Iyers kammermusikalisch ausgerichtetes Improvisationstrio "Fieldwork" zählt zu den herausragenden Bands der amerikanischen Szene. Hier ist die antiquierte Soloabfolge des modernen Jazz zurückgenommen zugunsten eines polyrhythmischen Kollektivsounds - in Wellen und Schleifen bewegt sich die Musik, Titel wie "Cycle I" und "Pivot Point" deuten die philosophische Ausrichtung an. Mit dem Motto seines neuen Quartett-Albums "Tragicomic" bezieht sich der indo-amerikanische Pianist auf schwarze Musikgeschichte: Der Blues konterte mit einer großen heldenhaften Gefühlswelt die grausamen sozialen Bedingungen, unter denen er entstand. Im Text zu "Tragicomic" schlägt Iyer vor, aus der großen Kraft des Blues zu lernen, und die Augen und Träume trotz großer globaler Probleme nach vorn zu richten - das sei die Haltung, aus der seine Musik entsteht. Iyers dritte aktuelle CD, "Still Life With Commentator", ist eine Gemeinschaftsarbeit mit dem HipHop-Poeten Mike Ladd und handelt von den Problemen zwischen Mensch und Medien in Zeiten der Berichterstattung über Gräueltaten. Christian Broecking hat für das JazzFacts-Porträt Vijay Iyer in New York besucht.
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Den Puls des Widerstands spüren
Vijay Iyer gilt vielen als die Jazz-Entdeckung des Jahrzehnts. Wiederholt wurde der 37-jährige Pianist zum besten Nachwuchsmusiker gewählt; im letzten Sommer zierte er das Titelblatt der amerikanischen Fachzeitschrift Down Beat - und gleich drei CDs, auf denen er mitwirkt, sind jüngst erschienen.