gab es ja schon mal eine sehr heftige Epidemie, hat man denn daraus nicht gelernt? Damals, weiß ich, hatten die Menschen Angst, dass ihnen Organe entnommen werden, jetzt haben sie Angst, dass dieses Serum ein Gift ist. Gibt es denn nicht im Laufe der Jahre so eine gewisse Aufklärung in der Bevölkerung?

Babila: Man muss leider sagen, die Aufklärung ist immer noch sehr gering. Die Regierung hat hier versagt, genau wie die Regierung versagt hat, für Sicherheit zu sorgen im Nordosten.

Manche behaupten, dass es gar nicht gewollt sei, Frieden zu haben. Nur muss man leider sagen, Ebola effektiv zu bekämpfen, kann man nur im Frieden, das geht nicht, wenn Krieg herrscht.

Dazu kommt, diese Region ist ein Handelsknotenpunkt, hier wird sehr viel gereist, und die Menschen bewegen sich natürlich von A nach B, und das ist natürlich sehr, sehr gefährlich, was die Verbreitung dieser Seuche anbetrifft.

Wir hatten ja jetzt in Goma einen weiteren Fall gemeldet. Ich habe gerade mit einem Pfarrer gesprochen, der aus Butembo kommt – das ist in Nord-Kivu –, dort ist halt die Seuche extrem ausgebreitet. Es gibt bereits mehr als 300 Tote, in Beni sind es noch viel, viel mehr.

Auch da hat man mir erzählt, dass die Menschen sich einfach nicht impfen lassen und man wirklich versucht, alles versucht, dass hier sozusagen Aufklärung stattfindet und ein Mentalitätswechsel stattfindet. Aber das ist natürlich langwierig, und das hätte schon natürlich vor langer Zeit stattfinden müssen.

Fecke: Ein natürliches Reservoir des Virus sind ja Affen und Flughunde, die sind befallen, aber erkranken nicht daran. Hat sich der Umgang mit den Tieren etwas geändert und auch der Umgang mit den verstorbenen Angehörigen, was ja auch eine Infektionsquelle war?

Babila: Also dort, wo Aufklärung funktioniert, hat sich da natürlich was verändert. Man muss natürlich sehen, die Dorfbewohner ernähren sich von den Tieren, die im Wald sind, in dem Fall natürlich in den tiefen Regenwäldern.

Und dadurch, dass der Mensch natürlich auch immer mehr rodet und man immer mehr vordringt in diese Regenwälder, ist die Gefahr natürlich auch immer größer, dass man sich infiziert. Also auch hier kann man nur sagen, da muss Aufklärung gemacht werden, damit die Menschen wissen, durch welche Quellen werden sie infiziert.

Aber man weiß ja auch noch nicht ganz genau, durch welche Tiere man infiziert wird. Man sagt Flughunde, man sagt Affen, aber es gibt vielleicht noch ganz andere Tiere.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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